Rollentausch des Fußball-Bezirksligisten VfL Wildeshausen hat mehrere Gründe

Vom Jäger zum Gejagten

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Lukas Schneider hat sich nach seiner Rückkehr aus München stark eingefügt.

Wildeshausen - Von Cord Krüger. Irgendwie passte es ins Bild, dass sich die Fußballer des VfL Wildeshausen am Ostermontag gar nicht so recht feiern lassen wollten. Fast zögerlich gingen sie nach dem 5:0 über Eintracht Wiefelstede auf ihre Fans im Krandelstadion zu und dankten applaudierend für die Unterstützung. Zwar hatten sie gerade den SV Atlas, seit dem elften Spieltag auf Platz eins, von der Spitze der Bezirksliga verdrängt, doch ihr Trainer Marcel Bragula mahnte direkt nach Wiederanpfiff: „Bloß auf dem Teppich bleiben!“

Schließlich liegen die Kreisstädter nur ein Pünktchen vor dem SVA, der noch ein Spiel mehr absolvieren muss. Allerdings musste auch Bragula einräumen, dass ihm die neue Tabellenkonstellation gefällt: „Jetzt sind wir die Gejagten, nachdem wir wochenlang hinterher marschiert sind. Mal sehen, wie die Jungs mit dieser Situation umgehen.“ Janek Jacobs, mit zwei Toren Matchwinner vom Montag, bleibt da gelassen. „Der Druck bei uns war auch vorher schon da. Er ist nicht gewachsen.“ Aber die Mannschaft ist gewachsen. Hier ein paar Beispiele:

Defensive

Gegen Wiefelstede ließ Wildeshausen nicht eine Torchance zu. Kein Einzelfall, wie der Blick auf die Rückrunden-Tabelle beweist: In den letzten acht Spielen – das 2:1 im Hinrunden-Nachholduell bei Tur Abdin mal ausgenommen – kassierte der VfL nur ein Gegentor (2:1 gegen den VfL Oldenburg II). „Alle anderen Male stand die Null – das hat in der Hinserie gefehlt“, weiß Bragula. Als Gründe für die zusätzliche Stabilität sieht er Winter-Neuzugang Jan Gusfeld-Ordemann, Rückkehrer Lukas Schneider und den genesenen Daniel Pasker: „Es kamen Abwehrrecken dazu, die ich bis zur Winterpause nicht hatte. Daniel hat mit Ausnahme der ersten fünf Spiele gefehlt, Jan und Lukas haben sich jetzt schon stark eingefügt“, lobt Bragula, „ohne die anderen schlecht machen zu wollen.“ Doch Aushilfs-Innenverteidiger Alexander Kupka sei eben gelernter Mittelfeldspieler – und auch Jannik Wallner und Tobias Düser hätten andere Stammpositionen als die des Außenverteidigers.

Auch Offensivmann Jacobs fühlt sich mit diesem Rückhalt wohl: „Es gibt schon Sicherheit. Entscheidend ist aber auch, „dass sich Jan Gusfeld-Ordemann sofort super integriert hat.“

Offensive

Auch gegen Wiefelstede gefiel Trainer Bragula, „dass wir unsere Gelegenheiten gut verwertet haben“. Wie zuletzt, denn in der Rückrunde ließ es Wildeshausen schon 21 Mal klingeln – im Schnitt mehr als drei Mal pro Partie. Aufgrund dieser Effektivität hätte es sich der Coach leisten können, dem seit Wochen trotz Knöchelbeschwerden spielenden Maximilian Seidel eine Pause zu gönnen. „Im Endeffekt entscheidet Maxi“, verrät sein Trainer. „Aber gegen Wiefelstede merkte man ihm an, dass er ein bisschen kaputt war. Ich hätte ihn vielleicht draußen lassen sollen – das muss ich mir auch vorwerfen.“ Denn er weiß, was er an dem variablen Techniker hat.

Einer, der am Sonnabend bei Tur Abdin und 48 Stunden später gegen Wiefelstede traf, hat hingegen seinen Ausstieg zum Saisonende angekündigt. „Kai Schmale wird aufhören“, bestätigte Bragula am Montag. Doch der B-Lizenz-Inhaber hat schon „die eine oder andere Idee, wie wir ihn ersetzen können“.

„Nachschub“

Ein Offensivmann, der aus der zweiten Reihe nachdrängt, heißt Andreas Kari, über Ostern von der Zweiten in die Erste befördert. Das Eigengewächs gilt als Beispiel dafür, wie das Wildeshauser Trainerteam tickt: „Wir führen junge Spieler bewusst heran. Einige aus der A-Jugend trainieren immer mal wieder bei uns mit – aber es bringt ihnen nichts, wenn sie bei der Ersten auf der Bank sitzen“, verdeutlicht Bragula. „Da ist es ein echter Luxus, dass unsere Zweite in der Kreisliga spielt – und das wird auch so bleiben“, verspricht er den Klassenerhalt: „Wenn es knapp wird, geben wir vier oder fünf Mann aus der Ersten ab.“

Trainerteam

Bragula als Cheftrainer, der im Sommer hinzu gekommene Marco Elia als Co-Trainer: Die Zusammenarbeit funktioniert – und sie soll sich fortsetzen. „Zwei, drei Details“ seien vor der Vertragsverlängerung noch zu klären, aber diesen Gesprächen sieht Bragula entspannt entgegen. Er will bleiben, „denn es ist schön, mit Spielern zu arbeiten, die was im Kopf haben“. Der Kader bleibe im Wesentlichen, nur Schmale und Ersatztorwart Nikolai Koch beenden ihre Laufbahnen. „Einer oder zwei Spieler werden wieder irgendwo andernorts studieren, aber das ist jetzt noch nicht absehbar“, ergänzt der Coach. Doch Berufssoldat Bragula selbst weiß noch nicht, ob er dem VfL wie bisher dienen kann: „Bisher bin ich in Garlstedt bei der Truppenschule – morgens hin, abends zurück, kein Auslandseinsatz, keine Übungen. Ab dem 1. Juli ändert sich das“, sagt er mit Blick auf seine Versetzung nach Delmenhorst. Er braucht also „Verstärkung“in der Vor- und Nachbereitung: „Wir veranstalten hier Videoanalysen mit allem Zipp und Zapp. Es muss jemanden geben, der ständig da ist.“ Sein Vorschlag: eine Doppelspitze mit Marco Elia. „Sicherlich muss einer den Hut aufhaben, und das werde ich wohl sein. Aber letztlich arbeiten wir im Team. Vom Typ her ist Marco ein Headcoach und kein Co-Trainer.“

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