Automatismen führen FC Huntlosen an die Tabellenspitze der Kreisliga A

Schindlers Planwirtschaft

Wichtige Stütze: An Huntlosens Abwehrchef Sebastian Merz (l.) kam auch Dötlingens Enis Stublla nicht vorbei.
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Wichtige Stütze: An Huntlosens Abwehrchef Sebastian Merz (l.) kam auch Dötlingens Enis Stublla nicht vorbei.

Huntlosen – Der Lockdown nervt, und eine Perspektive für den Amateursport ist weiterhin nicht in Sicht. Auch die Kicker des FC Huntlosen würden liebend gerne mal wieder gegen den Ball treten. Doch was nicht ist, ist nicht. Trösten kann sich der Kreisligist mit einem Blick auf die Tabelle: Seit fast einem halben Jahr führt der Club aus der Gemeinde Großenkneten das Klassement der A-Staffel an.

„So lange Zeit waren wir wohl noch nie an der Tabellenspitze“, sagt Trainer Jan Schindler mit einem Augenzwinkern.

Tatsächlich war der FC Huntlosen nach dem Aufstieg 2016 und dem fünften Platz in der Premierensaison in die Rolle der grauen Maus geschlüpft. In den drei jüngsten Spielzeiten sprangen am Ende zweimal Rang elf und einmal Platz zwölf heraus. Deshalb kam der Huntloser Höhenflug zu Beginn der seit Oktober unterbrochenen Serie doch recht überraschend. Denn der Kader blieb – abgesehen von Lukas Dalichaus Wechsel zum TSV Großenkneten – unverändert. Was also ist das Geheimnis des plötzlichen Erfolges? „Das haben mich schon einige Leute gefragt“, entgegnet Schindler. Eine Erklärung bleibt der 33-Jährige jedoch schuldig, „weil ich die Frage nicht beantworten kann. Wir versuchen, mit einer gesunden Mischung aus Spaß und Ehrgeiz unser Ding durchzuziehen.“

Möglicherweise ist Schindler selbst des Rätsels Lösung. Der B-Lizenzinhaber hatte im Mai vergangenen Jahres den damaligen FCH-Coach Maik Seeger abgelöst. Die Philosophie des neuen Übungsleiters lautet, dass seine Crew „bewusst Fußball spielt“, wann immer es geht: „Mit Ball, ohne Ball – es geht darum, in jeder Situation einen Plan zu haben, Automatismen zu schaffen und im Rahmen unserer Möglichkeiten das Beste abzuliefern.“

Das gelang den Mannen um Kapitän Stefan Merz von Beginn an ziemlich gut, obwohl dem 3:0-Auftaktsieg beim TV Falkenburg mit dem Pokalaus gegen den Staffelrivalen RW Hürriyet sofort ein Dämpfer folgte (2:3). Doch nur drei Tage später zeigte Huntlosen beim 4:1 über Kreispokalsieger TV Dötlingen eine beeindruckende Leistung. „Das war schon sehr gut. Wir haben kaum was zugelassen, aber selbst Chancen rausgespielt und auch genutzt“, erinnert sich Schindler. Das dadurch gewonnene Selbstvertrauen trug sein Team anschließend zum 4:2-Erfolg über den TV Jahn und zur 5:0-Pokalrevanche bei RW Hürriyet.

Im Spitzendspiel gegen den VfR Wardenburg kassierte der FCH dann aber eine laut Schindler verdiente 0:5-Pleite. Huntlosens Abwehrchef Sebastian Merz musste schon in der achten Minute verletzt ausgewechselt werden. Kurz darauf traf Lennart Schönfisch zum 1:0 für Wardenburg (11.). Lukas Gelnar (37.), der Ex-Huntloser Dennis Beckmann (40.) und Jonas Knoblauch (43.) sorgten noch vor der Pause für klare Verhältnisse. „Da haben wir gegen einen starken Gegner Lehrgeld gezahlt. Wir haben es nicht hingekriegt, uns mal Luft zu verschaffen und vom Druck zu befreien“, sagt Schindler.

Ein paar Tage später wurde der Spielbetrieb aufgrund der in die Höhe schnellenden Coronainfektionszahlen ausgesetzt und seitdem nicht wieder aufgenommen. Schindler verzichtete darauf, seine Akteure mit Läufen und Trainingsplänen einzudecken. „Ohne festen Termin ist es schwer, die Motivation hochzuhalten“, findet der Coach. „Aber ich habe schon im Hinterkopf, wie es weitergeht, wenn Training wieder erlaubt ist.“ Bis dahin hält Schindler mit seinem Team über WhatsApp Kontakt.

Die sportliche Zukunft plant Schindler ohne André Hesselmann, der sich einer Bandscheibenoperation unterziehen musste. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten war der 30-jährige Angreifer immer wieder verletzt und kam kaum noch zum Einsatz. „Ich glaube nicht, dass André nochmal wieder Fußball spielen wird“, erklärt Schindler. Sonst gibt es in seinem Kader keine personellen Veränderungen. Im Sommer wird dann Defensivallrounder Michel Baum von den A-Junioren der SG Großenkneten/Huntlosen aufrücken.

Obwohl Schindler bislang „noch keine Gespräche“ mit dem Vorstand geführt hat, möchte er die gemeinsame Arbeit mit Co-Trainer Frank Melle und Torwarttrainer Sven Neuefeind gerne fortsetzen. „Wir wollen und werden weitermachen und dann hoffentlich eine vernünftige Saison spielen“, sehnt der Coach einen geregelten Übungs- und Spielbetrieb herbei. „Es würde schon helfen, wenn man wieder in Zehnergruppen trainieren könnte, ohne die Kabinen aufzuschließen“, meint Schindler. Doch bis es soweit ist, wird er sich weiter gedulden müssen.  mar

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