Sechsfacher deutscher Mannschaftsmeister schaut bei der Elite genau hin

Darts-WM ist für Lars Erkelenz Pflichtprogramm

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Als sechsfacher deutscher Mannschaftsmeister schaut der Wildeshauser Lars Erkelenz bei der Darts-WM ganz genau hin. 

Wildeshausen - Von Sven Marquart. Seit einigen Tagen fliegen bei der Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace, dem Mekka des Dartsports, wieder die Pfeile. Das wichtigste Event im Turnierkalender der Professional Darts Corporation (PDC) erfreut sich nicht nur bei der feierwütigen und kostümierten Fanmeute im „Ally Pally“ großer Beliebtheit, sondern beschert auch den übertragenden Fernsehsendern und Streamingdiensten gute Einschaltquoten. In einem Wildeshauser Haushalt wird besonders genau hingeschaut, wie sich die Elite an der Scheibe schlägt.

Wer die Wohnung von Lars Erkelenz betritt, muss im Flur erstmal an einem riesigen Karton vorbei. Inhalt: selbstentworfene Meistershirts, die vom jüngsten Triumph des DC Vegesack künden. Mit sieben Titeln ist der Dartclub aus Bremen-Nord der deutsche Rekordmeister. Abgesehen vom ersten Erfolg im Jahr 2006, gehörte Lars Erkelenz jedes Mal zum Team. Die WM-Übertragung ist für ihn natürlich Pflichtprogramm. Wann immer es seine Zeit zulässt, schaltet der 36-Jährige den Bildschirm ein – und wirft nebenbei selbst ein paar Pfeile auf das Dartboard an seiner Wohnzimmerwand.

Allein die ersten beiden WM-Runden bieten dem Experten Gesprächsstoff ohne Ende. Vor allem das frühe Turnieraus des Weltranglistendritten „Snakebite“ Peter Wright gegen den Spanier Toni Alcinas verblüffte Lars Erkelenz. „Der Hammer! Dass Toni Alcinas gut drauf ist, wusste man ja. Aber irgendwie wirkte Peter Wright gedanklich nicht auf der Höhe“, wunderte sich der Wildeshauser nach dem ungefährdeten 3:1-Erfolg des Mallorquiners über den schottischen Paradiesvogel.

Nicht minder erstaunte ihn die Zweitrundenniederlage des fünffachen Weltmeisters Raymond van Barneveld gegen den litauischen WM-Debütanten Darius Labanauskas (2:3). „Sehr schade! Barney hatte zwar seine Chancen, hat sie aber nicht genutzt. Er war einfach zu schlecht auf die Doppel. Allerdings hat Labanauskas auch stark gespielt. Mir scheint es fast, als wäre Barney davon überrascht und beeindruckt gewesen“, sagt Lars Erkelenz.

In dem in diesem Jahr von 72 auf 96 Spieler aufgestockten Teilnehmerfeld standen in der Engländerin Lisa Ashton und der Russin Anastasia Dobromyslova diesmal auch zwei Frauen. Obwohl beide bereits in der ersten Runde die Segel streichen mussten, nötigten ihre Auftritte Lars Erkelenz eine Menge Respekt ab. „Ich finde es gut, dass Frauen mitmischen. Was Lisa Ashton gezeigt hat, war einsame Spitze“, meint der Huntestädter. Ashton spielte beim 1:3 gegen Jan Dekker einen vorzüglichen ersten Satz. „Ich habe auf dem Sofa getobt!“, berichtet Lars Erkelenz. Am Ende setzte sich der Niederländer noch relativ glatt durch. „Aber wenn er ab dem zweiten Satz nicht aggressiver gespielt hätte, hätte er eins auf die Mappe gekriegt“, ist Lars Erkelenz überzeugt.

Souveräner löste Ryan Joyce seine Erstrundenaufgabe gegen Anastasia Dobromyslova (3:0). „Anastasia konnte ihr Potenzial nur andeuten. Ich denke, dass sie sich selbst zu großen Druck gemacht hat. Joyce war bärenstark auf die Doppel und hatte auch vom Scoring her keine Probleme. Er hat zu Recht gewonnen“, betont Lars Erkelenz.

Von den vier gestarteten Deutschen sind bereits zwei auf der Strecke geblieben. Besonders bitter: Robert Marijanovic zog trotz einer 2:0-Satzführung gegen Richard North noch mit 2:3 den Kürzeren. „Das tat mit total leid! Robert hat so gut gespielt. Aber so ist das, wenn man nicht bis zum Ende voll durchzieht“, spricht Lars Erkelenz aus Erfahrung. Ebenfalls mit 2:3 musste sich Martin Schindler seinem Erstrundengegner Cody Harris geschlagen geben. „Martin ist ein lustiger Typ! Er hat sich einfach zu viel Druck gemacht und konnte sein Potenzial dadurch nicht auf die Bühne bringen“, erläutert Lars Erkelenz.

