Vor Olympia 2016 in Rio

Russland bangt: IOC-Gipfel zu Konsequenzen aus Doping-Skandalen

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Der IOC-Gipfel findet unter der Leitung von Thomas Bach statt.

Lausanne - Das IOC hat nach dem Olympia-Bann von Russlands Leichtathleten durch den Weltverband IAAF „weitere Maßnahmen“ angekündigt. Auf dem IOC-Treffen wird auch über die Möglichkeit eines kompletten Olympia-Startverbots beraten.

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Bericht

Die olympischen Spitzenfunktionäre werden unter der Leitung von IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag in Lausanne über weitere Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf und Konsequenzen nach den Betrugs-Skandalen vor allem in Russland beraten. Knapp 50 Tage vor den Spielen in Rio de Janeiro wird bei dem sogenannten Summit des Internationalen Olympischen Komitees über den Konflikt zwischen kollektiven Strafen für Länder und den individuellen Rechten von Athleten bei der Zulassung zu den Rio-Spielen gesprochen.

Nach der Verlängerung der Suspendierung der russischen Leichtathleten und das damit verbundene Olympia-Aus durch den Weltverband IAAF muss nicht nur Russland einen kompletten Ausschluss von dem Sportspektakel in Brasilien fürchten. Auch Kenia, Mexiko und Spanien, deren Anti-Doping-Systeme von der Welt-Anti-Doping-Agentur als nicht regelkonform erklärt wurden, droht eine Nichtteilnahme in Brasilien. Am Dienstag den 21. Juni tagt das IOC und entscheidet, ob und wie Russland bei Olympia in Rio teilnehmen werde.

Kampf gegen Sportbetrug: Etat verdoppelt

Das IOC kündigte nach dem IAAF-Urteil „weitere weitreichende Maßnahmen“ an, um die Chancengleichheit bei den Rio-Spielen zu gewährleisten. Anfang Juni hatte das Exekutivkomitee des IOC im Kampf gegen den Sportbetrug einen Fünf-Punkte-Plan verabschiedet, der auch eine Verdopplung des Etats von 250.000 auf 500.000 Dollar für Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen beinhaltete.

Besonders für den russischen Sport sieht es mit dem Start am Zuckerhut immer schlechter aus. Inzwischen sind auch Vorwürfe zu Doping-Vergehen bei Russlands Schwimmern laut geworden. Außerdem untersucht die Welt-Anti-Doping-Agentur Anschuldigungen, ob im Kontrolllabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi tatsächlich positive Proben von russischen Sportlern ausgetauscht und vertuscht wurden. Der frühere WADA-Präsident Richard Pound hält einen Ausschluss der Sportmacht für denkbar, nennt ihn aber eine „nukleare Option“.

