Verbandspräsident Distelrath wehrt sich im Webinar gegen Vorwürfe

Viele Fragen an die NFV-Spitze

Virtueller Austausch: Rechts am Bildschirm laufen die Fragen der Vereine ein, die Justiziar Steffen Heyerhorst, Direktor Jan Baßler und Präsident Günter Distelrath (von links) während des Webinars beantworteten. Foto: Freese

Wildeshausen/Barsinghausen - Von Sven Marquart . Der Informationsbedarf war immens. Um zu erörtern, wie mit der momentan unterbrochenen Saison 2019/2020 umgegangen werden soll, hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) die rund 2600 Vereine zu zwei Webinaren eingeladen – eine Premiere in der Verbandsgeschichte. Zunächst waren die Clubs aus den Bezirken Braunschweig und Hannover an der Reihe, dann die Vereine aus den Bezirken Lüneburg und Weser-Ems. Während der beiden gut einstündigen Videokonferenzen stellten die Vereinsvertreter im Livechat insgesamt rund 400 Fragen an NFV-Präsident Günter Distelrath, Verbandsjustiziar Steffen Heyerhorst und NFV-Direktor Jan Baßler. Die meisten Fragen drehten sich erwartungsgemäß um die vier in der vergangenen Woche vom NFV-Vorstand diskutierten Varianten: Saisonabbruch mit oder ohne Absteiger, Annullierung oder Fortsetzung der aktuellen Spielzeit.

In seinem Eingangsstatement verwahrte sich Distelrath gegenüber den Vereinsvertretern aus den Bezirken Lüneburg und Weser-Ems gegen laut gewordene Vorwürfe, „der NFV versuche die Fortsetzungsvariante um jeden Preis im Rennen zu halten, was schlichtweg nicht richtig ist“. Da sich bei der Meinungsabfrage jedoch 30 Prozent der Clubs für eine Fortsetzung der Spielzeit ausgesprochen hätten, sei die Wahrscheinlichkeit nicht gerade klein, dass ein Verein während des außerordentlichen Verbandstages einen entsprechenden Antrag stelle. Mit dem Hinweis auf die Halbierung der für den Verbandstag erforderlichen Ladungsfrist von zehn auf fünf Wochen konterte Distelrath die Kritik, der NFV verschleppe den Entscheidungsprozess. Eindringlich appellierte der Verbandschef: „Lasst uns mit Vorwürfen Schluss machen und zum Wohl aller Vereine an einer Lösung arbeiten!“

Anschließend erläuterte Justiziar Heyerhorst die Vor- und Nachteile der vier möglichen Varianten. Die beiden Abbruchszenarien mit Auf- und Absteigern beziehungsweise mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger erfordern laut Heyerhorst ebenso einen Verbandstagsbeschluss wie eine Annullierung der Saison (keine Auf- und Absteiger). Das geht aus einem eigens für den NFV erstellten, 48-seitigen juristischen Gutachten hervor. Demnach kann die Saisonfortsetzung aber durch einen Verbandsvorstandsbeschluss eingeleitet werden. Die Annullierung sei der schwerste Eingriff in das Sport- und Ausschreibungsrecht. „Die Variante erscheint unverhältnismäßig und nicht ratsam“, hob Heyerhorst hervor.

Die Pro- und Kontra-Übersicht zu den einzelnen Szenarien hatte der NFV den Vereinen bereits im Vorfeld zugesandt. „Deshalb habe ich auch nichts substanziell Neues erfahren – das war schon ein wenig enttäuschend“, bedauerte Matthias Ruhle. Der stellvertretende Fußballabteilungsleiter des VfL Wildeshausen konnte während des Webinars sogar sein Fitnessprogramm absolvieren, ohne etwas Wichtiges zu verpassen.

War der VfL Wildeshausen anfangs noch für eine Saisonfortsetzung, hat sich die Meinung im Verein inzwischen geändert. „Wir würden für den Abbruch mit Auf- und Abstieg stimmen – das hätte die geringsten Auswirkungen auf die nachfolgenden Spieljahre“, erklärte Ruhle.

