Nach Doping-Studie

Erster Sportmediziner gesteht Anabolika-Gaben

München - Als erster Sportmediziner seit Veröffentlichung der Studie über Doping in Westdeutschland hat der Kaarster Orthopäde Gustav Raken die Verabreichung von Anabolika an Kaderathleten eingestanden.

Der heute 77-Jährige hat seinen eigenen Angaben beim Radiosender B5 aktuell des Bayerischen Rundfunks zufolge als Arzt im nordrhein-westfälischen Radsport-Verband auf Anweisung des mittlerweile höchst umstrittenen Freiburger Sportmediziners Armin Klümper gehandelt. Namen von Sportlern, denen zwischen 1974 und 1977 das Anabolikum Deca-Durabolin verabreicht worden sei, nannte der Mediziner nicht. Das 1974 in Kraft getretene Verbot des Medikamentes für die Anwendung im Spitzensport wäre ihm allerdings nicht bewusst gewesen.

„Ich war sozusagen der lange Arm von Klümper“, sagte Raken in dem Interview: „Ich habe die Anabolika paketeweise von ihm zugeschickt bekommen und habe das Deca-Durabolin auf seine Anweisung den Radsportlern im Frühjahr gespritzt. Die standen dann einmal die Woche vor der Praxis und haben sich die Spritze abgeholt."

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Seine angebliche Unkenntnis begründete Raken, der schon 2007 in einem Buch über Doping-Praktiken im Radsport als Zeitzeuge über Anabolika-Missbrauch in den 70er Jahren und die Einnahme von bis zu 20 verschiedenen Medikamenten täglich durch einzelne Athleten berichtete, mit Täuschungen durch Deutschlands ehemaligen und inzwischen verstorbenen Olympia-Arzt Joseph Keul: `Prof. Joseph Keul hat auf einem Ärztekongress in Köln dick und breit erklärt, dass Deca-Durabolin, das Hauptanabolikum, nicht schadet: “Das könnt ihr ruhig anwenden', hieß es. Das war 1975 oder 1976. So lange ein so renommierter Sportmediziner wie Keul das gesagt hat, hatte ein Mediziner vor Ort gegenüber den Sportlern wenig Argumentationsspielraum.„

Keul ist in der seit ihrer Veröffentlichung zu Wochenbeginn vieldiskutierten Doping-Studie eine zentrale Figur. Der 2000 verstorbene Mediziner war ab 1980 Chefarzt der deutschen Olympia-Mannschaften und zuvor schon seit 1960 betreuender Olympia-Arzt. Sein Institut an der Universität Freiburg ist laut den Autoren der Studie als `Zentrum der deutschen Dopingforschung anzusehen“ gewesen. Die Studie berichtete auch darüber, dass negative Informationen über Anabolika und ihre gesundheitsschädlichen Wirkungen von den Freiburger Dopingforschern nicht veröffentlicht worden wären. Klümper galt einst als führender Sportmediziner in Deutschland, geriet im Laufe der Jahre allerdings zunehmend in Doping-Zwielicht. Klümper lebt heute in Südafrika.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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