Nach TV-Beichte

Krebsstiftung "enttäuscht von Armstrong"

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Lance Armstrong war bei allen sieben Tour-Siegen gedopt.

Austin - Die Krebsstiftung Livestrong hat sich von ihrem Gründer Lance Armstrong distanziert. Nach dem Doping-Geständnis des Ex-Radsportstars ließ die Stiftung verlauten: "Wir sind enttäuscht."

„Wir sind enttäuscht über die Nachricht, dass Lance Armstrong die Menschen während seiner Karriere getäuscht hat - inklusive uns", so die Stiftung. Am Donnerstag wurde die Sendung ausgestrahlt, in der Lance Armstrong im Interview mit US-Moderatorin Oprah Winfrey die Beichte abgelegt hatte.

Armstrong war zuvor in die Livestrong-Zentrale in Austin/Texas gekommen, um sich persönlich bei den Mitarbeitern zu entschuldigen. „Wir haben seine Entschuldigung akzeptiert, um nach vorne zu blicken und einen starken, unabhängigen Kurs einzuschlagen“, hieß es in einem Statement.

Pressestimmen zur Armstrong-Beichte: "Er bereut nichts"

Pressestimmen zur Armstrong-Beichte: "Er bereut nichts"

USA: USA Today: "Nach all den Jahren des Betrugs, der Lüge und Millionen Dollar, die auf dem Schwindel beruhen, blickte Lance Armstrong Oprah Winfrey am Donnerstagabend in die Augen und sagte einfach: “Halb so wild'" © dpa
New York Times: "Bei Winfrey verliert er seinen Eisblick und vergisst seine beißenden Worte [...] Armstrong konnte nicht mehr kämpfen - so wie er es immer getan hat" © dpa
Washington Post: "In den ersten 90 Minuten mit Oprah war es Armstrong in hohem Maße bewusst, wie nutzlos er doch in einer Situation ist, bei der Fakten herausgekitzelt werden" © dpa
Frankreich: L'Equipe: "Was Armstrong bestreitet oder verschweigt: Er hat zugegeben, dass er gedopt hat, um die Tour de France gewinnen zu können. Er hat aber seine Rolle im Dopingsystem innerhalb der Mannschaft US Postal heruntergespielt, den hochkontroversen Michele Ferrari verteidigt und jegliche Verschwörung bestritten, eine Positivkontrolle mit Hilfe der UCI vertuscht zu haben" © dpa
Italien: La Repubblica: „Armstrong gesteht zwar, bereut aber nichts. Kaltblütig, berechnend, zynisch: Auch im sensationellsten Interview der letzten Jahre bleibt er bis zuletzt sich selber treu. Der Texaner gesteht zwar Doping, er vermittelt aber nicht den Eindruck, dass er wirklich seine Taten bereut.“ © dpa
Gazzetta dello Sport: "Armstrongs Interview ist das wichtigste in der Geschichte des Radsports und des Sports insgesamt" © dpa
Corriere dello Sport: „Erschütternde Geständnisse Armstrongs. Das Interview mit Oprah Winfrey ist die letzte und steilste Etappe für den Pyräneen-Bezwinger“ © dpa
Großbritannien: The Guardian: „Abgesehen von wenigen Momenten, in denen sich ein kleiner Riss in seinem Panzer bildete, hatte Armstrong stets alles unter Kontrolle. Im Großen und Ganzen hatte er Oprah in der Opposition so unter Kontrolle wie vor Jahren Jan Ullrich“ © dpa
Daily Mail: „Armstrong kann das Spiel noch immer und führt Oprah seine dunklen Künste vor“ © dpa
Spanien: Marca: „Armstrong paralysiert die halbe Welt“ © dpa
AS: „Das exklusive Interview von Lance Armstrong war eine Beichte, wie sie im Buche steht“ © dpa
Schweden: Aftonbladet: „Früh am morgen schwedischer Zeit legte Lance Armstrong die Karten auf den Tisch. In einem TV-Interview gab der siebenmalige Sieger der Tour de France zu, dass er jedes Mal gedopt war, wenn er gewann. Das sensationelle Geständnis kam nach 13 Jahren voller Dementis, steinharter Gegenattacken und juristischer Angriffe, die Armstrong gegen diejenigen führte, die ihn herauszufordern wagten“ © dpa
Dänemark: Ekstra Bladet: „Als Lance Armstrong seinen Hodenkrebs überwunden hatte, setzte er sich ein neues Ziel. Den ultimativen Erfolg im größten Radrennen der Welt, der Tour de France. Er schaffte es, sieben Jahre in Folge zu gewinnen, aber jedes Jahr durch den Einsatz von verbotenen leistungssteigernden Mitteln.“ © dpa
Jyllands Posten: „Lance Armstrongs Doping-Eingeständnisse werden als größter Fall der Radsport-Geschichte bestand haben. Aber eine Bombe in dem Sport, der ihn reich und berühmt gemacht hat, lieferte der Amerikaner in keiner Weise.“ © dpa

Im vergangenen November war Armstrong von allen offiziellen Ämtern der Stiftung zurückgetreten, um die Organisation vor negativen Auswirkungen zu bewahren. Nach einem Enthüllungsbericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA war der Texaner vom Weltverband UCI lebenslang gesperrt worden. Seine sieben Tour-Siege wurden ihm aberkannt.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

Wenige Tage später distanzierte sich die Organisation von ihrem Gründer und änderte den Namen der Stiftung von „Lance-Armstrong-Foundation“ in „Livestrong-Foundation“.

sid

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