Lance Armstrong schwer angeschlagen

Lance Armstrong hat sich bei der Kalifornien-Rundfahrt im Gesicht verletzt
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Lance Armstrong hat sich bei der Kalifornien-Rundfahrt im Gesicht verletzt

Boston - Sein linkes Auge blutete, die Schürfwunden schmerzten, und vor seinem verletzungsbedingten Aus bei der Kalifornien-Rundfahrt musste sich Lance Armstrong auch noch mit erneuten Doping-Anschuldigungen rumplagen.

Gelassen spielte der 38 Jahre alte Texaner in gewohnter Manier die Vorwürfe seines ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis (USA) herunter, der ihn schwer belastet hatte. Wenigstens Armstrongs Start bei der Tour de France ist nicht gefährdet. “Er ist ein zerbrochener Mann ohne Glaubwürdigkeit“, meinte der siebenmalige Tour de France-Sieger, dessen Wunde mit acht Stichen genäht werden musste, “er hat keinen Beweis. Es ist Aussage gegen Aussage, und mir gefällt unsere Aussage.“

Doping: Die dümmsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Doch dem Weltverband gefiel die Landis-Aussage nicht, die UCI habe während der Tour de Suisse 2002 einen positiven Dopingtest von Armstrong verschwiegen. Der Verband wolle “klarstellen, dass noch nie ein positiver Test geändert oder verborgen worden ist“, erklärte die UCI “tief geschockt“ am Freitag in einer Pressemitteilung. Zudem wies der Verband daraufhin, dass Armstrong im Jahr 2002 die Schweiz- Rundfahrt gar nicht bestritten habe.

Der überführte Dopingsünder Landis habe behauptet, Armstrongs positiver Test bei der Schweiz-Rundfahrt sei nach einer Vereinbarung zwischen dem Texaner, seinem sportlichen Leiter Johan Bruyneel und dem damaligen UCI-Präsident Hein Verbruggen unter den Tisch gekehrt worden. “In meiner Amtszeit hat es nie einen positiven Dopingtest gegeben“, sagte Verbruggen. John Fahey, Präsident der Welt-Anti- Doping-Agentur (WADA) forderte Beweise von Landis, gab aber auch zu: “Es wird immer Gerüchte über Armstrong geben.“

Armstrongs immer noch verblüffend guter Ruf in den USA scheint durch die neuerliche Doping-Anklage dieses Mal durch Landis allerdings nicht groß gelitten zu haben. Als der Superstar im kalifornischen Visalia mit seinen ebenfalls von Landis beschuldigten Teamchef Bruyneel vom Team Radio Shack zum Start der fünften Etappe aus dem Mannschaftsbus stieg, wurden beide von einer jubelnden Menge empfangen. Einige Fans hielten gar Plakate mit der Aufschrift “Lance for President. Floyd Landis betrügt“ hoch.

Landis hatte in E-Mails an die UCI und die nationale Vereinigung US Cycling zugegeben, von Juni 2002 an exzessiv gedopt zu haben und zugleich seinen einstigen Kapitän und weitere ehemalige Fahrer des US-Postal-Teams an den Pranger gestellt. Armstrong hat Doping stets bestritten. Sein langjähriger Edelhelfer schicke ihm, so Armstrong, bereits seit zwei Jahren regelmäßig Droh-Mails, in denen er immer angekündigt hatte, mit Beweisen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Landis offenbarte in seinen Rundmails, Bruyneel soll ihm unter anderem Blut-Doping und den Gebrauch von Wachstumshormonen erklärt haben. Mit Armstrong habe er über die Notwendigkeit von Blut- Transfusionen gesprochen, wurde Landis im “Wall Street Journal“ zitiert. Zudem habe sich der gestürzte Tour-Sieger von 2006 in Armstrongs Apartment in Spanien Blut entnehmen lassen. Dort seien nach Angaben der Zeitung auch Blut-Behälter von Armstrong und George Hincapie in einem versteckten Kühlschrank aufbewahrt worden. Hincapie wies die Behauptungen zurück, und Bruyneel bezichtigte Landis sogar der “Erpressung“: Der entlarvte Radprofi habe “sehr viel Geld“ für sein Schweigen in dieser Angelegenheit gefordert.

“Geständnis und Anschuldigungen eines in Ungnade gefallenen Radprofis“, titelte die “The New York Times“ (Donnerstag). Auch der TV-Sender “Versus“, der die Kalifornien-Rundfahrt überträgt, stellte sich auf Armstrongs Seite. Während der zweistündigen Tages- Zusammenfassung wurde die brisante Thematik in 43 Sekunden abgehakt. Anschließend wurden reichlich Werbespots mit dem Superstar gezeigt. Der unkritische Umgang ist kaum überraschend. Mit dem Biotechnologie- Unternehmen Amgen ist eine Firma Hauptsponsor der Kalifornien- Rundfahrt, die als Spezialist für die Produktion von EPO gilt.

Die US-Amerikaner David Zabriskie (Garmin Transitions) und Levi Leipheimer (RadioShack), Zweiter und Dritter der Gesamtwertung und von Landis des EPO-Dopings beschuldigt, zogen es vor, erstmal zu schweigen. Leipheimer ignorierte Fragen zu den Vorwürfen komplett, Zabriskie äußerte sich nur zum Rennen. Sein Team-Manager Jonathan Vaugthers verwies indes auf die “üble Vergangenheit“ von Landis, der nach seinem Tour-Sieg 2006 des Testosteron-Dopings überführt wurde.

Der mittlerweile 34-Jährige verlor seinen Titel und wurde zwei Jahre gesperrt. Er hatte jahrelang vehement betont, unschuldig zu sein, ein Buch dazu geschrieben und vor mehreren Gerichten - unter anderem dem Internationalen Sportgerichtshof CAS - prozessiert. Sämtliche Klagen scheiterten, kosteten ihn rund zwei Millionen Dollar, sein Ansehen und seine Ehe. Landis benötige dringend Geld, so Bruyneel, um Rechnungen zu bezahlen, die nach seinem positiven Doping-Test angefallen seien.

dpa

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