Beim VfL Wildeshausen gibt es kurz vor dem Saisonstart keine klare Nummer eins

Willers und Förster auf Augenhöhe

Pushen sich im Training gegenseitig: die Wildeshauser Torhüter Sören Willers (l.) und Miguel Förster.
+
Pushen sich im Training gegenseitig: die Wildeshauser Torhüter Sören Willers (l.) und Miguel Förster.

Wildeshausen – Geht es nach der Trikotnummer, liegen die Dinge klar: Sören Willers ist die neue Nummer eins des VfL Wildeshausen. Das heißt aber noch lange nicht, dass der 20-Jährige beim Saisonauftakt das Tor des Fußball-Landesligisten hüten wird. Denn Willers hat einen starken Konkurrenten. Miguel Förster, der die 22 des langjährigen VfL-Kapitäns Sebastian Pundsack geerbt hat, könnte im Heimspiel gegen Aufsteiger SV Sparta Werlte (Sonntag, 6. September, 15 Uhr) ebenso gut für die Krandel-Kicker zwischen den Pfosten stehen. Der Delmenhorster ist sogar noch ein Jahr jünger als sein Konkurrent Willers.

Bisher standen die Wildeshauser Keeper für geballte Routine. Doch nach der vergangenen Saison verabschiedeten sich Pundsack (34), David Lohmann (31) und Felix Dittrich (30) alle auf einen Schlag. Pundsack und Dittrich haben ihre aktive Laufbahn beendet, Lohmann ist inzwischen Torwarttrainer beim JFV Delmenhorst. In die Fußstapfen des erfahrenen Trios treten nun die beiden Youngster Willers und Förster. „Das ist definitiv nicht ohne Risiko“, räumt VfL-Torwarttrainer Eike Bothe ein. Schließlich nimmt der letzte Mann im Team eine Schlüsselposition ein.

Willers kommt vom Kreisligisten TSV Großenkneten. Dort war er Stammtorhüter. Seine fußballerische Grundausbildung erhielt er aber auch auf gehobenem Niveau beim SV Werder Bremen und BV Cloppenburg, wo er mit VfL-Verteidiger Mika Ostendorf zusammenspielte. „Die Chance, in der Landesliga zu spielen, möchte ich gerne mitnehmen“, sagt Willers. Er spüre das Vertrauen von VfL-Coach Marcel Bragula, der ihm den Erwartungsdruck „ganz gut genommen“ habe.

Förster, der einst beim TV Jahn Delmenhorst mit dem Kicken begann, wechselte aus Werders Nachwuchsabteilung in die Kreisstadt. Wegen eines Kreuzbandrisses im rechten Knie – es war bereits der zweite in seiner noch jungen Karriere – hatte er zuletzt anderthalb Jahre pausieren müssen. Beim VfL Wildeshausen will er nun wieder angreifen. „Wichtig ist, dass ich mich wohlfühle. Der Verein ist sehr familiär, aber auch das Leistungsniveau stimmt“, sagt Förster.

Bothes Aufgabe ist es, die beiden talentierten Schlussmänner für die Landesliga fitzumachen. „Wir haben fünf Wochen durchtrainiert und gar keine Sommerpause gemacht“, berichtet der 38-Jährige. Obwohl die Schatten der Vorgänger recht lang seien, hat Bothe keinerlei Sorgen, dass der VfL Wildeshausen ein Torwartproblem bekommen könnte. Die Leistungen in den bisherigen Testspielen stützen seine Einschätzung, obwohl Willers und Förster ganz unterschiedliche Spielertypen sind. „Allerdings haben beide ihr Handwerk von der Pike auf gelernt.“

Auf der Linie

„Miguel hat unglaubliche Reflexe. Er hält unmögliche Sachen und ähnelt vom Stil her Manuel Neuer, der wie ein Handballtorwart die Arme hochreißt. Sören ist eher der konservative Typ wie Sebastian Pundsack und Felix Dittrich. Aber auch er ist gut auf der Linie“, erläutert Bothe. Vorteil Förster.

