"Müssen versuchen, vom Fußball zu profitieren"

Kretzschmar: Fußball ist Fluch und Segen zugleich

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Stefan Kretzschmar.

Die Dominanz des Fußballs in der deutschen Medienlandschaft ist für die übrigen Sportarten Fluch und Segen zugleich. Diese Meinung vertrat der frühere Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar im Gespräch mit dem Kölner Express.

Köln - "Wir Handballer müssen versuchen, vom Fußball zu profitieren", sagte Kretzschmar: "Da ist der neue TV-Vertrag sehr von Nutzen." Durch den Fußball habe Sky fünf Millionen Abonnenten, sagte der ehemalige Weltklasse-Linksaußen: "Da haben wir nun die Möglichkeit, Zuschauer zu generieren." Sky hält ab der kommenden Saison gemeinsam mit der ARD die TV-Rechte an den Spielen der Handball-Bundesliga. Am Sonntag überträgt Sky auf dem frei empfangbaren Kanal Sky Sport News HD ab 14.45 Uhr vom Aktionstag "Helden des Handballs" in der Kölner Lanxess Arena das Duell zwischen dem deutschen Rekordmeister THW Kiel und dem FC Barcelona.

Leichtathletik und die Schwimmer haben es noch schwerer

Laut Kretzschmar haben es "die anderen Sportarten wie die Leichtathletik und die Schwimmer" im Vergleich zum Handball weitaus schwerer. "Es kommt nicht von ungefähr, dass wir bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen immer weniger Medaillen gewinnen", sagte der 44-Jährige: "Wenn ein Spitzensportler mit nur 600 Euro im Monat gefördert wird, reicht es nicht, um Profisport zu finanzieren." Leidenschaft und Ehre allein seien den Aufwand nicht wert: "Ohne Geld gehen die Kids zum Fußball."

Die Monokultur des Fußballs werde unter anderem am Beispiel Köln deutlich, sagte Kretzschmar: "Da gibt es drei Faktoren: den FC, dann kommt der FC und der FC. Danach haben die Kölner Haie eine Daseinsberechtigung, und Stephan Baeck versucht mit viel Herzblut, den Basketball nach vorne zu bringen." Gescheitert sei der Versuch des Handball-Altmeisters VfL Gummersbach, sich in Köln zu etablieren.

Kretschmar sieht rosige Handball-Zukunft

In der am 24. August beginnenden Saison der Handball-Bundesliga erwartet Kretzschmar einen Sechskampf um den Titel, den in den beiden letzten Jahren die Rhein-Neckar Löwen nach Mannheim holten. "Neben Kiel, Flensburg und den Rhein-Neckar Löwen haben auch Melsungen, Magdeburg und Berlin aufgeschlossen", sagte der Sohn der Leipziger Handball-Legenden Peter und Waltraud Kretzschmar: "Im Abstiegskampf wird sich kein etabliertes Team Sorgen machen müssen."

Der Nationalmannschaft traut er unter ihrem jungen Trainer Christian Prokop nicht nur bei der EM im Januar 2018 in Kroatien einiges zu. "Meiner Meinung nach wird unsere Nationalmannschaft in den nächsten zehn Jahren immer in den Kampf um Medaillen eingreifen können", sagte Kretzschmar dem Express. Der Pool an Talenten, die auch regelmäßig spielen, sei so groß wie nie: "Wir haben 30 Spieler, die internationales Niveau haben. Das sind schon paradiesische Zeiten, die auf den Bundestrainer zukommen."

SID

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