Oberligist VfL Wildeshausen profitiert von Jakub Brys’ individueller Klasse

Verrückt nach Volleyball

Sportlerfamilie: Bei Jakub, Viktoria und Paulina Brys dreht sich eine ganze Menge um Volleyball.
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Sportlerfamilie: Bei Jakub, Viktoria und Paulina Brys dreht sich eine ganze Menge um Volleyball.

Wildeshausen – Zunächst war Frank Gravel schon ein wenig stutzig. Schließlich kommt es nicht so oft vor, dass sich Volleyballer dieser Güteklasse dem Oberligisten VfL Wildeshausen andienen. Von sich aus. Noch dazu, ohne finanzielle Forderungen zu stellen. Nachdem die anfängliche Skepsis verflogen war, willigte Spielertrainer Gravel ein und nahm Jakub Brys in sein Team auf. Eine gute Entscheidung: Bereits in den ersten beiden Heimspielen der aktuell unterbrochenen Saison stellte der 31-Jährige seine Klasse unter Beweis.

Allerdings hatte Brys im Auftaktmatch gegen den TV Baden II zunächst mit leichten Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. „Man hat sofort gesehen, dass ,Kuba‘ schon ambitionierter gespielt hat. Aber in den ersten beiden Sätzen hat er ein bisschen überdreht“, erinnert sich Gravel. Die Abschnitte gingen mit 17:25 und 15:25 verloren. Doch mit zunehmender Dauer steigerte sich der Diagonalspieler und brachte seine Qualitäten immer mehr zur Geltung. „Man hat gemerkt, dass ,Kuba‘ eine tierische Athletik und Sprungkraft hat“, erzählt Gravel. Obwohl Brys „nur“ 1,86 Meter misst, habe der Ex-Profi „richtig gute Möglichkeiten, trotzdem gegen den Block durchzukommen“, erläutert Gravel. Die Wildeshauser schafften den Satzausgleich, unterlagen aber letztlich im Tiebreak.

In der folgenden Partie gegen den amtierenden Vizemeister TuS Bersenbrück (3:1) drehte Brys dann richtig auf. „,Kuba‘ war eindeutig der Matchwinner“, lobt Gravel den Mann mit der Trikotnummer 1. Neben Erfahrung und Routine warf Linkshänder Brys auch seinen schnellen Armzug in die Waagschale. „Außerdem ist er sehr, sehr blockstark und hat Bersenbrücks Außenangreifer komplett rausgenommen“, erklärt Gravel. Dank Brys kann der Vorjahresfünfte in dieser Saison auch in einer 5-1-Formation auftreten. „Ich glaube nicht, dass wir im alten 4-2-System gegen Baden und Bersenbrück vier Punkte geholt hätten“, mutmaßt Gravel.

Mit diesen vier Zählern rangierte der VfL Wildeshausen zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung hinter dem TV Baden II (8) und der VSG Ammerland II (6) auf dem dritten Tabellenplatz. Jetzt, da der Spiel- und Trainingsbetrieb coronabedingt ausgesetzt ist, bleibt Jakub Brys und seiner Frau Paulina (36) mehr Zeit, sich um ihre zweijährige Tochter zu kümmern. Bevor die kleine Viktoria im September 2018 auf die Welt kam, drehte sich bei ihren Eltern fast alles um Volleyball.

„Ich habe schon in der Schule immer Volleyball gespielt“, erzählt Jakub Brys, der im polnischen Wroclaw (Breslau) geboren wurde. „Wie fast jeder habe ich auch mit Fußball angefangen. Dann bin ich zur Leichtathletik gegangen“, schildert der ehemalige 100-Meter-Sprinter seinen sportlichen Werdegang. Im Alter von 14 Jahren verschrieb er sich bei MKS „Olavia“ Olawa dann ganz dem Volleyball. „Volleyball ist ein Sport für kluge Menschen. Jeder kleinste Fehler bedeutet sofort einen Punktverlust. Man muss versuchen, mit Köpfchen zu spielen und nicht nur hart zu schlagen“, beschreibt Brys, was ihn an seiner Sportart fasziniert.

