EM-Titel für Wu und Maze - Boll verpasst Titel-Triple

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Jiaduo Wu zeigt ihre Medaille.

Stuttgart - Titelverteidiger Timo Boll entthront, Titel- Hattrick dennoch gelungen: Die stets lächelnde Jiaduo Wu vom FSV Kroppach sprang für den gescheiterten Top-Favoriten in die Bresche.

Zum Abschluss der schwarz-rot-goldenen Europameisterschaft in Stuttgart steuerte die 32-jährige Angriffsspielerin den dritten EM - Titel für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) bei. Den hatten sich die 6000 Fans in der Porsche-Arena eigentlich von Boll erhofft. Doch dem zehnfachen Europameister, der zuvor Gold mit dem Team und im Doppel mit Christian Süß geholt hatte, misslang beim EM -Heimspiel im Herren-Einzel das dritte Titel-Triple.

Der Weltranglisten-Dritte scheiterte im Halbfinale am überragenden Dänen Michael Maze, war aber auch mit Bronze zufrieden. Der formstarke Weltranglisten-13. krönte seine grandiose Leistung mit einem 4:1-Finalsieg gegen Werner Schlager (Österreich) und sicherte sich nach Gold mit dem dänischen Team 2005 seinen zweiten EM -Titel. “Schade, es hat nicht ganz gereicht. Die Gesundheit hat aber gehalten. Das war für mich die wichtigste Erkenntnis des Turniers“, sagte Boll.

Der 28 Jahre alte Linkshänder von Borussia Düsseldorf geriet gegen Maze schnell mit 0:3 in Rückstand, wurde vom Publikum zum 3:3 gepeitscht, unterlag aber den siebten Durchgang mit 5:11. Bereits im Team-Endspiel hatte Boll das Duell gegen den gleichaltrigen Dänen verloren. Weil die Revanche misslang, konnte der deutsche Meister den EM -Rekord des elfmaligen Titelträgers Jan-Ove Waldner (Schweden) nicht einstellen.

Dennoch hatte Boll den größten Anteil an den insgesamt fünf DTTB- Medaillen. “Wir standen in fünf der sechs Disziplinen auf dem Podest. Damit waren wir die stärkste Nation und haben vor eigenem Publikum unsere Stärke demonstriert“, bilanzierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Neben Wu, die einen Tag nach ihrem 32. Geburtstag das Damen-Finale klar mit 4:0-Sätzen gegen die 18-jährige Margarita Pezotska aus der Ukraine gewann, trug auch der dritte Platz des Damen-Doppels Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen (Holsterhausen/Busenbach) zur guten Bilanz bei.

“Ich fühle mich wie in einem Traum“, jubelte Wu. Die gebürtige Chinesin Wu, die seit vier Jahren deutsche Staatsbürgerin ist und wegen ihrer fröhlichen Ausstrahlung schnell zum Publikumsliebling avancierte, wurde von DTTB-Präsident Thomas Weikert auf den Händen getragen und genoss das Bad in der Menge. Sie ist nach Agnes Simon (1960), Nicole Struse (1996) und Qianhong Gotsch (2000) vierte DTTB- Spielerin, die unter dem Jubel der Fans Einzel-Gold holte. “Ihr seid das beste Publikum Europas“, lobte Schimmelpfennig die Unterstützung in der Schwabenmetropole, die sich 17 Jahre nach dem EM -Sieg von Jörg Roßkopf erneut als gutes Pflaster erwies.

Am Samstag hatte das Düsseldorfer Parade-Duo Boll/Süß mit einer starken kämpferischen Leistung den Titel-Hattrick im Doppel perfekt gemacht. Beim 4:2 gegen Wang Zheng Yi/Lucjan Blaszczyk (Polen) hechtete Boll wie einst Boris Becker in der Box. “Ich habe Timo selten so häufig auf dem Boden gesehen. Er ist aber immer wieder hoch gekommen“, sagte Herren-Bundestrainer Richard Prause. Das frühe Aus seiner Gold-Jungen im Einzel war auch für ihn eine Enttäuschung. “Die Konkurrenz erstarrt nicht vor uns“, sagte der Coach.

Für Süß ist Europa nicht genug. “Wir sind heiß, solche Spiele und Turniere zu gewinnen. Aber wir müssen auch neue Ziele definieren und dürfen nicht den Glauben verlieren, die Chinesen schlagen zu können“, sagte der Doppel-Spezialist. Weltmeister China ist ein gutes Stück entfernt und der DTTB-Trainerstab arbeitet daran, den Anschluss an die Asiaten nicht zu verlieren. “Wir haben eine Rund-um-Betreuung eingeführt. Die Spieler müssen individuell beschäftigt werden und an Kleinigkeiten arbeiten. Etwas geht immer“, berichtete Prause. “Ich bin froh, wenn ich mal wieder bei einer WM mit Chinesen antreten kann“, sagte Boll.

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