Wildeshauser läuft 230 Kilometer in weniger als 37 Stunden

Ralf Lietz betritt bei der „Tortour de Ruhr“ Neuland

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„Ab hier nur noch ein Marathon“: der Wildeshauser Ralf Lietz am Verpflegungspunkt 42 Kilometer vor dem Ziel der „Tortour de Ruhr“.

Wildeshausen - Ralf Lietz ging es wie vielen anderen Ex-Rauchern: Nachdem er 2005 den Glimmstängeln abgeschworen hatte, legte er ordentlich an Körpergewicht zu. Um die überschüssigen Kilos wieder loszuwerden, entschloss er sich mit dem Laufen anzufangen. Seit neun Jahren ist Lietz inzwischen auch im Wildeshauser Lauftreff (WLT) aktiv. Was so harmlos angefangen hatte, gipfelte nun im bisher längsten Lauf seiner Karriere: Der 57-Jährige finishte die „Tortour de Ruhr“ über 230 Kilometer in 36:54:34 Stunden.

„Die ,Tortour de Ruhr‘ ist ein privater Einladungslauf mit 125 Startern. Du musst dich beim Veranstalter bewerben und erhältst vielleicht eine Einladung“, erläutert Lietz. Wer das zweifelhafte Glück hat, eingeladen zu werden, braucht außerdem eine Crew und eine ärztliche Gesundheitsbescheinigung. Tatsächlich rutschte Lietz von der Warte- auf die Startliste. Zusammen mit seiner Vechtaer Laufpartnerin Gabi Schumacher durfte er den Ruhrtal-Radweg von der Quelle in Winterberg bis zum Rheinorange in Duisburg-Kaßlerfeld in Angriff nehmen. Das Zeitlimit betrug 38 Stunden.

Zur Vorbereitung hatte der Wildeshauser seit November 2600 Trainingskilometer abgerissen. „Der Wettkampftag kam gefühlt viel zu schnell. Immer wieder stellte sich die Frage: War das wirklich genug, kann man 230 Kilometer trainieren?“, schildert Lietz seine Befürchtungen. Inzwischen meint er, die Antwort zu kennen: „Nicht wirklich, glaube ich heute. Die Trainingsumfänge können hochgefahren werden, aber die 230 Kilometer an einem Stück absolviert man nur im Lauf.“

In der Nacht vor dem Start bekam Lietz kaum Schlaf. Nach einem zehnminütigen Briefing durch den Veranstalter ging es dann endlich auf die Strecke. Zwischen den bis zu 35 Kilometer auseinanderliegenden Verpflegungspunkten versorgte die Crew den Huntestädter mit dem „Rudolf“ getauften Verpflegungsfahrrad. Der Plan: fünf Kilometer laufen, trinken und essen, eine Minute gehen und weiterlaufen. Dabei sollte die Crew die Cut-off-Zeiten im Auge behalten. „Wer zu spät an den offiziellen Verpflegungspunkten erscheint, kann aus dem Rennen genommen werden. Also habe ich versucht, ein Polster rauszulaufen“, erläutert der WLT-Athlet. Zeitweise lag der gelernte Zerspanungsmechaniker satte 90 Minuten vor dem Limit. Diese Reserve würde er noch brauchen, wie sich herausstellen sollte.

Denn nach 70 Kilometern spürte Lietz ein leichtes Unwohlsein im Magen. Er musste Gehpausen einlegen. Ab Kilometer 90 lief es dann wieder rund. Gegen 4 Uhr morgens gönnte er sich eine halbe Stunde Schlaf. Mit frischer und vor allem wärmerer Kleidung ging es weiter, denn die Lufttemperatur hatte sich bis auf acht Grad abgekühlt. Das Erreichen der 160-Kilometer-Marke war für Lietz nichts Neues: „Die habe ich schon viermal geschafft, aber dann habe ich Neuland betreten.“ Beim Passieren seiner Geburtsstadt Witten erkannte der Wildeshauser einiges wieder, unter anderem die Stelle, wo er als Kind gebadet hatte. Auf den nächsten 20 Kilometern wurde Lietz von Detlef Woszeck begleitet. Der Freund aus dem Ruhrgebiet lenkte ihn von der aufsteigenden Müdigkeit ab.

„Ein Marathon geht immer“

Den Cut-off 42 Kilometer vor dem Ziel schaffte Lietz trotzdem nur mit dreiminütigem Vorsprung. „Noch ein Marathon – ein Marathon geht immer!“, schoss es ihm durch den Kopf. Vor dem letzten Verpflegungspunkt musste Lietz öfter Gehpausen einlegen. „Nach 228,5 Kilometern kam endlich das Rheinorange in Sicht“, berichtet der 57-Jährige. Er bündelte seine letzten Kräfte und schlug schließlich nach 36:54:34 Stunden zeitgleich mit Gabi Schumacher als 40. am Ziel an. „Ohne meine Crew hätte ich es nicht geschafft“, dankte Lietz seinen Begleitern Jennifer und André Schlosser aus Herne, Ingo Faber aus Sprockhövel, Sarah Mix und Conny Weisz aus Vechta sowie Sonia Isabel Göbel aus Berlin. Zum Vergleich: Sieger Andre Blumberg war 24:14:56 Stunden unterwegs.

Derart beflügelt, startete Lietz nur acht Tage später beim Rennsteig-Supermarathon in Thüringen. Diesmal betrug die Distanz „nur“ 73,5 Kilometer. Allerdings galt es auf der Strecke von Eisenach nach Schmiedefeld, rund 1600 Höhenmeter zu überwinden. „Nur ankommen“, hatte sich Lietz zum Ziel gesetzt. Das Zwölf-Stunden-Limit unterbot er in seiner Ankunftszeit von 10:55:46 Stunden trotzdem deutlich. „Alles richtig gemacht“, lautete sein Fazit.

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