Fiasko für Armstrong: Tour-Traum fast futsch

Lance Armstrong ist weit vom achten Tour-Titel entfernt
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Lance Armstrong ist weit vom achten Tour-Titel entfernt

Morzine-Avoriaz - Altmeister Lance Armstrong hat auf der 8. Etappe der Tour de France eine bittere Pleite kassiert und muss seinen Traum vom achten Tour-Titel diesmal wohl früh begraben.

Hilflos, kraftlos und aller Illusionen beraubt: Für Superstar Lance Armstrong und die deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin kam in den Alpen ein böses Erwachen. Als die Spitzenfahrer um den Topfavoriten Alberto Contador bei der ersten Bergankunft in Morzine-Avoriaz um den Etappenerfolg kämpften, strampelten der US-Altmeister und der deutsche Newcomer um ihr sportliches Überleben. Den Tagessieg im Ziel der 8. Etappe holte sich am Sonntag nach 189 Kilometern der Vorjahreszweite Andy Schleck aus Luxemburg. Das Gelbe Trikot wechselte von Vortages-Solosieger Sylvain Chavanel zum australischen Weltmeister Cadel Evans.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

24 Stunden nachdem der 25 Jahre alte Martin bereits auf dem Weg zur Skistation des Rousses völlig eingebrochen war, fuhr er auch auf der zweiten Alpenetappe meilenweit hinterher. Der große Gewinner beim ersten Showdown der Kapitäne war neben Evans der spanische Vorjahreschampion Contador, der seinem gedemütigten Erzrivalen Armstrong mehr als sieben Minuten abnahm und beste Chancen auf seinen dritten Tour-Gesamtsieg hat. Dagegen musste Rekordsieger Armstrong seinen ohnehin kühnen Traum vom achten Coup bereits nach den ersten Klettertortur begraben.

Unfreiwillig behielt der Amerikaner recht, der vor der Ankunft in dem Alpenörtchen “eine neue Wendung“ im Klassement prognostiziert hatte: “Hier wird eine Entscheidung fallen.“ In der Gesamtwertung führt Evans nun vor Andy Schleck (+20 Sekunden Rückstand) und Contador (+1,01 Minuten), der zehn Sekunden auf seinen schärfsten Herausforderer Schleck verlor.

Die Entscheidung um den Tagessieg bei der einzigen Bergankunft in den Alpen brachte der 13,6 Kilometer lange Schlussanstieg hinauf zur Skistation Morzine-Avoriaz. Beim Ausscheidungsrennen der Spitzenleute, bei dem Contadors Astana-Team gnadenlos die Tempoarbeit verschärfte, jubelte am Ende Schleck dank eines Schlussspurts vor Samuel Sanchez.

Schon beim vorletzten Anstieg auf den Col de la Ramaz mussten Armstrong und Martin das Feld der Topfahrer ziehen lassen. Bereits am Samstag hatte der deutsche Columbia-Profi die Hoffnung, “ganz vorne mitzufahren“, aufgegeben. Der Eschborner fand beim Tagessieg des Franzosen Chavanel überhaupt nicht seinen Tritt und verlor 19:14 Minuten. “Ich hatte schon seit ein paar Tagen schlechte Beine. Ich konzentriere mich jetzt auf Etappensiege“, sagte Martin, bevor er ein erneutes Frusterlebnis zu verdauen hatte.

Für Armstrong, den die Doping-Vorwürfe seines Ex-Teamkollegen Floyd Landis doch zuzusetzen scheinen, brachte die 8. Etappe einen rabenschwarzen Tag. Schon unterwegs hatte der RadioShack-Kapitän, dessen Edelhelfer Andreas Klöden mit Contador mitgehen durfte, vier Jahre nach Landis' durch Doping erschwindelter Triumphfahrt nach Morzine-Avoriaz zwei Schrecksekunden zu überstehen.

Erst musste er nach sechs Kilometern einen Abstecher ins Gras machen, um einem Massensturz auszuweichen. Dann erwischte es ihn 50 Kilometer vor dem Ziel, als der Texaner auf den Asphalt aufschlug und sich sein Trikot am Rücken aufriss. Zudem plagen den 38-Jährigen “starke Schmerzen beim Sitzen“, so dass er schon in Rousses einräumen musste: “Ich habe gelitten.“

Pech hatte am Sonntag zunächst auch Weltmeister Evans. Statt wie angekündigt Contador und Co. zu attackieren, stürzte der Australier ebenfalls bei Kilometer sechs und verletzte sich an Hand und Schulter. Evans biss aber auf die Zähne und belohnte sich im Wintersportort mit dem Gelben Trikot für seine Courage.

dpa

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