„Wir brauchen Lösungen!“

Vertreter aus Sport und Politik diskutieren Auswirkungen der Coronakrise

Außenansicht der Wildeshauser Widukindhalle.
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Bevorstehende Öffnung: Die kreiseigene Widukindhalle in Wildeshausen kann ab Montag, 15. März, wieder zum Sport treiben genutzt werden.

Landkreis – Der Kreissportbund (KSB) hatte in der vergangenen Woche Alarm geschlagen. Nach seiner jüngsten Bestandserhebung verzeichneten die Sportvereine im Landkreis Oldenburg 2020 ein Minus von 1700 Mitgliedern gegenüber dem Vorjahr. Schlimmer noch als die damit einhergehenden finanziellen Einbußen bewerteten die Vereinsvorstände in Gesprächen mit KSB-Mitarbeitern die fehlenden Perspektiven. Denn in den bisherigen Bund-Länder-Runden zur Pandemiebekämpfung spielte der Amateursport kaum eine Rolle. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung.

Vor dem genannten Hintergrund diskutierten am Mittwochabend 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Sport über mögliche Wege aus der Krise. Gute Nachrichten übermittelte Carsten Harings. „Die kreiseigenen Hallen können ab kommenden Montag wieder von allen Sportvereinen benutzt werden“, erklärte der Landrat. Bereits seit Wochenbeginn stehen die Sporthallen und Außenplätze in fast allen Kommunen des Landkreises für Individualsport zur Verfügung. Eine Ausnahme bildet nach KSB-Angaben die Samtgemeinde Harpstedt, die ihre Sporthallen vorerst geschlossen lässt.

 Die Coronaverordnung kann nicht flexibel ausgelegt werden. Das ist geltendes Recht! Da gibt es keinen Ermessensspielraum!

Landrat Carsten Harings

Dirk Wintermann kritisierte, dass die Gemeinden und Vereine bislang „ihr eigenes Süppchen kochen“. Das sei nicht sehr prickelnd. „Dadurch verlieren wir die Akzeptanz bei den Mitgliedern“, meinte der Vorsitzende des TSV Großenkneten. Die Öffnung der gemeindeeigenen Hallen sei ein erster wichtiger Schritt, damit die Vereine Licht am Ende des Tunnels sehen.

Landrat Harings sagte zu, dass die Hallen auch bei einem Inzidenzwert von mehr als 100 geöffnet bleiben. In diesem Fall wäre jedoch nur Individualsport mit maximal zwei Personen aus zwei Haushalten möglich. Momentan liege der Wert im Landkreis Oldenburg recht stabil zwischen 40 und 50. „Wir haben alle mitgeholfen, dass die Zahlen so sind“, betonte der KSB-Vorsitzende Jörg Skatulla. Der Sport habe „kein Interesse, einen Hotspot auszulösen“.

Unter den genannten Voraussetzungen haben die Vereine nun zumindest etwas mehr Planungssicherheit. Weniger bürokratischen Aufwand wünschen sie sich bei der Kontaktdatenerfassung. „Es hemmt, wenn drei Viertel der Übungsstunde dafür draufgehen“, verdeutlichte KSB-Chef Skatulla. Um den administrativen Anteil zu reduzieren, würden viele Vereine gerne eine Kontaktverfolgungs-App wie „Staysio“ oder „Luca“ nutzen. „Wir sollten uns landesweit schnellstmöglich auf eine App verständigen“, regte Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke an. „Bitte keine Insellösungen!“, ergänzte sein Hatter Amtskollege Christian Pundt.

Dringenden Handlungsbedarf sieht KSB-Sportreferentin Inga Marbach im Schwimmsport, der vor einer „ganz besonderen Herausforderung“ stehe. Denn die Bäder müssen laut Coronaverordnung weiterhin geschlossen bleiben. Und selbst wenn sie geöffnet wären: „Mit maximal fünf Leuten aus zwei Haushalten muss ich in unserem Schwimmverein gar nicht erst anfangen“, ärgerte sich Marco Loewenstein. Der Vorsitzende des SV Ganderkesee 69 sprach von einem „schlechten Witz“. Auch die Schwimmausbildung ist aktuell nicht möglich. Torsten Groothoff von der DLRG-Ortsgruppe Hatten-Sandkrug appellierte an die Politik: „Wenn wir nicht baldmöglichst Rettungsschwimmer ausbilden, um die Sicherheit im Sommer in freien Gewässern sicherzustellen, sterben die Menschen nicht an Corona, sondern ertrinken.“ Harings versprach, dass er das Problem der Schwimmsicherheit „gerne nach oben transportieren“ wolle.

Sport ist aus meiner Sicht kein Infektionstreiber. Draußen infiziert sich niemand. Also lasst den Kindern und Jugendlichen den Sport.

Hattens Bürgermeister Christian Pundt

Skatulla schlug vor, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Kreisverwaltung, Kreissportbund und Vereinen zu bilden, um eine „einheitliche Informationslage im Landkreis herzustellen“. Harings signalisierte seine Unterstützung, ein solches Kompetenzteam aus der Taufe zu heben.

„Ich denke, du hast mitbekommen, dass uns im Sport einige Themen unterm Kessel brennen – wir brauchen Lösungen!“, wandte sich Skatulla abschließend an den Landrat. Aus diesem Grund soll es künftig regelmäßige Treffen von Sport und Politik geben. „Jetzt ist es wichtig, nach vorne zu schauen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Kräfte zu bündeln, schafft für alle Beteiligten die erforderlichen Freiräume, um situationsbedingt schnell und sicher handeln zu können“, forderte Skatulla.

Die Verfügungslage
Nach der aktuell gültigen und bis zum 28 . März befristeten Coronaverordnung des Landes Niedersachsen ist bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 100 derzeit Kontaktsport mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten in den Hallen und auf Außenanlagen erlaubt. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre dürfen in einer festen Gruppe von maximal 20 Personen mit zwei Betreuern draußen Sport treiben.

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