Gala der WM-Stars in Leipzig

Handballer gefeiert wie die Popstars

+
Nationalspieler Patrick Wiencek (M) setzt sich gegen Filip Jicha (l) und Marcin Lijewski aus dem All Star Team durch

Leipzig - Sie wurden gefeiert wie die Popstars und genossen sichtlich den ersten Auftritt vor heimischer Kulisse nach dem Aus im WM-Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien.

Drei Minuten vor Spielende konnte sich Oliver Roggisch dem Wunsch der Fans nicht mehr entziehen. Er streifte sich seine Trainingsjacke ab und lief am Samstagabend beim Allstar Game in Leipzig doch noch auf. „Ich war ein bisschen angeschlagen und wollte eigentlich gar nicht spielen. Aber so ein Erlebnis, dass die Fans einen fordern, hat man nicht so oft“, sagte der Abwehrchef und Kapitän der Handball-Nationalmannschaft, dem kürzlich ein Zehnagel entfernt worden war.

Wie einen Popstar hatten die 7532 Fans in der Arena Leipzig den 34 Jahren alten Routinier gefordert. Immer lauter wurde sein Name skandiert und sein Einsatz so förmlich herbeigerufen. Und als der Recke von den Rhein-Neckar Löwen auch noch den 37. deutschen Treffer markierte, kannte der Jubel kaum noch Grenzen. Die Zuschauer feierten den Kapitän und seine Kollegen für den 37:35 (19:18)-Erfolg der Nationalmannschaft gegen die topbesetzte Bundesliga-Auswahl.

„Die Fans haben die Mannschaft gefeiert. Ich bin ein Aushängeschild der Mannschaft. Deswegen sehe ich das so, dass die Mannschaft gefeiert wurde“, sagte Roggisch und wies damit jeglichen Personenkult von sich, „wir haben uns auf dieses Spiel riesig gefreut. Es ist sensationell, wie die Fans uns gefeiert haben.“

Nur mit Mühe konnte sich Silvio Heinevetter seinen Weg vom Spielfeld zu den Umkleidekabinen bahnen. Der Torhüter mit den spektakulären Paraden musste immer wieder Autogramme schreiben und für Fotos pausieren. „Das ist doch alles schön“, sagte der Berliner, der als ehemaliger Spieler von Concordia Delitzsch in Leipzig ein Heimspiel hatte. Er wertete die neue Begeisterung für den Handball als Resultat der mitreißenden Spiele bei der WM mit dem starken fünften Platz. „Man hat gesehen, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagte Heinevetter.

Knapp eine Woche nach WM-Schluss zeigten die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) und ihre Allstar-Kontrahenten beim Schaulaufen der Bundesliga, dass Handball nicht nur Kampf, sondern auch Attraktion ist. „Sie haben Spaß nicht mit zu viel Tollerei verwechselt“, sagte Bundestrainer Martin Heuberger.

Während die Spieler mit Freude ihren Aufschwung zelebrierten, war die Partie in Leipzig für Frank Carstens das Abschiedsspiel als Co-Trainer von Martin Heuberger. Nach rund eineinhalb Jahren gab er seine Tätigkeit im DHB auf und wird sich künftig ganz seinen Aufgaben als Trainer des Bundesligisten SC Magdeburg widmen.

Nun sucht der Verband einen Nachfolger. Im Gespräch sind Jan Gorr, der jüngst seinen Vertrag mit dem VfL Gummersbach aufgelöst hat, und Markus Baur. Der Junioren-Bundestrainer hatte im Vorspiel mit der B-Nationalmannschaft ein 33:33 (16:14) gegen den Zweitligisten SC DHfK Leipzig erreicht.

Eine Schrecksekunde erlebten die deutschen WM-Schiedsrichter Markus Helbig (Landsberg) und Lars Geipel (Steuden). Weil Geipel eine starke Bänderdehnung und einen Kapseleinriss im rechten Sprunggelenk erlitten hatte, pfiff Helbig sechs Minuten lang allein, ehe mit Tobias Tönnies aus Magdeburg ein Ersatzreferee auflief. Der Einsatz des Duos im DHB-Pokal-Viertelfinalspiel zwischen der SG Flensburg-Handewitt und den Rhein-Neckar Löwen am Dienstag ist noch offen.

dpa

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Bescheidener Auftritt: DFB-Frauen nur 0:0 gegen Chile

Bescheidener Auftritt: DFB-Frauen nur 0:0 gegen Chile

Biathlon: Der Kader der deutschen Damen für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Damen für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Meistgelesene Artikel

EM 2021: Drama um Christian Eriksen –  Spielfortsetzung unverantwortlich

EM 2021: Drama um Christian Eriksen – Spielfortsetzung unverantwortlich

EM 2021: Drama um Christian Eriksen – Spielfortsetzung unverantwortlich
EM 2021: Dänen-Star Eriksen nah am Tod –  „Herzstillstand, er war schon weg“

EM 2021: Dänen-Star Eriksen nah am Tod – „Herzstillstand, er war schon weg“

EM 2021: Dänen-Star Eriksen nah am Tod – „Herzstillstand, er war schon weg“
EM 2021: Dänemark-Star Eriksen  „wach“ – Spiel wird fortgesetzt

EM 2021: Dänemark-Star Eriksen „wach“ – Spiel wird fortgesetzt

EM 2021: Dänemark-Star Eriksen „wach“ – Spiel wird fortgesetzt
Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Kommentare