Doch die deutschen Dartfans hatten auch Anlass zur Freude. So zog Gabriel Clemens durch das lockere 3:0 über Aden Kirk in die zweite Runde ein. Lars Erkelenz kennt „Gaga“, so Clemens’ Kampfname, bereits seit vielen Jahren: „Aber ich habe ihn lange nicht mehr spielen sehen und war überrascht, wie gut er sich bei seinem WM-Debüt verkauft hat. Jetzt bin ich gespannt, was da noch kommt.“ An diesem Freitag trifft Clemens auf den Schotten John Henderson.

Bereits in Runde drei steht Max Hopp. Dort wartet auf die deutsche Nummer eins in der Abendsession am Sonnabend jedoch eine Herkulesaufgabe. Sein Gegner ist kein Geringerer als der zweifache Weltmeister und Weltranglistenerste Michael van Gerwen aus den Niederlanden. „Ich würde mir wünschen, dass Max gewinnt. Er ist ein feiner Typ, hat eine tolle Entwicklung hinter sich und ein richtig gutes Level erreicht. Trotzdem glaube ich, dass er gegen van Gerwen verlieren wird“, ist Lars Erkelenz sicher.

Schließlich zählt „Mighty Mike“ neben Gary Anderson zu seinen persönlichen WM-Favoriten. Aber auch Titelverteidiger Rob Cross hat der Huntestädter nach dessen beeindruckendem 3:1-Erfolg über Jeffrey De Zwaan wieder auf dem Zettel: „Rob hat eine relativ schlechte Saison gespielt. Aber wenn er weiter so ein Niveau abliefert, traue ich ihm das Halbfinale und sogar das Finale zu – zumal er eine gute Auslosung hat.“ Als Geheimtipp nennt Lars Erkelenz den Belgier Dimitri van den Bergh. Ganz besonders gönnen würde er es dem sympathischen Österreicher Mensur Suljovic: „Ein ganz feiner Mensch. Aber da müsste einiges zusammenlaufen.“

Doch ganz egal, wer am Neujahrstag das entscheidende Duell um die rund 20 Kilogramm schwere Sid-Waddell- Trophy und den mit 500 000 Pfund dotierten Siegerscheck bestreitet – für Lars Erkelenz ist der 1. Januar in jedem Fall ein Festtag: Er wird an diesem Tag 37 Jahre alt. Das Finale im „Ally Pally“ wird im Hause Erkelenz – natürlich – trotzdem geguckt. Im Gegensatz zu seinen Vegesacker Teamkollegen Andree Welge und Tomas „Shorty“ Seyler, die sogar schon als WM-Teilnehmer auf der Bühne standen, war Lars Erkelenz selbst noch nie in der legendären Arena. „Aber Lust hätte ich schon. Irgendwann werde ich sicher dorthin fahren.“

Vollwertiger Wildeshauser mit Talent an der Scheibe

Lars Erkelenz wurde am 1. Januar 1982 in Cuxhaven geboren. Seit 1991 lebt er im Landkreis Oldenburg und fühlt sich inzwischen als „vollwertiger Wildeshauser“. Dazu gehört natürlich auch die Mitgliedschaft in der Schützengilde. Zum Dartsport kam der kaufmännische Angestellte 2001 eher durch Zufall. Allerdings merkte er dann relativ schnell, „dass da ein bisschen Talent vorhanden ist“. Zunächst spielte er die elektronische Variante E-Dart, auch Soft-Tip genannt. Als Kapitän führte er das aus Wildeshauser und Goldenstedter Spielern bestehende Team „WiGo’s“, das sich später in 1. DSC Wittekind umbenannte, bis in die höchste Spielklasse des Hanseatischen Dart Sport Bundes. Im Jahr 2007 wechselte Lars Erkelenz zum Steeldart. Andreas Klittmann holte ihn zum DC Vegesack. Mit dem Nordbremer Club wurde der Huntestädter in der Saison 2008/2009 deutscher Mannschaftsmeister. Fünf weitere DM-Titel mit dem deutschen Rekordmeister folgten, der jüngste in diesem Jahr. Hinzu kommen für Lars Erkelenz DM-Triumphe an der Seite von Alex Patz in der Disziplin „Two Person“ sowie im „Triple Mix“ mit Kristina und Tomas Seyler. Im Jahr 2010 versuchte sich der Wildeshauser auf der Profi-Tour PDC Europe – mit eher mäßigem Erfolg. „Das ist schon hart! Da muss man vom Anfang bis zum Ende sein bestes Niveau zeigen. Jeder Fehler wird sofort bestraft“, erzählt Lars Erkelenz. Zu seinen besten Zeiten spielte er an sechs Tagen pro Woche Darts. Abgesehen von den Bundesliga-Partien mit dem DC Vegesack steht der Familienvater aktuell eher selten am Board – Priorität genießen Töchterchen Lena (5) und Ehefrau Kristina. Dafür kickt er seit etwa einem Jahr beim VfL Wildeshausen III in der 3. Kreisklasse. „Da habe ich aber nicht so viel Talent wie beim Darts“, sagt Lars Erkelenz. Das perfekte Spiel, der Neundarter, ist ihm bislang noch nicht gelungen. Elf Pfeile, um die 501 Punkte auf null zu bringen, sind aber auch nicht so übel. 

- mar

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