Johann Lakewand hört nach 48 Jahren als Betreuer des Harpstedter TB auf

„Schnietze“ sagt Tschüss

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Nach 48 Jahren als HTB-Betreuer reicht Johann Lakewand den Sanitätskoffer jetzt an Sebastian Tillmann weiter. ·

Harpstedt - Von Sven MarquartWenn Johann Lakewand die vergilbten Fußballfotos in die Hand nimmt, werden die Erinnerungen lebendig. Lakewand, den alle nur „Schnietze“ nennen, kann eine Menge Geschichten erzählen. Kein Wunder: Der Mann war 48 Jahre Betreuer des Harpstedter TB und hat in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt. Doch damit ist nun Schluss. Zur neuen Saison gibt „Schnietze“ Lakewand den Sanitätskoffer an Sebastian Tillmann weiter.

„Das hier war vor sechs Jahren“, sagt Johann Lakewand und nimmt ein Foto jüngeren Datums in die Hand. „2002!? Das ist ja sogar schon elf Jahre her“, korrigiert er sich beim Blick auf die Rückseite. Wie die Zeit vergeht! Das Bild zeigt den frischgebackenen Kreispokalsieger Harpstedter TB im Wildeshauser Krandelstadion. Siegessicher hatte Finalgegner VfL Wildeshausen vor dem Endspiel Pokalsieger-Shirts anfertigen lassen – und hatte nach dem Abpfiff keine Verwendung mehr dafür. „Die haben wir ihnen dann abgekauft“, sagt Lakewand grinsend. „Den Großteil haben wir aus der Mannschaftskasse bezahlt, den Rest hab’ ich dazugebuttert!“ So kam es, dass die Blau-Weißen Harpstedter ihren Triumph in Rot feierten. Nur eine Anekdote aus „Schnietzes“ reichhaltigem Fundus.

Schon in der Jugend hatte Dieter Bunzel seinen Schwager Johann Lakewand zum Fußball mitgenommen. 227 Partien bestritt „Schnietze“ während seiner aktiven Karriere. Natürlich alle für den HTB. „Ich bin Blau-Weiß“, sagt der gebürtige Harpstedter und lacht. Vorwiegend spielte er in der dritten Mannschaft. „Für die Erste oder Zweite hat’s nicht gereicht“, erläutert er. Enttäuscht ist er deswegen aber nicht. Zum Betreuerjob kam er 1965, als der Posten gerade vakant war. Da sagte HTB-Spieler Armin Lutat: „Mach du das doch!“ Und „Schnietze“ machte. „Er war immer zuverlässig und mit Spaß bei der Sache – mit ihm kann man Pferde stehlen“, sagt HTB-Coach Marc Wulferding, der ebenfalls aufhört.

Lakewand kümmerte sich um Trikots, Pässe, Getränke und verarztete verletzte Spieler. „Bei der Bundeswehr war ich Sanitäter – da ist ein bisschen was hängen geblieben.“ Wenn der frühere HTB-Linksaußen Manfred Strotski zu Boden gegangen war, lief „Schnietze“ Lakewand aber auch schon mal vergeblich aufs Feld: „Der konnte gut schauspielern und hat oft Blödsinn gemacht. Wenn er an sich gearbeitet hätte, hätte der bei Werder spielen können“, meint der eingefleischte HSV-Fan.

In den vergangenen 48 Jahren hat Johann Lakewand in Harpstedt viele Trainer kommen und gehen sehen. Um die 15 dürften es gewesen sein, schätzt er. Seine Betreuerlaufbahn begann unter Dieter Gutsche und endet jetzt unter Marc Wulferding. Am meisten Eindruck machte auf ihn jedoch Herbert Hühnfeld: „Was der gemacht hat, war fast schon profihaft. Außerdem hatte er Fußballverstand.“ Er selbst habe nie Ambitionen auf den Trainerposten gehabt. „Ich war immer mit meiner Aufgabe als Betreuer zufrieden.“

Besonders gern erinnert sich „Schnietze“ Lakewand an Siege gegen den TuS Syke („Die meinten damals, sie wären die Größten“), den SC Twistringen („Das waren oft schwere Kämpfe“) und den VfR Wardenburg („Die haben ja angeblich den Fußball erfunden“).

Natürlich gab es in der langen Zeit auch ab und zu Streit. „Ich war mal richtig sauer und wollte hinwerfen“, erzählt Lakewand. Doch er blieb. Bis jetzt.

„Es war eine schwere Entscheidung, aber in diesem Jahr habe ich mich dazu durchgerungen, Schluss zu machen.“ Gleichzeitig hat der 70-Jährige auch seinen Posten als Korporal des zweiten Bürgerschützenrotts aufgegeben. „Da müssen jüngere Leute ran“, meint er. Sein Friseursalon bleibt aber weiter an drei Tagen in der Woche für die „treue Kundschaft“ geöffnet. „Irgendwas muss man ja noch um die Ohren haben“, sagt Johann Lakewand, der außerdem gerne Rad fährt.

Hart dürfte es für den Ex-Betreuer werden, wenn in wenigen Wochen die neue Saison anfängt. „Mit unserem kleinen Fanclub werde ich mir trotzdem alle Spiele ansehen“, kündigt Lakewand an. Dennoch: „,Schnietze‘ wird fehlen“, ist sich Marc Wulferding sicher. Zugleich glaubt er aber, dass der Verein mit Sebastian Tillmann einen würdigen Nachfolger gefunden hat: „Ich kann mir gut vorstellen, dass er länger da bleibt.“ Es müssen ja nicht gleich 48 Jahre sein . . .

Der Harpstedter TB verabschiedet Johann Lakewand am Sonnabend, 22. Juni, ab 17 Uhr mit einer kleinen Feier auf dem Schulsportplatz. „Jeder, der mal mit ,Schnietze‘ zu tun hatte, ist eingeladen, auf ein Bier und eine Bratwurst vorbeizukommen“, sagt Marc Wulferding.

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