Traditionalisten scheitern

Fassungslosigkeit beim DTB: Davis Cup wird radikal reformiert - was Barcas Gerard Pique damit zu tun hat

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Gerard Pique feiert.

Niederlage für den Deutschen Tennis Bund und die Tennis-Traditionalisten: Der Davis Cup wird ab 2019 radikal reformiert.

Orlando - Für die einen ist es der Tod einer lieb gewonnenen Tradition, für die anderen der Aufbruch in eine bessere Zeit: Der 118 Jahre alte und leicht verstaubte Mannschaftswettkampf um den Davis Cup wird ab der kommenden Saison einer radikalen Reform unterzogen. Das beschloss die Versammlung des Tennis-Weltverbandes ITF in Orlando/Florida. Der Widerstand der Tennisnationen Großbritannien, Australien und Deutschland reichte nicht aus, 71,43 Prozent der Stimmen fielen auf die Neuausrichtung.

"Für uns ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung, die uns erst einmal fassungslos macht", sagte Ulrich Klaus, Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB): "Wir sind bis zum Schluss davon ausgegangen, dass die Mehrheit der Mitgliedsnationen vernünftig und mit Bedacht abstimmen würde. Wir haben stets betont, dass wir gewisse Anpassungen im Davis Cup für notwendig erachten - aber keine Reform, die den etablierten Wettbewerb abschafft."

ITF-Präsident David Haggerty und seine Anhänger hatten eine Zweidrittelmehrheit benötigt, um ihre revolutionären Pläne in die Tat umsetzen zu können. Die bekamen sie dank einer intensiven Werbetour im Vorfeld der Abstimmung. Schon 2019 wird das neue Format seine Premiere feiern - mit einem Finalturnier Ende November in Madrid oder Lille, bei dem 18 Teams in einer Woche um die Trophäe spielen. Im Februar werden die Teilnehmer in einer Qualifikation ermittelt, für die auch das deutsche Team als Viertelfinalist von 2018 gesetzt ist.

Aussicht auf neue Einnahmen

Bislang hatten die 16 Teams der Weltgruppe den Titelträger über das Jahr verteilt in vier Runden ausgespielt, zuletzt fehlten dem Davis Cup jedoch die Superstars wie Roger Federer oder Novak Djokovic. Ob sich dies nun ändert, bleibt abzuwarten, eine Konkurrenzveranstaltung der Spielerorganisation ATP zu Beginn jedes Jahres in Australien ist bereits geplant - und im September findet mit dem Laver Cup ein weiteres Mannschaftsturnier statt.

Trotz aller Bedenken ließen sich viele Verbände von der Aussicht auf neue Einnahmen locken. Drei Milliarden Dollar in 25 Jahren stehen im Raum, die Investmentgruppe Kosmos verspricht, das Geld zu besorgen. Der Schweizer Verbandspräsident Rene Stammbach sprach schon vor der Abstimmung von einem Deal, der zu gut sei, um ihn abzulehnen. Allerdings hegen viele Verbände - darunter auch der DTB - Zweifel an dem langfristigen Geschäft und bemängeln die fehlende Transparenz.

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"Der Davis Cup wird sich durch das neue Format bedauerlicherweise von den Tennisfans entfernen. Wir haben immer betont, dass dies nicht passieren darf - auch dann nicht, wenn gleichzeitig mit großen Geldbeträgen gelockt wird. Leider wurde in Orlando fast ausschließlich über Geld und kaum über den Sport diskutiert", sagte DTB-Chef Klaus. Für den deutschen Teamkapitän Michael Kohlmann zerstöre die Reform "die lange Tradition eines der wichtigsten Wettbewerbe im Welttennis unwiderruflich".

Im Ritz-Carlton-Hotel von Orlando überwog am Donnerstagmorgen (Ortszeit) jedoch die Aufbruchstimmung. Der frühere spanische Fußball-Weltmeister Gerard Pique, Mitbegründer von Kosmos, feierte den Erfolg im Kreise seiner Mitstreiter. Der amerikanische Tennis-Verband USTA lobte die Entscheidung als zukunftsweisend. Bei den Widerständlern herrschte dagegen Ernüchterung. Heftige Kritik am Vorhaben war bereits vor der Abstimmung aus Australien gekommen. Auch der britische Verband LTA hatte sich entschlossen, gegen die Reform zu stimmen.

sid

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