Der Wildeshauser Tom Schmidt trifft im DFB-Pokal gegen Werder Bremen

Das Spiel seines Lebens

Der passt: Atlas-Mittelfeldspieler Tom Schmidt zieht mit der Innenseite ab und trifft in der DFB-Pokalpartie gegen den SV Werder Bremen zum 1:2. Foto: dpa

Wildeshausen – Der Alltag hatte Tom Schmidt ganz schnell wieder eingeholt. Bereits am Montagmorgen saß der 20-Jährige wieder an seinem Arbeitsplatz in der Kreditabteilung der Volksbank Wildeshauser Geest. Doch noch immer war er von seinen Gefühlen überwältigt. „Das ist ein einmaliger Moment in einem Fußballerleben“, schwärmte der Mittelfeldspieler des SV Atlas Delmenhorst zwei Tage nach der 1:6 (1:4)-Niederlage gegen den Bundesligisten SV Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals. Schmidt, von klein auf Werder-Fan, hatte im mit 41 500 Zuschauern ausverkauften Weserstadion den Ehrentreffer für den tapfer kämpfenden Oberligisten erzielt.

Bis zu jener 30. Minute war Niedersachsenpokalsieger Atlas fast ausschließlich mit verteidigen beschäftigt und hatte durch Yuya Osako (10.) und Niklas Moisander (19.) bereits zwei Gegentreffer hinnehmen müssen. Dann fasste sich der Außenseiter ein Herz. „Das war unser erster richtiger Vorstoß“, erinnert sich Schmidt. Oliver Rauh spielte auf der rechten Außenbahn Doppelpass mit Marvin Osei, zündete den Turbo und flankte nach innen. Atlas-Angreifer Marco Prießner verpasste die Hereingabe. Doch von hinten kam Schmidt angerauscht, der sonst eher zentral spielt, diesmal aber auf dem linken Flügel unterwegs war. „Ich wusste, dass ich direkt abziehen muss, denn Theodor Gebre Selassie war ganz dicht dran“, berichtet Schmidt. Mit der Innenseite seines rechten Fußes beförderte der Wildeshauser den Ball aus etwa 18 Metern flach an Werder-Keeper Jiri Pavlenka vorbei ins kurze Eck – eine perfekte Aktion!

„Vor der vollbesetzten Ostkurve so ein Tor zu schießen, ist echt krass!“, erklärt Schmidt. Oft genug hatte er selbst dort gestanden und seinen Helden zugejubelt. Nun hatte ihnen Schmidt einen Tiefschlag verpasst. „Du realisierst in dem Moment gar nicht, was da passiert ist. Du versuchst nur irgendwie zu jubeln und hoffst, dass es anständig aussieht“, erzählt der jüngste Akteur im Atlas-Aufgebot. Mit ausgebreiteten Armen und herausgestreckter Zunge lief Schmidt in Richtung Nordtribüne, ehe er von seinen Mannschaftskollegen eingefangen und unter einer Jubeltraube begraben wurde. Selbst Atlas-Schlussmann Florian Urbainski war in die Werder-Hälfte gestürmt.

Dass sein Schuss nicht unhaltbar schien, war Schmidt herzlich egal. „An einem überragenden Tag hält er ihn, aber ein Torwartfehler war es nicht“, stellte der Wildeshauser klar. Zumal der Treffer zum 1:2 für Atlas ein „Augenblick der Hoffnung“ gewesen sei. Doch der Traum von einer faustdicken Pokalüberraschung war bereits zur Pause ausgeträumt. Milot Rashica (37.) und Davy Klaassen (40.) erhöhten noch vor dem Kabinengang auf 4:1.

Nach dem Seitenwechsel machte Claudio Pizarro das halbe Dutzend voll und ist damit nun der älteste Doppelpacker in der DFB-Pokalgeschichte (68./74.). „Claudio Pizarro ist eine Legende! Es ist eine Ehre, mit ihm auf dem Platz zu stehen. Und dann bricht er auch noch einen Rekord“, meint Schmidt ehrfürchtig.

Zum Trikottausch mit dem Werder-Idol kam es nach dem Abpfiff aber nicht. Pizarros Jersey sicherte sich Atlas-Reservist Thomas Mutlu, und Schmidt behielt seinen Dress lieber selbst. „Das Trikot hat einen ganz hohen persönlichen Wert für mich. Ich werde es niemals aus der Hand geben, schließlich habe ich darin das Spiel meines Lebens gemacht“, betont der Atlas-Youngster.

Als Schmidt auch den Interviewmarathon absolviert hatte und auf sein Smartphone blickte, waren bereits mehr als 100 Kurzmitteilungen eingegangen. „Das ging noch. Aber meine anderen Social-Media-Kanäle sind förmlich explodiert“, erzählt der Blondschopf. Selbst fremde Menschen gratulierten ihm zu seinem Treffer. „Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, ein Tor zu schießen, das so viele Leute berührt“, sagt Schmidt. Nicht minder bewegend war für ihn außerdem die anschließende Feier in der VIP-Lounge des nur noch spärlich beleuchteten Weserstadions.

„Trotz der Niederlage konnten wir erhobenen Hauptes vom Feld gehen. Das war ein Fußballfest, von dem wir noch lange sprechen werden“, ist sich Schmidt sicher. Und dann steckt da in ihm auch noch die Hoffnung, irgendwann einmal etwas Vergleichbares erleben zu dürfen: „Das war ein geiles Gefühl! Ich kann verstehen, dass man süchtig danach wird.“  mar

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