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Der Fall Katrin Krabbe (1992): Die deutsche Sprinterin Katrin Krabbe, Weltmeisterin 1991 über 100 und 200 m, fällt wie Trainingspartnerin Grit Breuer bei einer Urinprobe mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol auf. Beide werden bis 1995 gesperrt. Während Breuer in die Weltspitze zurückfindet, scheitert Krabbes Comeback-Versuch. © dpa
Der Fall Ben Johnson (1988): Die Mutter aller Doping-Skandale. Bei den Olympischen Spielen in Seoul siegt der kanadische Sprintstar Ben Johnson im 100-m-Finale in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. In Johnsons Urinprobe wird das Steroid Stanozolol nachgewiesen, der Skandalsprinter verliert Gold und Rekord. © dpa-mzv
Der Fall Diego Maradona (1994): Bei der Fußball-WM in den USA wird Argentiniens Superstar Diego Maradona positiv auf Ephedrin getestet und ausgeschlossen. Schon drei Jahre zuvor war Maradona mit Kokain erwischt worden, sein Niedergang begann. © dpa
Der Fall Balco (2003): Im Zuge der Balco-Affäre wird in den USA ein Doping-Netzwerk ausgehoben, zahlreiche Topstars wie Baseball-Ass Barry Bonds und die Sprintstars Marion Jones und Tim Montgomery werden schwer belastet. Jones, die 2000 in Sydney dreimal Olympia-Gold gewonnen hatte, landet wegen Falschaussage im Gefängnis. © dpa
Der Fall Kenteris/Thanou (2004): Die griechischen Sprinter Konstantinos Kenteris, 200-m-Olympiasieger von 2000, und Ekaterini Thanou entziehen sich bei den Spielen in ihrer Heimat Athen unter dem Vorwand eines angeblichen Motorrad-Unfalls einem Dopingtest. Beide werden zwar nicht suspendiert, verzichten aber auf einen Start. Nach langem Hickhack werden beide für zwei Jahre gesperrt und später wegen Meineids zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. © dpa/dpaweb-mm
Der Fall Fuentes (2006): Einen Tag vor dem Start der Tour de France werden die Favoriten Jan Ullrich (T-Mobile) und Ivan Basso (CSC) von ihren Teams ausgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, in den Skandal um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. Dieser soll ein weltweites Dopingnetzwerk organisiert gehabt haben. Im Rahmen einer Razzia waren am 23. Mai 2006 große Mengen an Blutbeuteln beschlagnahmt worden. Ullrich wird erst im Februar 2012 für zwei Jahre gesperrt und verliert alle Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005, im Juni 2013 gibt er Blutdoping zu. Auch Leichtathleten und Fußballer werden mit dem Netzwerk in Verbindung gebracht. © dpa
Der Fall Claudia Pechstein (2009): Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein wird vom Weltverband ISU wegen Indizien, die auf Blutdoping hindeuten, für zwei Jahre gesperrt. Pechstein wehrt sich, es folgt ein langes juristisches Tauziehen. Obwohl Zweifel an ihrer Schuld bestehen, bleibt sie gesperrt. Im Februar 2011 gibt sie ihr Comeback. © dpa
Der Fall Alberto Contador (2010): Tour-Sieger Alberto Contador wird am zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet. Der Radsport-Weltverband UCI spricht eine vorläufige Sperre gegen den Spanier aus, will dem Fall aufgrund der geringen Konzentration des Kälbermastmittels aber nachgehen. Im Februar 2012 spricht der CAS nach einer langen Hängepartie ein Urteil, sperrt Contador und erkennt ihm alle Titel seit der positiven Probe ab. Der Luxemburger Andy Schleck wird am 29. Mai 2012 nachträglich zum Tour-Sieger 2010 gekürt. © AP
Der Fall Lance Armstrong (2012) Am 22. Oktober 2012 erkennt der Radsport-Weltverband UCI Lance Armstrong die Tour-Titel von 1999 bis 2005 ab. Armstrong hatte über Jahre hinweg systematisch betrogen und ein Doping-Netzwerk aufgebaut, ehemalige Kollegen und Weggefährten belasteten ihn schwer. Nach jahrelangem Leugnen bricht der Texaner am 15. Januar 2013 in einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey sein Schweigen und verliert seine sieben Tour-Siege. © dpa
Die Fälle Gay, Powell, Carter und Simpson (2013) Schwarzer Sonntag der Leichtathletik: Tyson Gay (USA), zweitschnellster Sprinter der Geschichte (9,69 Sekunden) gibt am 14. Juli bekannt, dass er bei einer Trainingskontrolle positiv getestet worden sei. Gay beantragt die Öffnung der B-Probe, erklärt aber seinen Verzicht auf die WM. Am gleichen Tag wird bekannt, dass auch Jamaikas Ex-Weltrekordler Asafa Powell sowie seine Landsleute Nesta Carter und Sherone Simpson positiv getestet wurden. © AFP
Der Fall Dieter Baumann (1999): Die Zahnpasta-Affäre. Dieter Baumann, 5000-m-Olympiasieger von 1992, wird positiv auf Nandrolon getestet. Der Deutsche Leichtathletik-Verband spricht Baumann frei, da der Wirkstoff auch in seiner Zahnpasta-Tube nachgewiesen werden konnte, ein schuldhaftes Vergehen damit infrage stand. Der Weltverband IAAF sperrte Baumann dennoch für zwei Jahre. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Der Fall Johann Mühlegg (2002): Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City werden sieben Athleten positiv auf Epo getestet. Prominentester Sünder ist der Allgäuer Langläufer Johann Mühlegg, der für Spanien Gold über 10, 30 und 50 km gewonnen hatte. Mühlegg verliert sämtliche Medaillen, wird für zwei Jahre gesperrt und beendet seine Karriere. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Möglicherweise kommen noch andere Sportarten und Länder in die Bredouille. Zum Beispiel Gewichtheben: Bei den Nachtests der Spiele 2008 in Peking und 2012 in London waren unter den insgesamt 55 positiven Proben allein 20 von Gewichthebern. Der Weltverband IWF selbst hat die Bulgaren bereits komplett von Olympia in Rio verbannt.

Gesprächsthema wird beim IOC-Gipfel auch sein, ob Athleten, die nicht nur auf Grundlage von mehreren negativen Kontrollen nachweisen können, sauber zu sein, unter der Olympischen Flagge starten dürfen. Ein entsprechende Hintertür für russische Leichtathleten war in der IAAF-Entscheidung enthalten.

dpa

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