Corona, Behelfs-Flutlicht, Plätze ohne Drainage: Wildeshauser Trainer in Sorge um ihre Kicker

„So langsam verliert man die Lust“

Der Torwart tappt im Dunkeln, die Abwehr hat noch etwas Restlicht: So gestaltet sich derzeit das Training der Wildeshauser Bezirksliga-C-Junioren unter Behelfs-Flutlicht.
+
Der Torwart tappt im Dunkeln, die Abwehr hat noch etwas Restlicht: So gestaltet sich derzeit das Training der Wildeshauser Bezirksliga-C-Junioren unter Behelfs-Flutlicht.

Wildeshausen – „Klack, klack, klack.“ Viele Stollenschuh-Paare wetzen übers Pflaster am Rand des Wildeshauser Krandelstadions. Die jungen E-Jugend-Fußballer des VfL Wildeshausen sind schon fix und fertig in Trainingsklamotten angekommen. In den Kabinen dürfen sie sich ja zurzeit nicht umziehen – wegen der Corona-Gefahren. Trotzdem: Lachend und rufend rennen sie an diesem frühen Abend geradewegs in die Dunkelheit – auf die Trainingsanlage hinter dem Hauptplatz. Das marode Flutlicht ist bereits seit März zwangsweise abgeschaltet, ein hoher Mast im letzten Drittel der Plätze als Ersatz der defekten Leuchtkörper spendet Licht – viel, wenn die Spieler und Torhüter bei hohen Bällen direkt hineinschauen. Viel zu wenig, wenn der Blick von Tor zu Tor schweift. Kaum ein Schiedsrichter würde hier abends ein Pflichtspiel anpfeifen. So weit kam es hier aber schon lange nicht mehr. Und nach dem Mittwoch beschlossenen Maßnahmenkatalog der Bundesregierung und Ministerpräsidenten samt Verbot des Amateursports vom 2. bis 30. November wird dies wohl auch noch lange so bleiben.

Bisher ließ die Behelfsbeleuchtung nur einen improvisierten Trainingsbetrieb zu. Den Jungs und Mädchen macht die Situation an jenem Abend scheinbar wenig aus, sie gehen gleich in die Vollen, haben sichtlich und hörbar Spaß am Fußball. Ihre Trainer hoffen, dass das so bleibt. „Aber so langsam“, gesteht Bernd Kinzel, verliert man die Lust“. Kinzel trainiert zusammen mit Helge Cordes und Rolf Ackermann die 1. C-Junioren. Sie haben sich gut gemacht, spielen in der Bezirksliga. Sie beklagen sich nicht – weder über die diffuse Ausstrahlung noch über den tiefen und teils matschigen Boden auf den Spielfeldern, die ohne Drainage auskommen müssen. 16 von 17 Teammitgliedern sind heute dabei – eine starke Trainingsbeteiligung. Doch Kinzel und seine Übungsleiter-Kollegen fürchten, dass ihnen unter diesen Bedingungen die größten Talente abwandern. Der JFV Nordwest oder der VfL Stenum sind nur zwei gute Adressen, die die Begabtesten aus der Region gern aufnehmen und ihnen höhere Ligen bei guten Bedingungen anbieten.

Aber auch die vermeintlich „kleinen“ Clubs zögen mit ihrer Infrastruktur spürbar am VfL vorbei, klagt Kinzel: „Großenkneten und Huntlosen haben schon lange Kunstrasenplätze, Ganderkesee und Stenum jetzt ebenfalls, bald kommt noch einer nach Ahlhorn.“ Aber im Krandel, ergänzt Cordes, „hat sich seit Jahrzehnten gefühlt nichts verändert, wenn man hinter die Fassade blickt“. Zu einem Luftkurort wie Wildeshausen gehöre „mehr als ein Krandelbad und ein Trimm-Dich-Pfad“. Die prekäre Finanzlage der Stadt sei ihm sehr wohl bekannt – auch die Tatsache, dass es so schnell kein Geld zur Sanierung des von ihm erwähnten Krandelbads gebe. „Es geht uns auch nicht um irgendwelche Schuldzuweisungen. Aber wir würden uns freuen, wenn sich die Politiker hier mal blicken lassen und sich die Situation selbst vor Augen führen würden.“ Einen Ortstermin des Bauausschusses etwa wünschen sich die Trainer. „Immerhin treiben hier gut 600 Jungen, Mädchen, Frauen und Männer Sport“, erinnert Kinzel.

Kleiner Lichtblick: Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung wissen um das Problem. Zuletzt zeigte ihnen ihr Kollege Matthias Ruhle, ehrenamtlich Fußball-Abteilungsleiter im VfL, das Behelfs-Flutlicht in Aktion. „Dafür haben wir uns extra morgens um viertel vor sieben hier getroffen“, berichtet Ruhle. Errichten ließ das Konstrukt der Bremer Energieversorger swb, den der Verwaltungsausschuss auch bereits mit der neuen Beleuchtungsanlage beauftragt hatte.

Die letzte swb-Aussage war laut Ruhle, dass der Bau des „richtigen“ Flutlichts in der zweiten Kalenderwoche des neuen Jahres starten soll. Ein ambitioniertes Ziel angesichts der Tatsache, dass dieser Termin mitten im Winter liegt. Ob Corona dann überhaupt wieder Übungseinheiten und Spiele zulässt? Keiner weiß es. Erst recht nicht seit dem Mittwochaend verkündeten Lockdown für den November. Das Problem der fehlenden Drainage hätte die Winterpause auf den dadurch noch anfälligeren Krandel-Nebenplätzen wohl ohnehin verlängert.

Trotzdem wollen Kinzel, Cordes, Ackermann und viele anderen Trainerinnen und Trainer im VfL weitermachen. Ehrenamtlich, versteht sich. Für die mehr als 600 Fußballerinnen und Fußballer von der G-Jugend bis zu den Oldies. „Unser Traum wäre, einen aus unserer C-Jugend hier in ein paar Jahren mal in der Ersten des VfL zu sehen“, gesteht Cordes. Dieses Ziel treibt sie an. Selbst bei dunklen Aussichten.  ck

Um Durchblick bemüht: Die Trainer Bernd Kinzel, Helge Cordes und Rolf Ackermann (von links).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Fahrradkauf?

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Acht Brettspiel-Geschenktipps für Weihnachten und Silvester

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Lamberts Bay ist mehr als ein Fischerort

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Wie fleischfressende Pflanzen Fleisch fressen

Meistgelesene Artikel

Frank Fischer: „Ich gehöre wohl zur alten Schule“

Frank Fischer: „Ich gehöre wohl zur alten Schule“

Frank Fischer: „Ich gehöre wohl zur alten Schule“
Auf der Hunte dem Virus davonrudern

Auf der Hunte dem Virus davonrudern

Auf der Hunte dem Virus davonrudern
Zwei neue „Sternchen“ am Brettorfer Faustball-Himmel

Zwei neue „Sternchen“ am Brettorfer Faustball-Himmel

Zwei neue „Sternchen“ am Brettorfer Faustball-Himmel
TV Neerstedt punktet bei 17:17 gegen Elsflether TB

TV Neerstedt punktet bei 17:17 gegen Elsflether TB

TV Neerstedt punktet bei 17:17 gegen Elsflether TB

Kommentare