Rugby-Team kämpft gegen Homophobie

"Schwulsein ist nicht mein Beruf"

+
Das Team der Berlin Bruisers.

Berlin - Die Berlin Bruisers sind das erste homosexuelle Rugbyteam Deutschlands. Trotz des Coming-out von Thomas Hitzlsperger hat sich für die harten Jungs vom Tempelhofer Feld nicht viel geändert.

 Eisiger Wind weht über das Tempelhofer Feld in Berlin-Neukölln, das Thermometer zeigt kaum mehr als null Grad Celsius an. Vukasin Prunic reibt sich die Hände. Eigentlich würde der 35-Jährige lieber im Warmen sitzen, doch die Spieler der Berlin Bruisers sind hart im Nehmen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die „Kraftmeier“ aus der Hauptstadt die erste homosexuelle Rugby-Mannschaft Deutschlands stellen.

Rugby gilt nach wie vor als weltweit härteste Sportart, die viele nicht mit Schwulsein in Verbindung bringen. Gegen dieses Vorurteil wollen die „Bruisers“ seit ihrer Gründung vor knapp zwei Jahren ankämpfen. Im April 2012 hatte Teammitglied Dave Egan die Idee und fand direkt fünf Anhänger. Seitdem kommen immer mehr Spieler hinzu, sodass sich inzwischen regelmäßig 30 bis 40 Männer zum Training einfinden.

Prunic gehörte von Beginn an dazu. Seit knapp zwei Jahren lebt der gebürtige Serbe in Berlin. „In Serbien habe ich Fußball gespielt“, sagt er: „Da hat aber niemand gewusst, dass ich schwul bin. Serbien ist sehr homophob.“

Ein Coming-out wie das des ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsberger hält Prunic für mutig. „Schade ist aber, dass überhaupt darüber geredet wird“, sagt er: „Ich stelle mich ja auch nicht vor und sage: Hallo, ich bin schwul. Das ist ja nicht mein Beruf. Ich bin nicht in erster Linie schwul, ich bin Vuc.“

Bei den Bruisers in Berlin kann Vuc Prunic so sein, wie er ist. Ein Rugbyspieler, der eine weiße Plüschmütze mit Öhrchen daran auf dem Kopf trägt. Was der gängigen Norm entspricht, interessiert hier niemanden. Trainer Michael Felts ist heterosexuell, genau wie drei andere Mitspieler. „Die spielen gern hier, weil sie uns so nett finden“, sagt Prunic.

Toleranz wird in allen Bereichen gelebt: Zum sonntäglichen Training auf dem Tempelhofer Feld darf jeder kommen, ob Anfänger oder Profi. „Wir wollen alle integrieren“, sagt Team-Kapitän Colin Comfort. Wer Mitglied werden will, zahlt das, was er kann. Die monatliche Gebühr liegt zwischen zehn und 20 Euro.

Seit Ende November sind die Bruisers auch endlich als eingetragener Verein anerkannt. „Vorher konnten wir keinen Trainingsplatz beantragen“, berichtet Schatzmeister Thomas Röhr. Das soll sich nun ändern. Inzwischen hat der Klub auch genügend Mitspieler, um sich professioneller aufzustellen.

Jetzt sollen mehr Trainingsspiele stattfinden, mit den Cologne Crushers gibt es seit kurzem einen zweiten homosexuellen Rugbyverein in Deutschland. „Wir spielen aber auch gegen viele andere europäische Klubs, ob nun schwul oder nicht“, sagt Prunic. Außerdem plant Trainer Felts ab sofort ein positionsspezifisches Training. Langfristig will der Klub nämlich in den Ligabetrieb einsteigen.

Die Spieler jedenfalls sind hochmotiviert. Trotz Kälte arbeiten sie knapp zwei Stunden, rennen und brüllen, rasseln aneinander und kämpfen verbissen um das lederne Ei. Nur ein Manko hat Prunic erkannt: „Am Anfang dachte ich, dass Rugby sehr erotisch ist“, sagt er. Schließlich berühre man sich so oft. Mittlerweile hat er umgedacht: „Es ist überhaupt nicht erotisch. Wenn ich aufs Spielfeld komme, will ich nur gewinnen.“

dpa

Abgeordnete dürfen deutsche Soldaten in Konya besuchen

Abgeordnete dürfen deutsche Soldaten in Konya besuchen

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Merkel, Trump und Co. beim G7-Gipfel auf Sizilien: Die Bilder

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Edel, sexy, elegant: So präsentierten sich die Stars bei der amfAR-Gala 

Meistgelesene Artikel

Eine Frechheit: Viele Zuschauer nach Mega-Boxkampf enttäuscht

Eine Frechheit: Viele Zuschauer nach Mega-Boxkampf enttäuscht

NBA-Playoffs: Cleveland mit Rekord bei Sieg in Boston

NBA-Playoffs: Cleveland mit Rekord bei Sieg in Boston

Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden nach Unfall gestorben

Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden nach Unfall gestorben

French Open: Das sind Beckers Top-Favoriten

French Open: Das sind Beckers Top-Favoriten

Kommentare