Strafraumbeherrschung

„Hier hat Sören ein kleines Plus. Er ist weniger hektisch. Miguel ist unfassbar schnell und unterläuft deshalb auch schon mal einen Ball“, schildert Bothe. Vorteil Willers.

Rauslaufen

„Beim Rauslaufen sind beide absolut gleichwertig“, findet Bothe. Unentschieden.

Mitspielen

„Auch hier läuft es auf ein Unentschieden raus“, meint Bothe. Während Förster Rechtsfuß ist, ist bei Willers der Linke stärker. „Darauf muss sich die Mannschaft einstellen, aber das ist nicht kriegsentscheidend. Im Endeffekt können beide mit dem Ball umgehen und saubere Pässe hinten rausspielen“, erläutert Bothe. Sowohl Willers als auch Förster müssten sich aber noch an das Tempo in der Landesliga gewöhnen. „In der Kreisliga geht es erheblich langsamer zu“, bestätigt Willers. Unentschieden.

Coaching

„Miguel ist sehr kommunikativ, redet sehr viel und gibt klare Anweisungen“, sagt Bothe. „Ich muss aber noch genauer, gezielter werden“, meint Förster selbstkritisch. „Sören ist ruhiger und konzentriert sich auf sein Spiel. Es muss sich zeigen, was für die Mannschaft besser ist“, analysiert Bothe. Vorteil Förster.

Fitness

„Durch seine Polizei-Ausbildung und weil er in der letzten Saison regelmäßig gespielt hat, hat Sören hier ein kleines Plus. Miguel fehlt ein bisschen die Ausdauer“, sagt Bothe. „Ich merke schon, dass ich länger raus war“, gesteht Förster. Doch Bothe macht ihm Mut: „Miguel arbeitet super und wird schnell rankommen.“ Trotzdem: Vorteil Willers.

Ausstrahlung

„Sie kriegen bei mir beide keinen Modelvertrag“, scherzt Bothe. Gleichwohl bezeichnet er die Keeper als „Glücksgriffe“ für den Verein. Charakterlich würden Willers und Förster jedenfalls sehr gut in die Mannschaft passen. „Beide haben sich schnell integriert, sind klar im Kopf und sehr höflich. Im Training sind sie eher Partner als Konkurrenten und feuern sich gegenseitig an – das macht das Arbeiten effektiver“, freut sich Bothe. Unentschieden.

Knapp zwei Wochen bleiben VfL-Coach Bragula noch, um sich zwischen den beiden Torhütern zu entscheiden. Bis dahin können Willers und Förster im Training und in den zwei verbleibenden Testspielen gegen die Bezirksligisten TuS Sudweyhe (Mittwoch, 26. August, 19 Uhr) und VfL Stenum (Sonntag, 30. August, 14 Uhr) noch Werbung in eigener Sache machen. Einen Fingerzeig, wer die Nase vorn hat, könnte dann die Pokalpartie beim TV Dötlingen geben (Mittwoch, 2. September, 18 Uhr).

„Ich möchte nicht in Marcels Haut stecken. Aktuell gibt es keine klare Nummer eins. Zwischen Sören und Miguel liegen nur kleine Nuancen“, sagt Bothe. Somit dürfte es auch auf sein Urteil ankommen. Selbst wenn Chefcoach Bragula „kein Freund der Rotation“ ist, könnte es letztlich darauf hinauslaufen, dass sich Willers und Förster zwischen den Pfosten abwechseln.

Von Sven Marquart

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

So geht Brot auf Europäisch

So geht Brot auf Europäisch

Unter Strom könnte der Volvo XC40 richtig durchstarten

Unter Strom könnte der Volvo XC40 richtig durchstarten

Meistgelesene Artikel

Mindestens weitere 14 Tage kein Fußball im Kreis

Mindestens weitere 14 Tage kein Fußball im Kreis

Mindestens weitere 14 Tage kein Fußball im Kreis
Bezirk berät morgen über Absage

Bezirk berät morgen über Absage

Bezirk berät morgen über Absage
Weiter dank Goldners Geniestreich

Weiter dank Goldners Geniestreich

Weiter dank Goldners Geniestreich

Kommentare