Weitsprung-Olympiasiegerin erwirbt Sportabzeichen in Großenkneten: „Das schreibe ich mir auf die Autogrammkarte“

Gold für Drechsler, Scholz in der Warteschleife

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Nach den einzelnen Disziplinen bat Sportjournalist Manfred Scholz Heike Drechsler zur Analyse vor die Kamera.

Grossenkneten - Von Sven Marquart. Am Ende ging es ans Eingemachte: 3000 Meter Ausdauerlauf standen als letzte Disziplin auf dem Programm. „Siebeneinhalb Runden? Das ist ja furchtbar!“, stöhnte Heike Drechsler. Die zweifache Weitsprung-Olympiasiegerin war gestern in der Energie-Concept-Arena angetreten, um das Sportabzeichen zu erwerben. Die Idee dazu entstand in einem Gespräch mit demGroßenkneter Sportjournalisten Manfred Scholz, der gemeinsam mit ihr auf Zeiten- und Weitenjagd ging.

„Ich habe lange Sportschießen betrieben. Außerdem habe ich mit zehn mal Fußball gespielt und mit elf wieder aufgehört, weil ich immer ins Tor musste“, berichtete Scholz. Nicht eben ideale Voraussetzungen. Deshalb hatte der „Lokalmatador“ in dieser Woche sogar „sporadisch trainiert“. Während andere den WM-Auftaktsieg der deutschen Fußballnationalmannschaft über Portugal feierten, quälte sich der 50-Jährige auf der „Kneter“ Tartanbahn. „Man muss halt Prioritäten setzen“, erklärte Scholz grinsend. Allerdings zahlte sich die Übungseinheit aus: Mit 1,95 Metern im Standweitsprung konnte er bei den Disziplinen im Bereich Kraft bereits am Montag einen Haken machen.

Bei einsetzendem Regen absolvierten Manfred Scholz und Heike Drechsler gestern zunächst einmal ein Aufwärmprogramm. 16 Zehntklässler aus dem Sport-P5-Kursus des Ahlhorner Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und eine handvoll weiterer Sportabzeichenbewerber leisteten den beiden Protagonisten dabei Gesellschaft.

Dann wurde es ernst. Über 50 Meter sah Manfred Scholz (8,8 Sekunden) erwartungsgemäß nur die Hacken von Heike Drechsler (7,6). Denn die immer noch voll durchtrainiert wirkende 49-Jährige war während ihrer aktiven Laufbahn auch eine prima Sprinterin. Ihre 100-Meter-Bestzeit steht bei 10,91 Sekunden.

Während Scholz im Bereich Koordination Seilspringen wählte und die Gold-Anforderungen mit 20 Wiederholungen erfüllte, entschied sich Heike Drechsler – natürlich – für ihre Paradedisziplin. Im Weitsprung hatte sie 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney olympisches Gold geholt, und noch heute hält die gebürtige Geraerin mit 7,48 Metern den deutschen Rekord. Daran gemessen, fiel ihr 4,12-Meter-Hüpfer gestern bescheiden aus, auch wenn sie bereits mit 3,50 Metern im Goldbereich gelandet wäre. „Ich bin ein bisschen eingerostet. Die Bewegungsabläufe sind nicht mehr so locker. Außerdem hatte ich Schiss, weil die Bahn durch den Regen so glatt war“, sagte Heike Drechsler.

Anschließend war Kugelstoßen an der Reihe. „Ihr könnt ruhig näher rankommen“, rief Manfred Scholz den Fotografen zu, die sich in respektvollem Abstand zum Ring postiert hatten. Und er hatte Recht: Das sechs Kilogramm schwere Sportgerät plumpste schon nach 6,62 Metern zu Boden. Heike Drechsler wuppte die Vier-Kilo-Frauenkugel unter den bewundernden Blicken von Detlev Lauhöfer locker auf 10,87 Meter. Der Vorsitzende des TSV Großenkneten machte ebenfalls mit und hatte als konditionsstarker Radfahrer die Ausdauerdisziplin bereits beim Zehn-Meilen-Lauf seines Vereins erfüllt. „Was mir Sorgen bereitet, sind die Bereiche Koordination und Kraft“, sagte der 54-Jährige.

Den abschließenden 3000-Meter-Lauf schenkte sich Manfred Scholz. Er bevorzugt als Ausdauerübung 400 Meter schwimmen. „Das werde ich in den nächsten ein bis zwei Wochen in Wardenburg erledigen“, kündigte er an.

Vom Startschuss weg lief Udo Menkens ein einsames Rennen. Der Langstreckler vom TSV Großenkneten überrundete nach fünf Umläufen sogar Heike Drechsler und kam nach 12:18 Minuten ins Ziel. „Dafür, dass ich gerade erst eine Knie-OP hinter mir habe, ist das eine relativ gute Zeit – ich bin selbst überrascht“, sagte Menkens.

Für Heike Drechsler blieb die Stoppuhr nach 15:27 Minuten stehen. Dieter Kapust genügte ein kurzer Blick aufs Klemmbrett, um zu wissen: Die frühere Top-Athletin hatte alle Anforderungen für das goldene Sportabzeichen erfüllt. Anschließend überreichte ihr der Sportabzeichen-Beauftragte des Wardenburger TV die Urkunde.

Während Dieter Kapust bereits 2012 die 30. Wiederholung absolvierte, ist es für Heike Drechsler das erste Sportabzeichen. „Das werde ich mir auf die Autogrammkarte schreiben“, sagte sie und lachte. Natürlich hatte sie sich die güldene Variante zum Ziel gesetzt: „Alles darunter wäre schon eine Enttäuschung gewesen.“

Auch Manfred Scholz steuert mit seinen bisherigen Resultaten auf Goldkurs. Wegen des ausstehenden Schwimmens befindet er sich allerdings in der Warteschleife. Trotzdem ist der Sportchef eines Oldenburger Lokalsenders offensichtlich angefixt. „Nächstes Jahr dann die zweite Runde?“, fragte er seine Mitstreiterin vor laufender Kamera. „Ich bin dabei, auf alle Fälle!“, entgegnete Heike Drechsler spontan.

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