Sollte die Serie mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger abgebrochen werden, hätte das gravierende Konsequenzen für die erste Herrenmannschaft der Krandel-Kicker. In diesem Fall würde die Landesliga Weser-Ems in der Saison 2020/2021 mit 21 Teams spielen. Bei einer Sollstärke von 16 Mannschaften gebe es im Sommer 2021 mindestens zehn (!) Absteiger. „Wie soll das gehen?“, fragt auch Doris Klaassen vom Harpstedter TB: „Wenn die Staffeln so aufgebläht werden, wächst das Risiko, dass man die Spieltage nicht über die Bühne bekommt.“ Die jetzige Situation kommt für die HTB-Jugendwartin einem „Blick in die Glaskugel“ gleich: „So eine Geschichte haben wir noch nicht gehabt. Deshalb können wir auf keine Erfahrungen zurückgreifen.“

Diesen Punkt führte auch Baßler an. „So wie viele jetzt sagen, wir brauchen eine schnelle Entscheidung, sind wir aber auch auf Vereinsvertreter getroffen, die sagen, jetzt lasst uns aber mal ruhig bleiben. Planungssicherheit haben wir so oder so nicht, weil wir nämlich gar nicht wissen, wann wieder gespielt werden kann. Im Juni, im September oder gar erst im nächsten Jahr?“, sagte der NFV-Direktor. Im Chat beantwortete Baßler persönlich 168 Fragen, auf zwölf ging er dann auch noch vor der Videokamera ein.

Unter anderem wollte Claas Müller (SG Lühe) wissen, wie die Abstimmung während des Verbandstags genau gewertet wird. „Das Abstimmungsszenario ist in unserer Geschäftsordnung geregelt. Vorausgesetzt, dass diese Varianten als Anträge auf dem außerordentlichen Verbandstag zur Vorlage kommen, sieht die Ordnung vor, dass über die Anträge nacheinander abgestimmt wird. Beginnen müsste man mit dem am weitreichendsten Eingriff in unsere Satzungen und Ordnungen, nämlich der Annullierung der Saison. Damit dieser Antrag wirksam würde, bräuchte es 50,1 Prozent. Erreicht man diese nicht, würden wir über die nächste Variante abstimmen lassen. Die Fortsetzungsvariante hätte den kleinsten Eingriff zur Folge, so dass sie erst dann zur Abstimmung kommen würde, wenn keine der drei anderen Varianten eine Mehrheit erhält“, erläuterte Baßler.

Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun. „Für die Organisation eines erstmaligen virtuellen Verbandstages mit mehr als 300 Delegierten wird schlichtweg auch Zeit benötigt, um diesen technisch und rechtlich sicher hinsichtlich der verschiedenen Anträge vorzubereiten“, unterstrich Distelrath.

An diesem Mittwoch, 20. Mai, will die NFV-Spitze in einer Vorstandssitzung die Ergebnisse aus dem Webinar weiter vertiefen. Voraussichtlich am Freitag, 22. Mai, wird der außerordentliche Verbandstag einberufen. Als Termin ist Sonnabend, 27. Juni, geplant. Dann soll die Frage nach der Zukunft des niedersächsischen Amateurfußballs endlich final beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

So funktioniert das Indoor-Surfen

So funktioniert das Indoor-Surfen

Alltagsmasken und die Materialfrage

Alltagsmasken und die Materialfrage

Eistee eiskalt selbst gemacht

Eistee eiskalt selbst gemacht

Dinosaurier auf Zukunftskurs: Der Ford Explorer im Test

Dinosaurier auf Zukunftskurs: Der Ford Explorer im Test

Meistgelesene Artikel

Eze: Aus Chicago zum FC Hude

Eze: Aus Chicago zum FC Hude

Schindler setzt auf Bordmittel

Schindler setzt auf Bordmittel

Brinker will Landesliga splitten

Brinker will Landesliga splitten

Für Seibel schließt sich der Kreis

Für Seibel schließt sich der Kreis

Kommentare