Spektakuläres Comeback

Oracle-Triumph beim America's Cup

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Die Trophäe wird bei der Siegesfeier herumgereicht

San Francisco/Köln - Das Team Oracle hat eines der spektakulärsten Comebacks der Sportgeschichte mit dem Triumph beim 34. America's Cup gekrönt.

Skipper James Spithill und seine Crew erkämpften sich am Mittwoch den Sieg im entscheidenden 19. Rennen gegen das Team New Zealand und entschieden die Nervenschlacht um die bedeutendste Segeltrophäe der Welt mit 9:8 für sich. Den Neuseeländern um Steuermann Dean Barker (41) wehte der schon sicher geglaubte Sieg doch noch davon - am Ende siegte der Titelverteidiger nach einer beinahe unvergleichlichen Aufholjagd.

„Oracle ist definitiv ein verdienter Sieger. Die Kiwis haben sich großartig gewehrt, aber die Amerikaner waren am Ende einfach besser und schneller“, sagte der deutsche Olympiasieger Jochen Schümann, selbst 2003 und 2007 Sieger mit der Schweizer Yacht Alinghi, dem SID.

Das „Wunder von San Francisco“ dürfte nicht nur in die Geschichte des Segelns eingehen, das Event war mit 19 Rennen in 19 Tagen der längste Cup der 162-jährigen Geschichte. Oracle hatte sich wegen einer Manipulation am hochgezüchteten AC72-Katamaran vor dem Start eine Strafe von zwei Punkten eingebrockt, elf Tage später stand das niederschmetternde Zwischenergebnis von 1:8 auf der Anzeigetafel. Die „Kiwis“ hatten bereits eineinhalb Hände an der 17 kg schweren Silberkanne, die zum dritten Mal nach 1995 (als Team Black Magic) und 2000 nach Neuseeland gewandert wäre.

„Ich bin stolz auf alle, die dabei waren“, sagte Spithill, der sich im Moment des Triumphes vor den euphorischen Zuschauern verbeugte. „Wir haben uns immer gesagt: Wir können es schaffen, wir können diesen Cup holen.“ Am 18. September hatte sich das Team New Zealand acht Matchbälle ersegelt, ehe die große Stunde von Oracle-Cheftaktiker Ben Ainslie schlug.

Der Engländer, dekoriert mit vier Olympiasiegen und elf WM-Titeln, war das entscheidende Puzzleteil beim Comeback. Vor dem Cup hatte der 36-Jährige den etatmäßigen Taktiker John Kostecki (USA) abgelöst. Seitdem schien der Wind etwas stärker ins Segel der Oracle-Crew zu blasen: neun Siege in 13 Rennen fuhr Oracle mit Ainslie ein, den sie in England „Becks in a boat“ nennen.

Für das Team New Zealand endete der Cup nicht nur in einer persönlichen Tragödie. Nach dem Ausgleich bei der 18. Wettfahrt hatten mehrere neuseeländische Medien berichtet, Großsponsor Emirates erwäge, sein Engagement bei den „Kiwis“ zu beenden. Die Materialschlacht kostet pro Jahr mehrere hundert Millionen Dollar. Hinter Oracle steht der US-Milliardär Larry Ellison.

Oracles Sieg war der Höhepunkt eines America's Cup, der mit dem Tod des britischen Olympiasiegers Andrew Simpson (36) während des Trainings für die Herausforderer-Ausscheidung am 9. Mai tragisch begonnen hatte. Der Stratege des schwedischen Artemis-Teams war unter seinem gekenterten Katamaran ertrunken.

Der America's Cup ist eine der traditionsreichsten Sport-Veranstaltungen überhaupt. Erster Gewinner des Auld Mug, der 1848 von Lord Anglesey gestifteten, 67,6 cm hohen versilberten Zinnkanne, war am 22. August 1851 vor der Isle of Wight der Schoner „America“. Einen Nachbau der sagenumwobenen 30-Meter-Yacht mit dem grünem Holzrumpf passieren die Boote heute noch traditionell nach dem Zieleinlauf.

Nach dem ersten Siegerboot wurde der Wettbewerb, der zunächst nach der Stiftungssumme noch „100 Sovereigns Cup“ hieß, später benannt. 132 Jahre lang blieb er in Hand der USA, die 25-mal in Serie gewannen - die längste Siegesserie der Sportgeschichte. Erst 1983 entführte die Australia II den Pokal, allerdings nur für vier Jahre. 2003 und 2007 gewann Alinghi aus der Schweiz, dem einzigen Siegerland ohne Küste. Sportdirektor war jeweils der deutsche Olympiasieger Jochen Schümann.

sid

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