Kein Doping-Fall: Seid Ihr alle echt ganz sauber?

Bislang hat es bei der Tour de France 2010 keinen einzigen positiven Doping-Test gegeben
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Bislang hat es bei der Tour de France 2010 keinen einzigen positiven Doping-Test gegeben

Bordeaux - Kein positiver Test - also kein Doping bei der Tour de France? Der Radsport-Weltverband lobt sein Anti-Doping-Programm. Aber Experten geben noch noch lange nicht Entwarnung.

Die Tour de France mag sich gebessert haben. Kein Dopingfall 2009, bisher keine Vorkommnisse bei der Ausgabe 2010. “Aber gewisse Zweifel bleiben“, meint Professor Wilhelm Schänzer, Chef des Anti-Doping-Labors in Köln, wo ein Teil der Tour-Proben untersucht werden. “Wir nehmen Spezial-Analysen vor“, sagte Schänzer am Freitag, wollte aber über die genau Art der Untersuchungen und die Zahl der bisher eingegangenen Proben nichts sagen. Dafür sei der Weltverband UCI zuständig.

Doping: Die dümmsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Dessen Sprecher Enrico Carpani wollte auch nicht ins Detail gehen, stellte aber ein Kommuniqué nach der Tour in Aussicht und lobte die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen UCI-Kontrolleuren und deren Aufsichtspersonal von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. “Das lief beim Giro reibungslos, und das läuft hier reibungslos“, teilte Carpani mit, der es als ermunterndes Zeichen wertet, dass eklatante Leistungsunterschiede wie zu Doping-Hochzeiten nicht mehr zu registrieren seien.

So weit würde sich Schänzer nie aus dem Fenster lehnen. “Ich wäre vorsichtig zu behaupten, dass es solche Hinweise gibt, etwa, weil die Tour seit Jahren nicht mehr so schnell ist“, gab der Wissenschaftler in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zu bedenken. Er weiß: “Bei Niedrigdosierungen fällt die Entdeckung schwer und im Problembereich Blutdoping gibt es sicher auch Möglichkeiten, die Margen des UCI-Blutpasses einzuhalten.“ Laut Schänzer seien dazu neue EPO-Produkte “in der Pipeline der Produzenten“.

Oft genug haben Ausdauer-Athleten bewiesen, dass sie erfindungsreich und skrupellos genug sind, auch vor der Testphase neuer Produkte an entsprechende Präparate zu kommen. Trotz berechtigter Zweifel an der Effizienz des Anti-Doping-Kampfes hofft Schänzer, dass die Fahrer “etwas vorsichtiger geworden“ ist. Der 2008 geglückte Nachweis des CERA-Dopings und die Nachkontrollen, über die die ehemalige Gerolsteiner-Prominenz Stefan Schumacher und Bernhard Kohl sowie die italienische Hoffnung Riccardo Ricco stolperten, hätte im Fahrerfeld eine Art schockierende Wirkung gehabt.

Alles besser als früher? Daran glaubt der ehemalige Gerolsteiner- Teamchef Hans-Michael Holczer nicht: “Ich habe mal geglaubt, wir bekommen unseren Sport so hin, dass die Chancengleichheit steigt, weil wir wie Sau kontrollieren und das Doping-Risiko zu hoch ist. Inzwischen bin ich aber der Meinung, dass es im Radsport eine Angleichung zu anderen Sportarten gegeben hat“. In Vancouver sei das Reizthema zur Nebensächlichkeit geworden, bei der Fußball-WM ebenso. “Was man an der Oberfläche sieht, muss nicht die Realität sein.“

In Frankreich wurde in den vergangenen Jahren oft vom “Radsport der zwei Geschwindigkeiten“ gesprochen, um die Erfolglosigkeit der einheimischen Radprofis zu erklären. Sinngemäß nach der einfachen Formel: Wegen des strengen französischen Anti-Doping-Gesetzes müssten die inländischen Fahrer ungleich vorsichtiger zu Werke gehen als ihre Kollegen und seien deshalb quasi chancenlos. Bei dieser Tour nun freuen sich die Gastgeber über die außergewöhnlich hohe Zahl von bereits sechs Etappenerfolgen.

Ein Beweis für einen Radsport mit allgemein weniger Medikamenten? Gut, dass Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Ziel der 17. Etappe zum Hobby-Sportreporter wurde und Alberto Contador nach dem Erfolgs-Geheimnis spanischer Athleten fragte. Der mutmaßliche Toursieger 2010 - dessen Name auch einmal auf der Liste des Doping-Doktors Eufemiano Fuentes stand - wusste keine Antwort.

dpa

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