Klitschko: Chef im Ring auch bald Politik-Chef?

Als Chef der demokratischen Allianz UDAR in seiner Heimat will sich Vitali Klitschko einen Namen als Reformer machen.
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Als Chef der demokratischen Allianz UDAR in seiner Heimat will sich Vitali Klitschko einen Namen als Reformer machen.

Hamburg - Es gibt weltweit keinen Politiker, der härter zuschlagen kann. Im Boxring ist Vitali Klitschko gefürchtet, in der Politik will der 38-Jährige jedoch erst noch ein Schwergewicht werden.

Auch wenn im ukrainischen Parlament schon mal die Fäuste fliegen, verzichtet Weltmeister Klitschko dort auf den Einsatz seiner gefährlichsten Waffen. Die schlagenden Argumente sollen vielmehr verbal erfolgen.

Vitali Klitschko: Als er im Parlament durchgreifen musste

Vitali Klitschko: Prügelei im Parlament

Peinlich: Vitali Klitschko hat das Parlament in Kiew mit dem Boxring verwechselt. © dpa
Zu den Tumulten kam es, weil sich die politischen Parteien uneinig waren über ein neues Anti-Korruptions-Gesetz. © dpa
Der Boxer ist Mitglied in der Partei „Block Klitschko“, die aus Protest gegen das Gesetz am Dienstag das Parlament blockiert hat. © dpa
Dabei kam es zu dem Handgemenge. © dpa
Selbst zugehauen hat Klitschko wohl nicht. © dpa
Angeblich soll er aber selbst eine Gerade kassiert haben. © AP
Klitschko erklärte der „Bild“: „Demonstrationen und Unterschrifts-Aktionen haben nichts genützt.“ © dpa
„Wir müssen unser Land jetzt schützen. Das Land hat riesige Schulden. Grundstücke müssen deshalb höchstbietend versteigert werden.“ © AP
„Die Ukraine hat nur eine Zukunft, wenn das größte Hindernis beseitigt wird.“ © AP
„Und das ist die Korruption“, so Klitschko. © AP

Auch vor seiner Titelverteidigung am Samstag (22.10 Uhr/RTL) gegen den Polen Albert Sosnowski in der Gelsenkirchener Fußball-Arena von Schalke 04 denkt der Schwergewichts-Champion des Verbandes WBC an politische Weichenstellungen. “Ich kann beides miteinander verbinden“, berichtet Klitschko über den Spagat zwischen Seilgeviert und Parlamentarierstuhl.

“Der Sport hilft mir in der Politik. Die Fähigkeiten, die ich im Sport benutze, zum Beispiel der unbedingte Wille zum Sieg, nutze ich auch in der Politik“, beschreibt er seine Taktik. Dabei scheut er auch vor höchsten Ämtern nicht. “Ich denke über eine Kandidatur nach“, sagte er der “Bild“-Zeitung (Donnerstag) über die Möglichkeit, bei der nächsten Wahl zum ukrainischen Präsidenten an den Start zu gehen.

Als Chef der demokratischen Allianz UDAR in seiner Heimat will sich der Box-Champion einen Namen als Reformer machen. “Ich bin bereit, die Mauer einzuschlagen, die die Gesellschaft und die Machthaber im Land heute trennt“, sagt der 2,02-Meter-Hüne, der im April zum Parteichef gewählt wurde. Anspielungen auf das sportliche Milieu des Weltmeisters bieten sich an, schließlich steht UDAR nicht nur für Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen, sondern heißt “rein zufällig“ auch Schlag. Und zu einem solchen will Boxer Klitschko eben auch in der Politik ausholen. Schließlich ist Boxen für Klitschko “eine Sportart, die dem Leben am ähnlichsten ist“.

Zweimal ist der promovierte Sportwissenschaftler bei der Wahl zum Bürgermeister Kiews gescheitert, doch aus diesen Niederlagen hat “Dr. Eisenfaust“, wie sein Kampfname lautet, Kraft gesogen. Immerhin kam er beim jüngsten Votum 2008 unter 70 Kandidaten auf Platz drei. Das zeigt: Der Boxer Klitschko ist angekommen in der Politik, sein Wort hat Gewicht.

Auch die Vorurteile, da suche sich eine Sport-Millionär ein neues Spielfeld nach seiner Karriere im Ring, verstummen allmählich. Schließlich sehen zahlreiche Ukrainer im älteren der Klitschko-Brüder einen sogenannten Global Player, der zwischen USA, Deutschland und Kiew pendelt und aufgrund seiner weltweiten Kontakte die Tür zum Westen ein Stück weiter aufstoßen kann. In seiner Heimat hat der UNESCO-Sonderbotschafter bereits den Vaterländischen Verdienstorden erhalten, von Bundespräsident Horst Köhler bekommt er demnächst das Bundesverdienstkreuz. Klitschko ist der schlagende Beweis, wie ein Profi-Boxer auch in der Politik Treffer setzen kann.

dpa

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