Wildeshauser Tischtennisspieler beendet nach 63 Jahren seine Wettkampfkarriere

Wachtendorf verabschiedet sich mit Ausrufezeichen

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Seinen Tischtennisschläger packt Manfred Wachtendorf ab sofort nur noch montags und donnerstags zum Training ein. ·

Wildeshausen - Von Sven MarquartWenn Manfred Wachtendorf (77) und Georg Reimers (66) mit dem VfL Wildeshausen IV in der 1. Tischtennis-Kreisklasse zu den Punktspielen antraten, kam aus den Reihen des Gegners nicht selten ein lautes Stöhnen: „Ach du Schande: Sind die beiden Alten immer noch dabei!?“, hieß es dann oft.

„Wir waren das älteste Doppel der Klasse, aber haben die meisten Spiele gewonnen“, sagt Manfred Wachtendorf und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Doch jetzt ist die Konkurrenz „erlöst“: Zum Ende der Hinrunde hat sich der Linkshänder aus dem Punktspielbetrieb zurückgezogen – nach 63 Jahren.

Während sich Kinder und Jugendliche heute bei der Unmenge an Freizeitangeboten kaum entscheiden können, war die Palette kurz nach dem Zweiten Weltkrieg überschaubar. „Damals gab es nicht viel: entweder Tischtennis oder Fußball“, erinnert sich Manfred Wachtendorf. Zunächst jagte der gebürtige Monschauer sowohl dem großen Leder- als auch dem kleinen Zelluloidball hinterher. „Aber dann hat Alfons Bothe, der Vorsitzende der Tischtennisabteilung gesagt: ,Beides geht nicht!‘“, berichtet Wachtendorf. Er entschied sich für das Rückschlagspiel, obwohl er auch als Mittelstürmer nicht untalentiert war.

Einen ganzen Stapel Urkunden hat Manfred Wachtendorf seit 1950 gesammelt. Sein größter Erfolg war der Sieg beim Bezirkseröffnungsturnier in Delmenhorst (Herren-Einzel, B-Klasse) 1953. Außerdem erreichte der dreimalige Wildeshauser Stadtmeister (1973, 1975, 1979) bei einem Turnier in Sulingen das Endspiel, wo er dem Hamburger Meister knapp mit 1:2 unterlag.

Aus der Jugend wechselte Manfred Wachtendorf 1953 zu den Herren. Damals spielte der VfL Wildeshausen in der Verbandsliga. „Es gab kaum Autos. Entweder sind wir mit dem Zug gefahren oder haben uns einen kleinen Lastwagen geliehen, Stühle auf die Ladefläche gestellt und eine Plane darüber gehängt“, erzählt Wachtendorf von den Auswärtsreisen.

Gut 20 Jahre war der ehemalige kaufmännische Angestellte für die erste Mannschaft seines Vereins aktiv, später für das zweite und das dritte Team. Zuletzt ist er etwa zehn Jahre für die Vierte am Ball gewesen. Immer war Manfred Wachtendorf mit großem Ehrgeiz bei der Sache, ständig bestrebt, das Bestmögliche herauszuholen. „Zuletzt habe ich mich oft geärgert, weil so viele gefehlt haben“, sagt er. Deshalb musste er auch immer wieder im Einzel ran, obwohl er eigentlich nur noch Doppel spielen wollte. „13, 14 Sätze halte ich nicht mehr durch, außerdem kann ich nicht mehr so gut gucken“, erläutert Wachtendorf.

Bevor er sich verabschiedete, setzte er aber noch ein Ausrufezeichen: Zum Hinrundenende trug der 77-Jährige mit Einzelsiegen gegen Frank Prockl (3:1) und Alexander Wreden (3:1) entscheidend zum 9:6-Erfolg über die TSG Hatten-Sandkrug IV bei. Das änderte jedoch nichts daran, dass der VfL Wildeshausen IV weiterhin das Tabellenende ziert.

„Wer bis in dieses Alter noch Mannschaftssport betreiben kann – das ist schon genial“, schwärmt Helmut Rang. Der VfL-Tischtennisabteilungsleiter schätzt „Wachti“ besonders wegen dessen Humor und Verlässlichkeit. Auf Ratschläge und Witze des „Tischtennis-Rentners“ müssen Rang und seine Vereinskollegen aber auch in Zukunft nicht verzichten. „Ich werde montags und donnerstags weiterhin zum Training gehen – wenn man so lange gespielt hat, kann man nicht einfach aufhören“, kündigt Wachtendorf an.

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