Laufen gegen den Coronafrust

Ole Willms vom VfL Wildeshausen II nutzt die Zwangspause zu einem Marathon

Geschafft: Nach dem Überqueren der imaginären Ziellinie reißt Ole Willms die Arme in die Höhe.
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Geschafft: Nach dem Überqueren der imaginären Ziellinie reißt Ole Willms die Arme in die Höhe.

Seinen Coronafrust hat Ole Willms im vergangenen Vierteljahr mit einem stattlichen Laufpensum bekämpft. Nun absolvierte der Kapitän des Fußball-Kreisligisten VfL Wildeshausen II sogar einen Marathon.

  • Am 7. Dezember begann Ole Willms, regelmäßig zu laufen.
  • Im Januar spulte der Kapitän des Fußball-Kreisligisten VfL Wildeshausen II insgesamt 177 Kilometer ab.
  • Jetzt schaffte er sogar einen Marathon.

Wildeshausen – Wenn in der Saisonvorbereitung auf Anweisung des Trainers verstärkt die Laufschuhe geschnürt werden, bekommen Fußballer schon mal eine mittelschwere Krise. „Mich hat das nie großartig gestört“, sagt Ole Willms und lacht. Lieber heute als morgen würde der Kapitän des Kreisligisten VfL Wildeshausen II mit seinen Teamkollegen auf den grünen Rasen zurückkehren. Und wahrscheinlich ist er nun sogar fitter als vor der Aussetzung des Spielbetriebs im Oktober. Denn gegen den Coronafrust hat Willms im vergangenen Vierteljahr ein stattliches Laufpensum abgespult. Den Gipfel erreichte der Mittelfeldspieler vor wenigen Tagen, als er ganz für sich einen Marathon absolvierte.

Vergleich mit Mitspielern spornt an

„Nachdem wir nicht mehr auf den Platz durften, habe ich zunächst gar nichts mehr gemacht. Am 7. Dezember bin ich dann angefangen zu laufen, erst sechs, dann zehn Kilometer. Das habe ich ein paarmal gemacht – und dann kam eins zum anderen“, berichtet Ole Willms. Zusätzlichen Ansporn brachte der Vergleich mit Mitspielern wie Robin Landgraf über die Runtastic-App. „Da habe ich Ehrgeiz entwickelt, und wir haben uns gegenseitig hochgepusht“, erzählt Willms. Selbst an den Weihnachtsfeiertagen drehte er fleißig seine Runden. Über den Januar verteilt riss er insgesamt 177 Kilometer ab. Inzwischen kennt sich der 27-Jährige in den Bauerschaften Lüerte, Düngstrup, Kleinenkneten, Aumühle, Heinefelde und Glane bestens aus.

Gezieltes Training ab Februar

Doch damit nicht genug. „Anfang Februar habe ich mir überlegt, das Laufen vernünftig anzugehen und einmal einen Marathon zu schaffen“, sagt Ole Willms. Der Beamte des Landkreises Oldenburg informierte sich bei zwei Arbeitskollegen über gezieltes Lauftraining. Zudem las er in einem Buch des bekannten Langstrecklers und Lauftrainers Herbert Steffny. Mit dem frisch erworbenen Wissen lief Willms fortan montags und mittwochs jeweils 16 sowie freitags 26 Kilometer. „Sonntags kam noch ein Zehn-Kilometer-Tempolauf dazu“, ergänzt der Wildeshauser. Bald stand sein Plan.

Spontane Planänderung

Selbst bei den längeren Vorbereitungsläufen verzichtete Ole Willms auf Verpflegung. Beim Marathon sollte ihn sein Vater Friedhelm auf dem Fahrrad begleiten und ihn mit Stärkungen versorgen. So war es abgemacht. Eine Woche vor dem verabredeten Termin stand ein Trainingslauf auf dem Programm. Doch weil das Wetter mitspielte und er sich gut fühlte, warf Ole Willms den Plan unterwegs spontan über den Haufen – und startete durch. „Ich war schon auf dem Rückweg bei Kilometer 25 in Aumühle – da habe ich meinen Vater angerufen, dass er vorbeikommen soll“, erzählt Willms junior. „Fidi“ Willms schwang sich in den Sattel und erreichte seinen Sohn schließlich in Lüerte bei Kilometer 30. „Bis dahin habe ich mich top gefühlt, aber danach wurde es hart“, schildert der 27-Jährige seine Strapazen. Mit Wasser und Traubensaft konnte er die sich leerenden Energiespeicher zumindest halbwegs wieder auffüllen. „Den toten Punkt habe ich aber nicht erreicht. Ich konnte noch reden.“

Der Beweis: Die Lauf-App hat alle Daten zu Ole Willms’ Marathon aufgezeichnet.

Rasch kam das imaginäre Ziel näher. „Fünf Kilometer vorher wusste ich: Das pack ich!“, meint Ole Willms. Mit jedem Schritt wuchs seine Vorfreude. Um ja nicht zu früh aufzuhören, legte er auf die ominösen 42,195 Kilometer noch gut 100 Meter drauf. Nach 3:58:25 Stunden blieb die Uhr schließlich stehen. „Eine bemerkenswerte Leistung“, findet Vater „Fidi“ Willms. „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich mal einen Marathon schaffe“, erklärt Ole Willms. Natürlich hätte er dieses Erlebnis lieber bei einem großen Rennen wie in Hamburg oder Berlin gefeiert. Doch auch so war er sehr mit sich zufrieden.

Hoffnung auf baldigen Wiederbeginn des Fußballtrainings

Der erwartete Muskelkater blieb zu seiner Überraschung aus. „Allerdings habe ich meine Knie gemerkt“, sagt Ole Willms. Nach seinem Marathon legte er zunächst drei Tage die Füße hoch, ehe er eine lockere Runde mit dem Rennrad unternahm. Auch ohne konkretes Ziel will Ole Willms vorerst weiter die Laufschuhe anziehen – zumindest so lange, bis es mit Fußball weitergeht. „Ich hoffe, dass ich die Jungs zeitnah wiedersehen werde und wir ein bisschen gegen den Ball treten können“, wünscht sich Ole Willms. Außerdem vermisst er „das Bierchen nach dem Training“.

Schön wär’s: Gerne würde Ole Willms (r.) wieder für den VfL Wildeshausen II Fußball spielen.

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