Das Talent des Gymnasiasten blieb nicht lange verborgen. „Nach zwei Jahren wurde ich für den Landeskader nominiert“, erwähnt Brys fast beiläufig. Er wechselte in die Nachwuchsabteilung des Erstligisten Gwardia Wroclaw. „Mit der Juniorenmannschaft haben wir in der U 18-Liga und gleichzeitig in der dritten Liga gespielt. Wir haben jeden Tag trainiert, und am Wochenende waren Spiele“, berichtet Brys.

Nach dem Abitur packte ihn und seine Freundin Paulina Gomulka die Abenteuerlust. „Wir hatten uns entschieden, ins Ausland zu gehen“, sagt Brys in perfektem Deutsch. Das volleyballverrückte Paar landete schließlich in Suhl. Paulina Gomulka, die mit der polnischen Juniorinnennationalmannschaft Europameisterin und zweimal WM-Dritte wurde, heuerte beim deutschen Pokalsieger VfB 91 Suhl an, ihr Partner beim Zweitligisten VC Gotha. „Ich war geschockt, weil wir nur viermal in der Woche trainiert haben“, sagt Brys und lacht.

Nach zwei Jahren in Suhl zogen sie weiter nach Hamburg, wo Paulina Gomulka fortan für den Erstligisten VT Aurubis schmetterte. Jakub Brys schloss sich dem Zweitligisten SVG Lüneburg an. „Wir waren ziemlich erfolgreich: zweimal Zweiter, einmal Vierter und einmal standen wir im Pokalviertelfinale“, zählt der 31-Jährige auf.

Durch Verletzungen gerieten ihre Karrieren dann ins Stocken. Beide mussten operiert werden, ihre Verträge wurden nicht verlängert. Deshalb mussten sie sich 2013 etwas Neues suchen. „Danuta Brinkmann hat Paulina dann zum VfL Oythe geholt“, sagt Brys. Er selbst wechselte zum Regionalligisten DJK Füchtel Vechta, den er als Spielertrainer in die dritte Liga führte. Bereits seit 2012 verheiratet, bauten Paulina und Jakub Brys 2016 in Goldenstedt ein Haus.

Vor der vergangenen Serie wollte es Brys sportlich nochmal wissen. „Ich wollte noch einmal höherklassig spielen“, begründet er seinen Wechsel zum Drittligisten VfL Lintorf. Als die Saison wegen der Pandemie für beendet erklärt wurde, war das Team aus dem Landkreis Osnabrück Tabellenletzter und musste absteigen. „Leider hatten wir gegen die schwächsten Gegner noch nicht gespielt“, bedauert Brys.

Aufgrund der langen Fahrtzeit beendete er sein Engagement in Lintorf. „Ich habe Paulina und Viktoria kaum gesehen – deshalb mussten wir was machen“, erläutert der Familienvater, der bei einem Metallbaubetrieb im Schichtdienst einen CC-Laser bedient. Eigentlich wollte er „immer Medizin studieren“. Schließlich arbeitete seine Mutter als Krankenschwester in der Neonatologie, sein Großvater war Facharzt für Psychiatrie.

Während Paulina Brys ihre aktive Volleyballlaufbahn inzwischen beendet hat, suchte sich ihr Gatte „einen Verein in der Nähe“. Dabei lag die Rückkehr zur DJK Füchtel eigentlich auf der Hand. „Aber ein polnischer Spruch sagt: Man geht nicht zweimal in denselben Fluss“, meint Jakub Brys und grinst. Also wurde er nicht am Vechtaer Moorbach, sondern – zur Überraschung von Spielertrainer Gravel – an der Hunte vorstellig.

„Der VfL Wildeshausen ist eine coole Truppe. Die Oberliga ist neu für mich. Als ich gehört habe, dass Baden und Bersenbrück zu den Topmannschaften gehören, war ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Jetzt bin ich gespannt, wie es weitergeht“, beschreibt Brys seine ersten Eindrücke. Nur eins vermisst er jetzt schon in der Realschulhalle an der Konradstraße, der Heimspielstätte seines neuen Vereins: „Schade, dass es keine Tribüne gibt. Schließlich spielt man auch für die Zuschauer.“

Von Sven Marquart

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