Greipel gewinnt sechste Tour-Etappe

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Andre Greipel

Montpellier - Der deutsche Radprofi Andre Greipel hat sich den Tagessieg auf der 6. Etappe der 100. Tour de France gesichert.

Andre Greipels Frust der ersten Tour-Tage war verflogen. Jubelnd lief der oft unterkühlt wirkende deutsche Top-Sprinter durch den Zielbereich der 6. Etappe der Tour de France in Montpellier und fiel jedem seiner Teamkollegen einzeln um den Hals. Dank einer herausragenden Mannschaftsleistung hat der gebürtige Rostocker am Donnerstag seinen ersten Sieg bei der 100. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt gefeiert - und den Bann der bislang so unglücklich verlaufenen ersten Woche gebrochen.

„Jeder hat gesehen, was für ein starkes Team wir haben. Sie unterstützen mich überall, ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft. Heute haben sie es wie aus dem Lehrbuch gemacht“, sagte Lotto-Profi Greipel, dessen Erfolg vom vielleicht stärksten Sprintzug der Welt maßgeblich vorbereitet worden war. Knapp vier Stunden hielten sich die Fahrer zurück und absolvierten das 176,5 km lange Überführungsteilstück von Aix-en-Provence nach Montpellier weitgehend geschlossen.

Im Finale, das in einem klassischen „Sprint Royale“ mündete, war es mit der Genügsamkeit vorbei. Greipel, Peter Sagan, Marcel Kittel und auch der Brite Mark Cavendish, der rund 30 km vor dem Ziel gestürzt war und sich ins Hauptfeld zurückarbeiten musste, kämpften verbissen um den Sieg. Gegen Greipels Team war die versammelte Sprintelite jedoch machtlos.

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„Wir wussten, dass wir stark sind. Das Finale hat heute perfekt geklappt. Es ging zum Ziel ein Stück hoch, das war gut für Andre. Wenn uns keiner vor die Karre fährt, dann sind wir schwer zu schlagen“, sagte Greipels Mannschaftskollege und Kumpel Marcel Sieberg, der den vierten Platz und die mäßige Arbeit am Vortag auch auf seine Kappe genommen hatte. „Es ist eine Erleichterung. In der Tour werden kleine Fehler wie gestern sofort bestraft, heute waren wir umso mehr motiviert“, sagte Greipel.

Der 30-Jährige machte mit seinem Erfolg auch den enttäuschenden Tour-Auftakt ein Stück weit vergessen. Bei der ersten Etappe war er mit Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin kollidiert und konnte im Anschluss wegen eines Defekts nicht in den Massensprint eingreifen - die Chance auf das Gelbe Trikot war dahin.

Marcel Kittel, der nach seinem Sieg zum Auftakt einen Tag im Gelben Trikot verbracht hatte, haderte mit seinem Abschneiden. „Ich bin hier, um zu gewinnen, nicht um Dritter zu werden. Ich war da und trotzdem nicht ganz vorne, das wurmt mich sehr“, sagte der 25-Jährige, der seinem Ärger zuvor am Argos-Teambus richtig Luft gemacht hatte.

In das „Maillot jaune“ schlüpfte am Donnerstag Daryl Impey aus Südafrika. Der 28-Jährige ist damit der erste Fahrer vom „Schwarzen Kontinent“ der bei der Großen Schleife das Gesamtklassement anführt. „Ich habe Südafrika auf der Radsport-Karte verewigt“, sagte Impey, der Gelb von seinem Orica-Teamkollegen Simon Gerrans (Australien) übernahm. Dieser engagierte sich in der Sprintvorbereitung, ließ sich rechtzeitig zurückfallen und ermöglichte Impey selbstlos das historische Ergebnis. Impey: „Das zeigt, was für ein großer Champion Simon ist. Ich bin sehr, sehr dankbar.“

Getrübt wurde Greipels Erfolg vom Ausfall seines Kapitäns Jürgen Van den Broeck. Der 30-jährige Belgier musste das Rennen vor dem Start der 6. Etappe aus Verletzungsgründen beenden. Der Gesamtvierte von 2012 zog sich bei einem Massensturz am Mittwoch kurz vor dem Ziel in Marseille eine ernsthafte Knieverletzung zu, die eine weitere Teilnahme unmöglich machte. „Der Sieg ist natürlich super, auch Jürgen wird sich freuen können“, sagte Sieberg, und Greipel ergänzte: „Glück und Pech liegen oft sehr nah beisammen. Die Mannschaft hat gezeigt, welchen Charakter sie hat.“

Einen Rückschlag erlebte auch der Slowene Janez Brajkovic, der zwölf Kilometer vor dem Ziel stürzte und mehrere Minuten auf der Straße sitzenblieb. Der Astana-Kapitän beendete die Etappe mit Schmerzen und verlor einige Minuten auf die Konkurrenz.

Die erste Woche der 100. Tour de France endet am Freitag mit der letzten Überführungsetappe in Richtung der Pyrenäen. Über 205,5 km verläuft der Kurs von Montpellier nach Albi. Die Sprinter dürften sich im Kampf um das Grüne Trikot nochmals auszeichnen wollen, ehe es am Wochenende in das von ihnen ungeliebte Hochgebirge geht.

sid

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