Unruhe um Armstrong: "Grand Jury" schaltet sich ein

New York - Die US-Ermittler machen ernst: Eine “Grand Jury“ soll entscheiden, ob in der möglichen Doping-Affäre um Lance Armstrongs ehemaligen Rennstall Anklage erhoben wird. Auch noch aktive Radprofis sollen in den USA aussagen.

Seine belastende Vergangenheit lässt Lance Armstrong bei der 97. Tour de France einfach nicht zur Ruhe kommen. In der möglichen Doping-Affäre um Armstrongs früheres US-Postal-Team haben die Ermittlungsbehörden in den USA nun weitere potenzielle Zeugen vorgeladen. Dies berichtete die angesehene “New York Times“ am Mittwoch. Dabei sollen auch Radprofis befragt werden, die derzeit bei der Tour am Start sind. Sie müssten vor einer sogenannten “Grand Jury“ aussagen, die entscheidet, ob Anklage erhoben wird.

Diese Entwicklung bezeichnete die angesehene Tageszeitung als “bedeutenden Schritt“ im Zuge der Ermittlungen, die Armstrongs frühere Teamkollege Floyd Landis mit seiner Doping-Beichte ausgelöst hatte. Das Blatt beruft sich auf mehrere Personen, die mit dem Fall vertraut sind.

Diese Sportstars standen unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

Auch wenn sich Armstrong bei der Tour alle Mühe gibt, Landis' Aussagen als “Müll“ und “falsche Anschuldigungen“ abzutun, ist nicht zu übersehen, dass der 38-Jährige nicht sorglos durch Frankreich fährt. “Sicher wird ihn das belasten“, meinte der einen Tag ältere Berliner Jens Voigt, der wie Armstrong seine 13. Tour bestreitet. Er wisse aber nicht, ob an den vielen Vorwürfen etwas dran sein, fügte der Veteran aus Berlin hinzu.

Die von Topfahnder Jeff Novitzky - er hatte im Zuge der Doping- Affäre Balco unter anderen Olympiasiegerin Marion Jones des Meineides überführt - geleiteten Ermittlungen wurden durch das Geständnis von Landis angestoßen. Der 34-Jährige hatte von systematischem Doping im US-Postal-Team berichtet und dabei auch Armstrong beschuldigt. Der Tour-Rekordsieger, den die “L'Équipe“ 2005 in nachträglichen Proben von 1999 wissenschaftlich des EPO-Dopings überführt hatte, hat jegliche Manipulation stets bestritten.

Landis, dem der Tour-Sieg 2006 wegen Testosteron-Dopings aberkannt worden war, soll nicht zu den Zeugen gehören, die Vorladungen erhalten haben - zumindest vorläufig nicht, wie die “New York Times“ schreibt. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Amerikaner George Hincapie und Tyler Hamilton zu den Zeugen zählen sollen. Die beiden ehemaligen Teamkollegen Armstrongs haben bereits ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Die Behörden seien vor allem an Personen interessiert, die bei der Finanzierung von Armstrongs ehemaligem Rennstall geholfen haben. Die Ermittlungen sollen nämlich auch klären, ob US-Steuermittel zur Finanzierung von Doping missbraucht wurden.

dpa

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