Brakes Lizius weckt die Wildeshauser Leidenschaft

VfL verliert Spitzenspiel nach hitziger Schlussphase mit 2:3

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Emotionen pur: VfL-Coach Marcel Bragula (3.v.r.) konnte in der 79. Minute nur mit Mühe zurückgehalten werden.

Wildeshausen - Von Sven Marquart. Sven Apostel und Sebastian Pundsack hatten jede Menge Redebedarf. Noch Minuten nach dem Abpfiff diskutierten der Co-Trainer und der Kapitän des Fußball-Bezirksligisten VfL Wildeshausen mit Schiedsrichter Henrik Bramlage und dessen Assistenten Lennard Dasenbrock und Paul Rehe. Währenddessen stimmten die Spieler des SV Brake die Humba an. Knapp, aber nicht unverdient, hatte sich der Tabellenführer aus der Wesermarsch im am Ende hitzigen Spitzenspiel mit 3:2 (2:0) beim Verfolger durchgesetzt.

Dabei hatte eine Viertelstunde vor Schluss nichts, aber auch gar nichts darauf hingedeutet, dass es noch einmal derart zur Sache gehen sollte. Die favorisierten Gäste waren ihrer Rolle bis dato gerecht geworden und beherrschten die seltsam emotionslos wirkenden Krandel-Kicker nach Belieben. Doch dann nutzte Wildeshausens Michael Eberle einen Stockfehler von Tanju Temin zum 1:3 (68.) und hatte wenig später sogar den Anschlusstreffer auf dem Fuß, verfehlte aber das leere Tor (71.).

„Wir schwimmen wie im Freibad“, stellte Brakes Ersatzspieler Fabian Strauss beim Warmmachen fest. Plötzlich lagen beim Klassenprimus die Nerven blank. Im Rücken von Schiedsrichter Bramlage (VfL Oythe) trat Patrick Lizius gegen Sascha Görke nach. Und als sich der VfL-Mittelfeldmann mit herausgestreckter Brust vor ihm aufbaute, ließ sich der Braker theatralisch fallen. Bei der folgenden Rudelbildung mischten auch VfL-Coach Marcel Bragula, Teammanager Helge Cordes und der verletzt zusehende Ole Lehmkuhl kräftig mit. Lautstark bezichtigte Bragula Verursache Lizius der Schauspielerei.

Referee schickt Bragula hinter die Bande

Bramlage, der vor rund drei Jahren das nervenaufreibende Bezirksliga-Finale zwischen dem VfL und dem SV Atlas souverän über die Bühne gebracht hatte, konnte die Situation nur mit Mühe beruhigen. Als sich die Wogen etwas geglättet hatten, zog der regionalligaerfahrene Referee Gelb für Görke und schickte Bragula hinter die Bande. Lizius kam ungeschoren davon. „Eigentlich müssen wir uns bei ihm bedanken, denn er hat uns ins Leben zurückgeholt“, sagte Apostel in seinem Fazit. Chefcoach Bragula war gleich nach Spielende in der Kabine verschwunden.

In der Schlussphase spielten die Platzherren dann mit jener Leidenschaft, die ihnen bis dahin völlig abgegangen war. „Wir wollten uns nicht noch verhöhnen lassen“, begründete Apostel. Spätestens als René Tramitzke einen Freistoß von Christoph Stolle zum 2:3 in die Maschen verlängerte, war die Partie wieder scharf (86.). In der Nachspielzeit hatte Sebastian Bröcker tatsächlich die Chance zum Ausgleich, doch sein Kopfball nach Flanke von Jannik Wallner strich knapp am Braker Tor vorbei (90.+1).

André Jaedtke trifft aus gut 40 Metern zum 1:0

„Dadurch ist der Frust natürlich noch größer“, meinte Apostel. Denn über weite Strecken liefen die Wildeshauser der Musik nur hinterher. Es waren noch keine drei Minuten gespielt, da hielt SVB-Torjäger André Jaedtke aus gut 40 Metern einfach mal drauf – und traf zum 1:0. Kurz darauf setzte Christopher Nickel die Kugel an den Pfosten (7.). Nach einem Eckstoß von Norman Preuß durfte Nico Westphal ungehindert Maß nehmen und köpfte zum 2:0 ein (27.). Einzige VfL-Möglichkeit in Hälfte eins war ein Tramitzke-Kopfball, der weit über den Querbalken strich (19.).

Obwohl Bragula nach dem Pausenpfiff jeden Spieler einzeln abklatschte und teilweise sogar umarmte, trat auch nach dem Seitenwechsel zunächst keine Besserung ein. Im Gegenteil. So verhinderte Pundsack gegen Lizius einen höheren Rückstand (48.). Dann wurde ein Schuss von Arkadius Wojcik nach Eckstoß Preuß ins Toraus abgefälscht (65.). Nochmal das gleiche Spiel: Ecke Preuß, Schuss Wojcik, Tor – 3:0 (65.). Aus Wildeshauser Sicht bahnte sich eine Debakel an. „Nicht nachlassen! Immer mehr wollen!“, forderte Gerold Steindor.

Steindor: „Unser Sieg geht völlig in Ordnung“

Nach der nervenaufreibenden Schlussphase war Brakes Trainerfuchs jedoch froh, drei Punkte mit auf die Rückreise nehmen zu können. „Nach dem 3:0 waren wir gerade bei den Standards nicht präsent genug und haben deshalb noch zwei Gegentore bekommen. Unser Sieg geht aber völlig in Ordnung, auch wenn es am Ende noch mal knapp wurde. Der Schiedsrichter hat eine sehr gute Leistung gezeigt und keine entscheidenden Fehler gemacht“, bilanzierte Steindor. Seine Crew hat nun zehn Punkte Vorsprung auf den VfB Oldenburg II, der mit 3:1 beim FC Rastede gewann und den VfL Wildeshausen auf Platz drei verdrängte.

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