Fall Semenya: Südafrikas Verband rudert zurück

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Caster Semenya

Johannesburg/Düsseldorf - Der südafrikanische Leichtathletik-Verband ASA hat im Fall Caster Semenya den Konfrontationskurs gegen den Weltverband IAAF aufgegeben.

ASA- Präsident Leonard Chuene wird in das IAAF-Exekutivkomitee zurückkehren, um sich dort für eine Lösung des sportpolitischen Konflikts um den Geschlechts-Test der 18-jährigen 800-Meter- Weltmeisterin einzusetzen. “Sie wollen, dass ich innerhalb der IAAF daran mitarbeite“, sagte der 54 Jahre alte Spitzenfunktionär, den die ASA-Führung bei einer Sitzung in Pretoria dazu gedrängt hatte.

Chuene, der seit 1999 der IAAF-“Regierung“ angehört, hatte bereits bei der WM im August in Berlin kurz nach Beginn der Affäre aus Protest gegen die Behandlung des Semenya-Falles seinen Rücktritt angekündigt. “Es ist eine individuelle und emotionale Entscheidung gewesen“, sagte Chuene. Wie die ASA in einer Stellungnahme mitteilte, habe er den Fall “außergewöhnlich gut“ behandelt. Der IAAF wurde dagegen vorgeworfen, “die notwendige Vertraulichkeit in dieser sensiblen Angelegenheit“ missachtet zu haben. Zugleich forderte die ASA die IAAF auf, sich bei Semenya “ihrer Familie und den Menschen in Südafrika “ zu entschuldigen.

Caster Semenya: Mann? Frau? Beides

Strecke

Unklar ist dagegen, welche Rolle Chuene bei dem angeblich am 7. August - vor der WM in Berlin - in einem Krankenhaus in Pretoria veranlassten Geschlechtstest gespielt hat. Die IAAF hatte wegen der rapiden Leistungsentwicklung und der männlichen Erscheinung der 18- jährigen Athletin noch einen Geschlechts-Test bei Semenya während der WM in einer deutschen Klinik angeordnet.

IAAF-Präsident Lamine Diack hatte bereits im August in einem Brief an Staatspräsident Jacob Zuma darum gebeten, dass Chuene seinen Rücktritt rückgängig machen soll. Der ASA-Chef will nun nach einem Gespräch mit dem südafrikanischen Sportminister Makhenkesi Stofile an diesem Dienstag endgültig entscheiden, ob er sein Land weiter in der IAAF vertritt.

Stofile hatte zuletzt auf Enthüllungen in den Medien, Caster Semenya sei ein Zwitter, brüsk reagiert und bei einem eventuellen IAAF-Startverbot der Läuferin in Frauen -Rennen mit einem “dritten Weltkrieg“ gedroht. Die IAAF will die Ergebnisse des Geschlechts- Tests nicht vor November öffentlich machen und sie zunächst durch Experten prüfen lassen. Der Athletin selbst soll es trotz der öffentlichen Debatte über sie gutgehen. “Sie erscheint stark“, sagte Chuene.

Unterdessen hat die Deutsche Jugend-Kraft (DJK) die öffentliche Kontroverse um Caster Semenya scharf kritisiert. “Es widerspricht allen Regeln der menschlichen Würde, Vermutungen um eine eventuelle Intersexualität der jungen Frau öffentlich zu diskutieren“, sagte der Präsident des katholischen Sportverbandes, Volker Monnerjahn , in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme.

“Auch wenn der Weltverband IAAF sich jetzt um Diskretion bemüht und die Resultate unter Verschluss hält, trägt er doch Mitschuld an der Tragik um Caster Semenya“, meinte Monnerjahn, in dessen Verband mehr als 500 000 Mitglieder vereinigt sind. “Das Thema hätte bereits im Vorfeld vertraulich behandelt werden müssen.“ Die nachträgliche Politisierung des Falles seitens der südafrikanischen Regierungspartei ANC zu einer Rassismus-Kampagne bezeichnete er als halt- und verantwortungslos.

dpa

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