Geduldsprobe für Jan Ullrich

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Jan Ullrich.

Lausanne - Jan Ullrich muss weiter warten. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat die Entscheidung über eine Dopingsperre des einstigen Radstars am Mittwoch erneut verschoben.

 Das in Lausanne ansässige Gericht will nun Mitte Januar entscheiden, ob Ullrich für seine Verwicklung in die spanische Dopingaffäre als Wiederholungstäter lebenslang gesperrt oder freigesprochen wird.

“Das bringt uns nicht weiter. Jan möchte nun erstmal nichts weiter dazu sagen. Er ist in erster Linie enttäuscht, dass er weitere sechs Wochen warten muss“, sagte Ullrichs Berater Falk Nier der Nachrichtenagentur dapd.

Immerhin kann Ullrich einen Punktsieg feiern. Der CAS erklärte sich im Rechtsstreit zwischen Ullrich und Antidoping Schweiz für nicht zuständig, sodass dem gebürtigen Rostocker von dieser Seite wohl keine Konsequenzen drohen. “Jan wertet das als positives Zeichen für das endgültige Urteil“, sagte Nier.

UCI-Prozess nicht betroffen

Der CAS begründete seinen Spruch damit, dass zwischen Ullrich und Antidoping Schweiz keine Schiedsvereinbarung existiert. Diese Vereinbarung musste der damals wie heute in der Schweiz lebende Ullrich beim Antrag auf eine Rennlizenz im Jahr 2005 unterschreiben. Damals gab es Antidoping Schweiz allerdings nicht, weshalb der Forderung auf eine Entscheidung des CAS die Grundlage fehlt.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Die französische Sporttageszeitung L’Équipe schrieb im August 2005, dass in Urinproben von Lance Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO (Erythropoetin) nachgewiesen worden sei. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: "Setzt mich wieder auf mein Rad". Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt.  © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schum acher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa

Allerdings war neben Antidoping Schweiz auch der Weltverband UCI gegen Ullrichs Freispruch durch Swiss Olympic vom Januar 2010 vor den CAS gezogen. “Der CAS habe seine Zuständigkeit für diesen Fall bereits offiziell anerkannt und wird seine finale Entscheidung in etwa sechs Wochen bekanntgeben“, hieß es in der Pressemitteilung. Die Entscheidung sollte ursprünglich im September gefällt werden, war jedoch seitdem bereits zweimal verschoben worden.

Viel Lärm um nichts dürfte die Bilanz der vergangenen Wochen lauten. Immer wieder war mit Blick auf den 30. November und die anstehende CAS-Entscheidung sogar über ein mögliches Geständnis von Ullrich spekuliert worden. Hat er juristisch nichts mehr zu befürchten, so die Rechnung, kann er sich gefahrlos zu den seit 2006 anhaltenden Dopinggerüchten äußern.

CAS wie Swiss Olympic

Der Fall Ullrich beschäftigt die Gerichte nun schon seit über fünf Jahren, was vor allem an der Trägheit der Schweizer Sportjustiz liegt. Die Eidgenossen hatten den Fall im - fast vier Jahre nach der Fuentes-Affäre - wegen fehlender Zuständigkeit zu den Akten gelegt. Gleiches tat nun der CAS.

Hintergrund ist Ullrichs Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes. 2006 waren bei dem Spanier unter anderem Blutbeutel sichergestellt worden, die Ullrich per DNA-Abgleich zugeordnet wurden. Der schon damals in der Schweiz lebende Rostocker gab seine Rennlizenz jedoch im Oktober 2006 zurück und entzog sich dadurch der Sportgerichtsbarkeit der Eidgenossen.

dapd

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