Sieg mit Beigeschmack: Winokurow wieder da

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Alexander Winokurow

Revel - Für den aufrechten Radsport-Freund hat Alexander Winokurows Sieg einen schalen Beigeschmack. Für die Chefs der Tour de France offensichtlich nicht.

Längst sind sie zur Tagesordnung übergegangen, spätestens als Lance Armstrong im Vorjahr mit offenen Armen wieder aufgenommen worden war. Drei Jahre nach seiner Doping-Verbannung durfte Winokurow nun in Revel sein Tour-Comeback als umjubelter Etappensieger feiern.

Der 36 Jahre alte Kasache tat es nach alter Manier und mit längst bekanntem, unbändigem Kampfgeist. “Man kann über 'Wino' sagen, was man will, aber der Kerl hat mächtig Courage“, twitterte Armstrong in die Welt.

Winokurow, der 2007 nach einer unappetitlichen Blut-Doping-Affäre mit Schimpf und Schande mitsamt seiner Astana-Equipe fortgejagt worden war, bekam am Sonntag auch Lob vom Tour-Zentralorgan “L'Équipe“. Der Routinier, liebevoll “Wino“ genannt, habe die Rangordnung in seinem Team wieder hergestellt und sich auch gegen seinen Kapitän Alberto Contador durchgesetzt. Der Spanier hatte am Vortag auf der Sekundenjagd gegen Andy Schleck etwas kopflos reagiert und Winokurow den sicher geglaubten Etappensieg noch zunichtegemacht.

Diese Sportstars standen unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

Der stolze Kasache, der Contador auf der Kopfsteinpflaster-Etappe und so manches Mal danach sehr geholfen hatte, fühlte sich in diesem Moment “alleingelassen“, fast in die Ecke gestellt. Dabei ist er in seiner Heimat ein bedeutender Mann, der von Plakatwänden in der Hauptstadt Astana lächelt, ein Vertrauter des Staatspräsidenten ist und nach seinem ersten Tour-Etappensieg 2003 ehrenhalber in den Rang eines Polizei-Oberst erhoben worden war.

Die guten Verbindungen halfen Winokurow, der seinen Freund Jan Ullrich mal zur Wildschweinjagd nach Kasachstan eingeladen hatte, auch in seiner schwersten Stunde. Zwei Tage nach seinem Etappensieg 2007 war er des Fremdblut-Dopings überführt worden. Sein Landesverband sperrte ihn nur für ein Jahr, der Weltverband UCI intervenierte - und der Ex-T-Mobile-Star trat beleidigt zurück.

Er hielt es aber nicht lange aus, kehrte zurück und dachte, sein Weg ist sofort wieder frei ins alte Metier. Aber zumindest die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die UCI pochten auf Einhaltung der Anti-Doping-Regeln. Also: Zwei Jahre Sperre.

Im August 2009 durfte Winokurow dann wieder mitstrampeln. Nur acht Monate später gewann er zum zweiten Mal Lüttich-Bastogne-Lüttich und verbat sich Fragen nach Doping-Arzt Eufemiano Fuentes, der wieder auf Teneriffa praktizieren soll. Dort hatte Winokurow sein Trainingslager vor den Frühjahrsklassikern bezogen.

“Dafür habe ich so hart gearbeitet“, sagte Winokurow nach seinem Solosieg von Revel, den er seinen Kindern widmete. Der Toursieg mit Contador, die WM Ende September in Melbourne, und die Asienspiele in Guangzhou/China und sind seine nächsten großen Ziele. 2012 will der Kasache seine Karriere beenden. Ganz sicher im von ihm mitgegründeten Astana-Team, das seit Jahresbeginn vom Franzosen Yves Sanguer, bekannt aus unseligen Festina-Zeiten, geleitet wird.

dpa

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