Olympia: IOC bedenkenlos wegen Fukushima

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In Tokio freut man sich schon auf die Olympischen Spiele 2020

Berlin - Die Negativ-Botschaften um die Atomruine Fukushima reißen nicht ab. Doch das IOC hat keine Sicherheitsbedenken bezüglich der Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Knapp einen Monat nach der Wahl Tokios zum Olympia-Gastgeber 2020 will das IOC trotz der weiter kritischen Lage um die Atomruine Fukushima von Sicherheitsbedenken nichts wissen. „Das IOC hat von höchster Stelle aus Japan die Zusicherung erhalten, dass die Werte in Tokio und Umgebung sicher sind und hat deshalb keinen Grund zu glauben, dass dies während der Spiele nicht der Fall sein wird“, erklärte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf dpa-Anfrage, ohne auf Detailfragen einzugehen.

Die Probleme sind inzwischen so groß, dass auch die japanische Regierung bereit ist, verstärkt Ratschläge aus dem Ausland anzunehmen. Der AKW-Betreiber Tepco wirkt ohnehin längst überfordert.

Sogar Ministerpräsident Shinzo Abe hatte Anfang Oktober in Kyoto bei einer Tagung vor zahlreichen Forschern aus dem Ausland um Unterstützung gebeten. Unmittelbar vor der Abstimmung über den Ausrichter der Spiele 2020 hatte er den IOC-Mitgliedern noch versichert, in Tokio sei das Leben normal und „alles unter Kontrolle“.

Tatsächlich reißen seit der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe am 11. März 2011 die Hiobsbotschaften aus dem 250 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Fukushima nicht ab. Nuklearverseuchtes Wasser aus undichten Kühltanks sickert weiter in den Pazifik, weitere Lecks werden befürchtet.

Die Regierung plant jetzt, im Erdreich einen Schutzwall um die Reaktoren zu errichten. Zu diesem Zweck sollen Rohre mit chemischen Kühlmitteln um die Gebäude der Reaktoren 1 bis 4 verlegt werden. Der auf diese Weise entstehende Schutzwall aus gefrorenem Boden soll voraussichtlich eine Länge von 1,4 Kilometern haben. Kritiker bewerten dieses Großprojekt als störanfälliges Provisorium.

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Die zunehmenden Wassermassen umspülen derzeit die schwer beschädigten Gebäude auf dem AKW-Gelände, darunter auch die Mauern zur Abstützung des Abklingbeckens von Reaktor 4. Nach Meinung vieler Experten geht von hier mit die größte Gefahr in Fukushima aus. Das Dach des in 30 Meter Höhe gelegenen Beckens war bei dem Erdbeben und Tsunami durch eine Explosion zerstört worden.

Sollte es in diesem Becken zu einem weiteren Unfall kommen, könnten die Hunderte von Tonnen an Brennstoff laut Experten das Zigtausend-Fache an Radioaktivität der Atombombe von Hiroshima freisetzen. Die Folge wäre eine Katastrophe globalen Ausmaßes, warnte der ehemalige japanische Botschafter in der Schweiz, Mitsuhei Murata, eindringlich.

Das IOC hatte den Zuschlag für Tokio im Dreikampf mit Istanbul und Madrid noch als sichere und stabile Wahl verkauft.

dpa

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