Trainer verlässt Handball-Oberligisten am Saisonende

Rademacher sieht für sich keine Zukunft beim TV Neerstedt

Gehen am Saisonende getrennte Wege: Noch-Trainer Jörg Rademacher (l.) und Handball-Abteilungsleiter Friedel Schulenberg vom TV Neerstedt. - Foto: Marquart

Neerstedt - Es hatte sich angedeutet, nun ist es offiziell: Wie Abteilungsleiter Friedel Schulenberg in einer am Donnerstag um 16.25 Uhr verschickten E-Mail mitteilte, gehen Handball-Oberligist TV Neerstedt und Trainer Jörg Rademacher am Saisonende getrennte Wege.

„Jörg hat uns im Laufe der Woche mitgeteilt, dass er in der nächsten Saison nicht mehr zur Verfügung steht – diese Entscheidung müssen wir akzeptieren“, erläuterte Schulenberg auf Nachfrage der Wildeshauser Zeitung und betonte: „Wir haben zwei gute Jahre miteinander verbracht. Jörg hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir gehen im Guten auseinander.“

Ex-Profi Rademacher hatte zur Saison 2015/2016 beim TV Neerstedt die Nachfolge von Dag Rieken und Kai Freese angetreten. Bei seinem Amtsantritt formulierte der B-Lizenzinhaber ehrgeizige Ziele. Mit einem Dreijahresplan wollte er die Grün-Weißen wieder zurück in die dritte Liga führen. Der 49-Jährige bemühte sich beim Oberliga-Dino um professionellere Strukturen und holte alte Weggefährten wie Torwarttrainer Jens Kanzog und Finanzfachmann Birge Wenholz nach Neerstedt. Allerdings haperte es beständig am spielenden Personal.

Als Rademacher in Neerstedt zusagte, war der Spielermarkt bereits weitgehend abgegrast, so dass er zu Beginn seiner ersten Saison in der Gemeinde Dötlingen kaum noch etwas am Kader verändern konnte. Trotzdem spielte die Mannschaft unter der Regie des ehemaligen Abwehrspezialisten eine hervorragende Hinrunde. Dass in der Endabrechnung lediglich Platz sieben heraussprang, war auch dem Verletzungspech geschuldet.

Vor der laufenden Serie setzte der Coach alle Hebel in Bewegung, um sein Aufgebot trotz knapp bemessener Finanzen zu verstärken. Dabei hatte er jedoch wenig Glück. Der bereits verpflichtete und als Neuzugang vorgestellte Christoph Groß (Wilhelmshavener HV II) sagte kurz vor der Saisonvorbereitung per SMS ab. Bei Linkshänder Leon Linngroen (HC Bremen) ließ eine Fußverletzung keinen Oberliga-Handball mehr zu. So blieben neben Torhüter Hendrik Legler lediglich die beiden Youngster Julian Hoffmann und Erik Hübner (beide HC Bremen) übrig.

Seitdem Kreisläufer Malte Kasper wegen einer Schulterverletzung ausfällt, stellt sich die Mannschaft inzwischen Woche für Woche fast von alleine auf. „Und auch beim Training gurken wir meistens mit sechs, sieben Leutchen rum“, ärgerte sich Rademacher. Bedingungen, die dem ehrgeizigen Coach überhaupt nicht schmecken, schließlich hatte er stets betont, „nur noch leistungsorientiert“ arbeiten zu wollen. Doch unter den gegebenen Umständen ließ seine Crew im bisherigen Saisonverlauf viele Punkte liegen und ist als Tabellenzehnter zu Beginn der Rückrunde noch längst nicht alle Abstiegssorgen los.

„Ich möchte nicht noch einmal eine solche Saison erleben“, bekräftigte der Bad Zwischenahner. „Dazu hätte der Verein ein bisschen Geld in die Hand nehmen und den Kader erweitern müssen, aber die Bereitschaft war nicht da“, erläuterte Rademacher. „Leider gab es keine Anstalten in irgendeine Richtung, die erste Herren als Aushängeschild des Vereins zu unterstützen“, bedauerte der Übungsleiter. Deshalb sei über einen längeren Zeitraum der Entschluss in ihm gereift, „dass es in Neerstedt keine Zukunft für mich gibt“. Stattdessen hat er sich anderweitig orientiert. Am Montag will er sich dazu äußern, wo ihn die Reise hinführt. Sein künftiger Verein spiele auch in der Oberliga, so viel verrät er aber schon mal.

Unterdessen fahndet Friedel Schulenberg bereits nach einem neuen Trainer. „Wir befinden uns in Gesprächen mit möglichen Kandidaten“, berichtete er. Doch damit dürfte es nicht getan sein. Denn sollten neben Kapitän Björn Wolken und Torhüter Lukas Oltmanns, die berufsbedingt aufhören, noch weitere Spieler den Verein verlassen, steht der TV Neerstedt nicht nur ohne Coach, sondern auch ohne oberligataugliche Mannschaft da. Aber soweit soll es nicht kommen. „Wir werden vernünftig weiter arbeiten“, erklärte Schulenberg. - wz/mar

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