„Wenn wir den Pott holen, ist Ausnahmezustand“

Eine Szene aus dem Halbfinale: Der SV Atlas Delmenhorst um Tom Schmidt (l.) behauptete sich mit 6:5 (0:0) nach Elfmeterschießen gegen den 1. FC Wunstorf. Schmidt verwandelte seinen Versuch zum 3:3. Foto: Richter

Der Wildeshauser Tom Schmidt betritt am Sonnabend um 14.15 Uhr mit dem SV Atlas Delmenhorst die große Fußballbühne. Im Endspiel des Niedersachsenpokals treffen die Blau-Gelben auf ihren Oberliga-Rivalen TuS Bersenbrück. Mehr als 2000 Fans werden im hannoverschen Eilenriedestadion erwartet, ein Großteil davon aus Delmenhorst. Zudem dürfte ein Millionenpublikum vor den Fernsehern zuschauen: Die ARD überträgt die Partie im Rahmen des „Finaltags der Amateure“ live in ihrer Landespokal-Konferenz.

VON SVEN MARQUART

Herr Schmidt, Sie haben mit dem SV Atlas Delmenhorst die Chance, eine turbulente Saison doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss zu führen. Was überwiegt: Vorfreude oder Anspannung?

Ganz klar die Vorfreude auf ein richtig geiles Spiel! Aber natürlich sind wir auch angespannt, weil die Partie enorm wichtig für den Verein ist.

Dabei ging die Saison ganz gut los. Doch trotz Tabellenplatz vier und dem Einzug ins Pokalhalbfinale musste der langjährige Erfolgscoach Jürgen Hahn drei Spiele vor der Winterpause gehen. Viele Außenstehende konnten die Trennung nicht nachvollziehen. Wie überrascht waren Sie davon?

Im ersten Moment war ich schon überrascht. Der Vorstand hat uns die Gründe erläutert, und dann ging’s auch schon weiter.

Im Dezember übernahm dann Olaf Blancke den Trainerposten. Warum lief es unter ihm dann so gar nicht mehr rund?

Wenn wir das wüssten! Das ist einfach unerklärlich. Irgendwie hat alles nicht mehr gepasst. Wir sind in einen Negativlauf geraten und haben immer weiter an Selbstvertrauen verloren. Trotz gelegentlicher Erfolgserlebnisse sind wir da nicht mehr rausgekommen.

Am Ende hatte Atlas gerade einmal vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. War der Klassenerhalt ernsthaft in Gefahr?

Wir waren schon unten mit dabei. Allerdings wussten wir, dass wir ganz viel Qualität in der Mannschaft haben. Alle waren überzeugt, dass wir es schaffen. Dafür mussten wir aber einiges investieren und richtig kämpfen. Trotzdem ist keiner zufrieden, weil wir andere Ansprüche an uns haben.

Olaf Blancke musste vor den beiden letzten Oberliga-Spielen gehen. Unter den Interimstrainern Daniel von Seggern und Marco Büsing setzte es beim 1. FC Wunstorf und gegen den Heeslinger SC jeweils 0:1-Niederlagen. Das macht nicht eben Mut für das Pokalfinale . . .

Ich glaube nicht, dass uns das beeinflusst. Ein Pokalfinale hat eigene Gesetze. Jetzt heißt es, alles reinzuwerfen, was man hat – da gibt es keine Ausreden.

Sie selbst haben in dieser Saison 25 von 30 möglichen Oberliga-Spielen bestritten, dabei fünf Treffer erzielt und kommen im Team auf die neuntmeisten Einsatzminuten. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Die Hinrunde war schon zufriedenstellend, weil ich es auf Anhieb geschafft habe, in einem neuen Verein einen Stammplatz zu ergattern. Zu Beginn der Rückrunde habe ich wegen einer Zerrung im linken Oberschenkel und Sprunggelenksproblemen ein paar Spiele verpasst. Fünf Tore sind für einen Mittelfeldspieler ganz okay, aber man will natürlich immer mehr.

Atlas hat in der Liga beim Endspielgegner TuS Bersenbrück mit 2:1 gewonnen und zuhause ein 2:2 geholt. In der Abschlusstabelle ist Bersenbrück als Fünfter deutlich besser platziert als Atlas auf Rang zehn. Wer ist Favorit, wer Außenseiter?

Wenn man der Tabelle folgt, ist Bersenbrück schon Favorit. Die spielen ein tolles 4-4-2 und sind spielerisch stark. Aber wir sind kein Underdog und werden uns nicht verstecken. Zudem begleiten uns viele Fans, so dass wir praktisch ein Heimspiel haben – deshalb sehe ich gute Chancen für uns.

Im Rahmen des Media Day haben Ihre Teamkollegen Florian Urbainski und Kevin Radke das Finale gegen zwei Akteure aus Bersenbrück schon mal an der Konsole gespielt und mit 5:4 nach Elfmeterschießen gewonnen. Ein gutes Omen?

Wenn man das so sehen will, kann man das so sehen. Das war eine nette Geschichte am Rande. Am Ende zählt aber nur, was auf dem Platz passiert.

Zum Pokalfinale werden mehr als 2000 Fans erwartet. Hinzu kommt ein Millionenpublikum vor den Fernsehern. Atlas hat mit durchschnittlich 700 Besuchern pro Partie den höchsten Zuschauerschnitt der Oberliga und ist eine große Kulisse gewohnt. Ist das ein Vorteil?

Das ist sicher hilfreich. Vor allem ist es aber gut zu wissen, dass es unsere eigenen Fans sind.

Der NFV-Pokalsieger qualifiziert sich für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals 2019/2020. Angenommen, Atlas ist im Lostopf: Welcher Club wäre Ihr Wunschgegner?

Auf jeden Fall ein Erstligist wie Werder Bremen oder Bayern München! Bayern ist eine internationale Marke – sich einmal gegen so eine Mannschaft beweisen zu können, wäre krass. Die Stadt Delmenhorst und der SV Atlas hätten es verdient. Es wäre geil für den Verein, einmal so in den Fokus zu rücken.

Wären Sie dann als Atlas-Spieler dabei oder wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus?

Da ich zunächst für zwei Jahre beim SV Atlas unterschrieben habe, wäre ich dabei.

Es ist bekannt, dass der SV Atlas Erfolge zu feiern versteht. Was ist für den Fall des Pokalsiegs geplant?

Wenn wir den Pott holen, ist Ausnahmezustand angesagt! Zunächst in Hannover, dann geht’s nach Delmenhorst. Ich denke, die Vereinsgaststätte Jan Harpstedt wird brennen!

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