Pistorius-Prozessbeginn festgelegt

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Oscar Pistorius

Johannesburg - Der Beginn des Prozesses gegen Oscar Pistorius ist nun festgelegt. Dem Paralympics-Star wird vorgeworfen, seine Freundin ermordet zu haben.

Das Medienspektakel war enorm: Fünf Übertragungswagen, 30 Fotografen und mindestens doppel so viele Journalisten erwarteten Oscar Pistorius, als er am Dienstag im grauen Jackett mit blauer Krawatte in Johannesburg vor Gericht erschien. Der Termin dauerte dann nur wenige Minuten. Mit „Yes, Sir“ reagierte der sechsmalige Paralympics-Sieger auf die Frage von Richter Daniel Thulare, ob er verstanden habe, dass er gegen Kaution frei bleibe und vor Prozessbeginn am 19. August eine erneute Anhörung stattfinde.

Ausgerechnet am 19. August: Es wäre der 30. Geburtstag von Reeva Steenkamp, die der Prothesensprinter am 14. Februar durch die verschlossene Tür des Badezimmers in seinem Haus erschossen haben soll. Die Anklage wirft Pistorius vor, das südafrikanische Supermodel am Valentinstag vorsätzlich ermordet zu haben. „Er hat eine unschuldige und unbewaffnete Frau erschossen“, sagte Staatsanwalt Gerrie Nel.

Laut Pistorius, der gegen eine Kaution von umgerechnet 80.000 Euro freigelassen worden war und weiter frei bleibt, ist der Tod seiner Freundin allerdings ein tragischer Unfall gewesen: „Wir waren verliebt, wir hätten nicht glücklicher sein können.“

Wird der im Bekanntenkreis als Waffennarr bezeichnete Südafrikaner wegen Mordes verurteilt, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass die Schüsse auf Steenkamp grob fahrlässig waren, müsste Pistorius bis zu 15 Jahre hinter Gitter. Doch noch fehlen den Ermittlungsbehörden die letzten Details. „Der Fall wurde vertagt, damit die Polizei ihre Ermittlungen abschließen kann“, erklärte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Wie das Verfahren auch endet: Die sportliche Karriere des seit Kindesalter doppelseitig beinamputierten Pistorius scheint beendet. Alle geplanten Starts des „Bladerunners“ wurden abgesagt. Pistorius, der laut Manager Peet van Zyl unter großen psychologischen Problemen leidet und sich in Therapie befindet, ist nicht in der Lage zu trainieren. Werbeverträge über mehrere Millionen Dollar wurden ihm gekündigt.

Pistorius wird zuweilen sogar zur persona non grata. Ed Warner, Chef des britischen Leichtathletik-Verbandes, erklärte, er wolle Pistorius Ende Juli nicht bei den Jubiläums-Wettkämpfen ein Jahr nach Olympia in London sehen: „Ich möchte nicht, dass der Wettkampf zu einem Medienzirkus wird. Sein Kommen würde jeden anderen Sportler in den Schatten stellen.“

Immer wieder hat Pistorius hinsichtlich des Tathergangs beteuert, er habe einen Einbrecher im Haus vermutet und sich ohne seine Prothesen dem Badezimmer genähert. „Es war dunkel, ich hatte große Angst. Da ich meine Prothesen nicht trug, fühlte ich mich sehr verwundbar. Ich habe dann Schüsse auf die Tür abgegeben und geschrien“, hieß es. Erst anschließend habe er realisiert, dass seine Lebensgefährtin nicht im Bett lag.

Die Staatsanwaltschaft stellte die Geschehnisse in ihrem Plädoyer völlig anders dar. Pistorius habe sich am frühen Morgen des 14. Februar bewaffnet und seine Prothesen angelegt, anschließend sei er sieben Meter gelaufen und habe die Schüsse durch die geschlossene Badezimmertür abgefeuert. Dies belege den Vorsatz der Tat. „Es gibt keinen Zweifel“, sagte der renommierte Staatsanwalt Gerrie Nel.

sid

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