Medienberichte vor Auftritt

Dopinggeständnis von Armstrong im TV?

+
Was wird lance Armstrong (l.) im Interview mit Oprah Winfrey preisgeben?

Boston - Wenige Tage vor dem TV-Interview von Lance Armstrong bei Star-Moderatorin Oprah Winfrey steigt die Spannung: Laut einem US-Medienbericht will der Ex-Radstar ein Doping-Geständnis abgeben.

Lance Armstrong will laut einem US-Medienbericht dosiert auspacken - eine detailreiche Schilderung des Doping-Systems ist aber offenbar nicht zu erwarten. Wie die "USA Today" am Samstag unter Berufung auf eine anonyme Quelle schrieb, plant der frühere Radstar kommende Woche bei seinem Interview mit Star-Moderatorin Oprah Winfrey ein Doping-Geständnis abzugeben. Das Gespräch soll am Montag in Armstrongs Haus in Austin/Texas aufgezeichnet und am Donnerstag im amerikanischen TV-Sender OWN ausgestrahlt werden.

Der 41-Jährige habe vor, die Einnahme leistungssteigernder Mittel zuzugeben. Dabei werde er aber nicht allzuviele Einzelheiten über spezifische Fälle nennen, hieß es in dem Artikel weiter. Bereits in der vergangenen Woche hatte die "New York Times" berichtet, der Texaner erwäge ein Geständnis. Bislang hatte Armstrong vehement Dopingmissbrauch bestritten.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA konnte ihm jedoch aufgrund von Zeugenaussagen ehemaliger Team-Kollegen nachweisen, illegale Substanzen genommen und vertrieben zu haben. Der Amerikaner verlor daraufhin seine sieben Tour-de-France-Titel und wurde lebenslang gesperrt. Seine Vertreter, darunter Anwalt Tim Herman, kommentierten den Bericht der "USA Today" zunächst nicht.

Auch eine nicht allumfassende - und mit seinen Rechtsvertretern abgestimmte - öffentliche Beichte dürfte juristische Folgen haben: Armstrong hatte in früheren Verhandlungen unter Eid ausgesagt, niemals gedopt zu haben. Die britische "Sunday Times" verklagt den Texaner, um die Rückzahlung von 500 000 US-Dollar nach einem Rechtsstreit zu erreichen. Zudem droht Armstrong durch die Aussagen seines früheren Teamkollegen Floyd Landis ein möglicher Prozess.

Mit einem Geständnis würde Armstrong allerdings in gewissem Maße das richtige Timing beweisen: Der Streit mit einer Firma aus Dallas über einen Vertragsbonus von 7,5 Millionen US-Dollar ist möglicherweise inzwischen verjährt. Laut einem Bericht der CBS-Fernsehsendung "60 Minutes Sports" hatte sich Armstrong jüngst mit USADA-Chef Travis Tygart getroffen, um einen "Weg zur Erlösung" auszuloten. Tygart kommentierte dies nicht.

Auf eine für ihn sinnvolle Reduzierung seiner lebenslangen Sperre bräuchte er nach einer möglichen Beichte wohl nicht zu hoffen. Das lebenslängliche Fahrverbot seines einstigen Team-Kollegen und USADA-Kronzeugen Tyler Hamilton war nach dessen Geständnis auf acht Jahre verringert worden. In einem vergleichbaren Fall wäre Armstrong 50, wenn er wieder in Triathlon-Wettbewerben antreten könnte.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

WTA sagt wegen Peng Shuai alle Turniere in China ab – doch das Männertennis zieht nicht mit

WTA sagt wegen Peng Shuai alle Turniere in China ab – doch das Männertennis zieht nicht mit

WTA sagt wegen Peng Shuai alle Turniere in China ab – doch das Männertennis zieht nicht mit

Kommentare