Abschied nach 34 Jahren und Hunderten Einsätzen

Schiedsrichterlegende Drews zeigt sich selbst die Rote Karte

+
Nach fast 34 Jahren und etlichen Hundert Spielen als Schiedsrichter hängt Arno Drews die Pfeife nun an den Nagel.

Harpstedt - Von Sven Marquart. Als Fußballschiedsrichter besitzt Arno Drews natürlich auch eine Rote Karte. Benutzt hat er sie höchst selten. Doch am vergangenen Freitag wäre der gefärbte Karton beinahe mal wieder zum Vorschein gekommen. Drews pfiff die Ü 40-Partie zwischen den Oldies des TSV Ippener und des VfL Stenum III in der 2. Kreisklasse (4:6). „Ich hätte drei Mann vom Platz schmeißen können“, erinnert er sich, „aber das wollte ich nicht mehr.“ Stattdessen ließ er – wie so oft – Gnade vor Recht ergehen. Beim Abpfiff waren beide Teams immer noch vollzählig.

Auf die Milde und Menschlichkeit von Arno Drews werden die Oldie-Kicker im Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst künftig verzichten müssen. Denn besagte Partie war für ihn nach fast 34 Jahren an der Pfeife der letzte Pflichtspieleinsatz. „Einmal muss Schluss sein, schließlich werde ich im nächsten Jahr 80. Außerdem will ich auch mal Wochenende haben und einfach nur mal am Spielfeldrand stehen und blöde schnacken“, sagt Drews. Das hörte sich vor rund 14 Jahren noch etwas anders an: „Ich werde so lange pfeifen, bis ich umfalle“, hatte er in einem am 30. Juli 2004 in dieser Zeitung erschienenen Artikel angekündigt. Aber so ist es wahrscheinlich besser . . .

Mit seiner Mutter und den drei älteren Geschwistern hatte es Arno Drews nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Warthegau nach Harpstedt verschlagen. „Als Flüchtlinge waren wir wie Aussätzige. Aber wir wollten dazugehören“, erzählt er. Im Harpstedter TB fand Drews ab 1948 seine sportliche Heimat. Mit der Herrenmannschaft wurde er Bezirksklassen-Meister und stieg in die damalige Amateurliga auf. Als erster HTB-Kicker überhaupt bestritt er 1000 Spiele für den Verein. Bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn kamen noch einmal 238 Partien hinzu.

Weil er anschließend Trainer werden wollte, absolvierte Drews bereits 1958 in Barsinghausen eine Schiedsrichterausbildung. Ab 1. Januar 1984 leitete er dann regelmäßig Spiele im Fußballkreis Oldenburg-Land. „Es werden etliche Hundert gewesen sein – leider gibt es keine Statistiken“, sagt Kreisschiedsrichterobmann Harald Theile. An Drews schätzt er besonders dessen Zuverlässigkeit und Spontaneität: „Arno war eine Bank! Er war sich nie zu schade einzuspringen – den konntest du anrufen, und er fuhr los.“ Dabei hatte Drews als dreifacher Familienvater und selbstständiger Malermeister auch privat und beruflich genug um die Ohren.

Zuletzt drittältester Schiri im Kreis

Hinter den beiden 80 Jahre alten Alrich Sprung (SV Atlas) und Gerhard Prescher (FC Hude) war Drews der drittälteste noch aktive Referee des Kreises. Pfiff er zu seinen besten Zeit bis hinauf zur Herren-Kreisliga, war er zuletzt vorwiegend in den Ü 40-Spielklassen unterwegs. In der gerade beendeten Saison kam er insgesamt 21-mal zum Einsatz. „Wenn mich nicht eine Grippe für vier Wochen außer Gefecht gesetzt hätte, wären es noch mehr Spiele geworden“, betont Drews.

„Seine menschliche Art hat Arno die Akzeptanz der Mannschaften gebracht“, erläutert Theile. Selbst im fortgeschrittenen Alter habe Drews nur selten einen Lehrabend verpasst. Mit Unterstützung des ehemaligen Schiedsrichteransetzers Markus Deitenbeck arbeitete sich der Harpstedter auch in die Geheimnisse des Online-Spielberichtes ein. „Das verdient Respekt!“, unterstreicht Theile. In Erinnerung bleiben wird ihm besonders Drews’ ureigene Art, in die Pfeife zu pusten: „Arno hat eine Systematik, die sonst keiner hat.“

Letztmals ertönten jene charakteristischen Pfiffe beim Kleinfeldturnier in Groß Ippener. „Danach ist endgültig Schluss!“, stellte Drews vor Veranstaltungsbeginn klar. Um keine Zweifel an der Unumstößlichkeit dieser Entscheidung aufkommen zu lassen, sollten nach Turnierende seine Sportschuhe „und höchstwahrscheinlich auch meine Pfeife“ verbrannt werden. „Außerdem kann es sein, dass ich mir selbst die Rote Karte zeige . . .“

Das könnte Sie auch interessieren

1. Seniorenmesse in Verden

1. Seniorenmesse in Verden

Diepholzer Großmarkt am Freitag

Diepholzer Großmarkt am Freitag

Muslimische Mode bald in Frankfurt zu sehen

Muslimische Mode bald in Frankfurt zu sehen

Kinderaltstadtfest in Nienburg 

Kinderaltstadtfest in Nienburg 

Meistgelesene Artikel

VfL Wildeshausen müht sich gegen disziplinierten Aufsteiger zu einem 2:0-Erfolg

VfL Wildeshausen müht sich gegen disziplinierten Aufsteiger zu einem 2:0-Erfolg

Monika Blömer bringt viel Erfahrung mit

Monika Blömer bringt viel Erfahrung mit

Kant nach Zusammenprall in die Klinik

Kant nach Zusammenprall in die Klinik

Aufsteiger VfL Wildeshausen führt die Volleyball-Oberliga an

Aufsteiger VfL Wildeshausen führt die Volleyball-Oberliga an

Kommentare