Handballer bekommen keine Lizenz

HSV: Endgültiges Aus oder noch Hoffnung?

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Matthias Flohr vom HSV Hamburg.

Hamburg - Handball-Bundesligist HSV Hamburg bekommt keine Lizenz und steht vor dem Ruin. Nach dem Rückzug von Geldgeber Rudolph sieht die Bundesliga keine wirtschaftliche Tragfähigkeit beim Sieger der Champions League.

Mäzen weg, Geld weg, Lizenz weg - dem Handball in Hamburg droht das Aus. Nur ein Jahr nach dem grandiosen Triumph in der Königsklasse und dem Aufstieg zum besten Club Europas verweigerte die unabhängige Lizenzierungskommission der Handball Bundesliga (HBL) dem finanziell schwer angeschlagenen Bundesligisten HSV Hamburg die Lizenz für die Saison 2014/2015. „Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil der HSV bis 30. Juni der laufenden Saison aber auch für die kommende Saison die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht nachweisen konnte“, sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser der dpa.

Der deutsche Meister von 2011 kann und wird nun innerhalb einer Woche nach Zustellung des Lizenzbescheides Beschwerde einlegen. „Wir werden Beschwerde einlegen und umgehend innerhalb der von der HBL gesetzten Frist handeln. Wir sind nach wie vor in Gesprächen und geben nicht auf“, sagte HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett und ergänzte: „Wir haben zuletzt alles in Bewegung gesetzt, doch für eine endgültige Verbesserung der Unterlagen lief uns nun die Zeit davon.“ Alle anderen 17 Erstligisten erhielten - vorbehaltlich der sportlichen Qualifikation - die Erstliga-Lizenz, teilweise unter Auflagen.

Aus des Hamburger Clubs ein Desaster

An ein endgültiges Aus seines HSV mag Johannes Bitter noch nicht glauben. „Alle Hamburger Fußball- und Handballfans sollten jetzt ganz besonders hinter ihren Clubs stehen! Ab heute beginnen die Tage der Entscheidungen. Hoffentlich mit einem doppelt positiven Ausgang für die Sportstadt Hamburg!“, schrieb der deutsche Nationalkeeper Johannes Bitter auf seiner Facebook-Seite. Auch die Konkurrenz will den HSV erstklassig. „Ich hoffe für die Hamburger, dass sie bei dieser Halle und diesen Zuschauern weiterhin Bundesliga haben“, sagte Kiels Geschäftsführer Klaus Elwardt. „Hamburg ist für uns ein wichtiger Player. Das wäre ein Riesenverlust“, erklärte Kaiser.

Noch im April hatte der eigenwillige HSV-Mäzen Andreas Rudolph Lizenzprobleme vehement bestritten, ehe er am 8. Mai überraschend seinen Rücktritt als Präsident ankündigte. Der Unternehmer soll seit rund zehn Jahren etwa 25 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in den Verein gepumpt haben. Jetzt drehte er den Geldhahn zu. Zwar werde er seine Sponsoren-Verpflichtungen erfüllen, aber kein privates Geld mehr zuschießen. Ohne diese Mittel - die Rede ist von zwei bis drei Millionen Euro zusätzlich zum Sponsoring in Höhe von 1,5 Millionen Euro pro Jahr - steht der HSV nun vor dem Aus.

Für den für die Spielzeit 2014/15 kalkulierten Etat von 8,1 Millionen Euro konnte der Verein bei der HBL laut „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag) keine Deckung nachweisen. Bisher erhielt Hamburg die Lizenz immer dank der Rudolph-Bürgschaft, die nun ausblieb. Zudem fehlen bis zum Saisonende am 30. Juni drei Millionen Euro, akut etwa eine Million, um die Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH & Co. KG abzuwenden. Spieler und Trainer warten seit 5. Mai auf ihr April-Gehalt.

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HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann hatte vor einigen Tagen noch einmal mit Rudolph gesprochen. Auch einige Spieler waren auf die Ferieninsel Mallorca geflogen, um Rudolph in seinem Zweitwohnsitz umzustimmen. Der Ex-Präsident scheint nun bereit, mit einer kurzfristigen Finanzspritze zu helfen. Am Mittwochabend traf sich Liekefett nach NDR-Informationen mit dem Hauptsponsor. „Es gibt ein Konzept, in dem sich Andreas zeigt. Das finde ich stark von ihm. Es geht in die richtige Richtung“, sagte Liekefett der „Bild“-Zeitung (Donnerstag).

Rudolph erwartet aber Beiträge alle Beteiligten. So sollen unter anderem Spieler und Trainer Gehaltskürzungen akzeptieren. „Wir sind zu vielem bereit, weil wir alle diesen Verein lieben“, sagte Coach Martin Schwalb. Die Hamburger wollen die beiden ausstehenden Saisonspiele trotz der Finanzkrise absolvieren. Ein Gang in die sofortige Insolvenz würde einen Zwangsabstieg bedeuten.

dpa

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