Ein normaler Marathon reicht nicht mehr: Der Wildeshauser Fritz Rietkötter stürzt sich von einem Extrem ins nächste

So weit die Füße tragen

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Er läuft und läuft und läuft: Vor neun Jahren entdeckte der Wildeshauser Fritz Rietkötter (2.v.l.) seine Laufbegeisterung.

Wildeshausen - Von Daniel WiechertWILDESHAUSEN/HAMBURG · Der aufrechte Gang wurde einst zum Wesensmerkmal des Homo sapiens. Diese Fortbewegungsgabe zeichnet den Menschen aus. Sie ist natürlich. Was liegt da näher, als diese Fähigkeit in einem naturnahen Umfeld auszuüben? Genau dies machen Läufer bei einem „Lost Places Marathon“. Auch der Wildeshauser Fritz Rietkötter hat diese Wettkämpfe für sich entdeckt.

15 Runden à 2,759 Kilometer plus eine Pendelstrecke, um auf die marathonüblichen 42,195 Kilometer zu kommen, brachte der 46-Jährige jetzt im Hamburger Petroleumhafen hinter sich. „Dabei ging es teilweise ganz schön rumpelig zu. Ein großer Teil der Strecke führte über Kopfsteinpflaster, und dann gab es auch einen Trampelpfad mit mächtig großen Brennnesseln“, beschreibt Rietkötter sein Marathon-Erlebnis der etwas anderen Art.

Christian Hottas ist der Veranstalter dieses „Leuchtfeuer Bubendey-Ufer Marathons“. Er hat schon einige dieser Rennen auf die Beine gestellt. Dabei sind es immer „Orte, die in irgendeiner Weise ‚verloren‘ gegangen sind, die ihre Funktion verloren haben, die beispielsweise nur noch eine begrenzte Zeit zur Verfügung stehen und danach – in naher oder mittlerer Zukunft – nie wieder oder nicht weiter belaufbar sein werden“, heißt es in seinem Internetblog. So dienten die alte Weseler Rheinbrücke von 1953 oder das Elbwasser-Filtrierwerk Kaltehofe bereits als Kulisse für Hottas’ Laufveranstaltungen.

Als Rietkötter durch den Petroleumhafen lief, waren dort bereits Bauarbeiten im Gange. Das Gebiet „wird größtenteils abgerissen und zum Containerhafen, damit bald auch die ganz großen Kähne dort anlegen können“, erklärt der Wildeshauser. „Das Schöne an diesem Marathon war zweifelsfrei, neben der Ruhe und Abgeschiedenheit der Streckenführung, dass es immer wieder Gelegenheit gab, mit dem einen oder anderen Läufer einen Schnack zu halten, um schließlich wieder im eigenen Tempo die Strecke weiter anzugehen“, beschreibt der 46-jährige Vertriebsleiter.

Genau diese Regelmäßigkeit, bedingt durch den Rundkurs, kam Rietkötter entgegen. Denn er nutzte den „Lost Places“ auch für ein noch größeres Vorhaben: den Ultra-Marathon im slowenischen Celje. 75 Kilometer, stetig bergauf, insgesamt mehr als 800 Höhenmeter. Extrem eben.

Rietkötter hat in den vergangenen neun Jahren 42 Marathons hinter sich gebracht, also 1772 Kilometer per pedes zurückgelegt. „Für mich ist es trotzdem immer noch ein geiles Gefühl, nach den Strapazen ins Ziel zu kommen“, sagt er. Dieser Hallo-wach-Effekt auf der Zielkurve, wenn alle nochmal klatschen – das lässt ihn laufen.

Dabei fing alles harmlos an. Damals, vor neun Jahren, engagierte Rietkötter einen Personal Trainer. Sie gingen laufen und schnell purzelten die Pfunde. Der damals 37-Jährige verlor 16 Kilogramm und gewann dafür die Laufbegeisterung.

Mittlerweile ist für ihn der „normale“ Marathon schon fast ein Kinderspiel. Rietkötter absolviert auch sogenannte „Ultras“. Der längste ging über 160 Kilometer beim 24-Stunden-Lauf von Delmenhorst. Trotzdem: „Ich bin keiner von diesen Laufsüchtigen. Ich gehöre zu denjenigen, die auch mal zu McDonalds gehen oder gerne ein Bierchen trinken“, sagt er. Man glaubt es ihm – auch weil er ehrlicherweise hinzufügt: „Das Laufen ist nicht immer pure Freude, es tut auch mal ein bisschen weh. Aber ich kann das meistens genießen. Wenn ich in einer schönen Umgebung unterwegs bin, lasse ich die Seele auch mal baumeln.“ Dennoch ist Rietkötters Blick immer auch auf das Handgelenk gerichtet. „Die Pulsuhr sollte man schon im Auge behalten“, erläutert der Wildeshauser. Schließlich gelte es beim Laufen, seine Kräfte nicht zu schnell zu verschleißen.

Apropos Verschleiß: Sechs paar Laufschuhe wandern jährlich in Rietkötters Mülleimer. „Nach 700 bis 1000 Kilometern ist die Dämpfung durch. Auch wenn sie dann von außen meistens noch ganz gut aussehen.“ Es werden wohl noch einige Treter das Zeitliche segnen, bis Fritz Rietkötter am Ziel seiner Träume ist: ein Ultra-Marathon durch afrikanisches Wüstengebiet.

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