Saison soll abgebrochen und annulliert werden

Niedersächsischer Fußballverband vollzieht Kehrtwende

Ein platter Fußball liegt an einem Torpfosten.
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Die Luft ist raus: Der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes wird in der kommenden Woche aller Voraussicht nach den Abbruch und die Annullierung der Saison 2020/2021 beschließen.

Landkreis – Die Hängepartie geht weiter, doch jetzt ist ein Ende absehbar: Aller Voraussicht nach wird der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) die Saison 2020/2021 während seiner ordentlichen Sitzung am 31. März abbrechen. Das hätte das Gremium mit den Vorsitzenden der vier Bezirke, der 33 Fußballkreise und dem Präsidium um NFV-Boss Günter Distelrath eigentlich schon am Dienstagabend tun können. Da es sich bei der Videoschalte lediglich um einen informellen Meinungsaustausch und keine offizielle Sitzung handelte, durften die Funktionäre die pandemiebedingt seit Oktober auf Eis liegende Spielzeit aber noch nicht endgültig beerdigen.

Doch schon der „Richtungsbeschluss“ ist bemerkenswert. Schließlich vollzieht der Verband damit eine 180-Grad-Wende. Denn bislang hatte der NFV das Wort „Saisonabbruch“ gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Noch Ende vergangener Woche hatte NFV-Justiziar Steffen Heyerhorst in einem Brief an die Mitgliedsvereine die „sportliche Beendigung des laufenden Spieljahres unter Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Mittel“ beschworen. Dafür hagelte es reichlich Kritik. „Ich konnte nicht nachvollziehen, wo der NFV seinen Optimismus hergenommen hat“, wundert sich Sebastian Pundsack, Teammanager des Landesligisten VfL Wildeshausen.

Doch spätestens nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz vom Wochenbeginn mussten auch die NFV-Oberen einsehen, dass aus ihren Plänen nichts wird. Sie kapitulierten. „Es ist einfach nicht mehr realistisch, die Saison sportlich zu Ende zu führen, selbst wenn man nochmal alles modifiziert – da fehlt dann auch die Sinnhaftigkeit“, bestätigt Erich Meenken, der Vorsitzende des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst.

Aufgrund der Lockdown-Verlängerung bis zum 18. April wäre der früheste Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der 2. Mai. Zu spät, um viele Ligen selbst bei der beschlossenen Saisonverlängerung bis zum 21. Juli durchzubekommen. Dabei ist angesichts des derzeitigen Infektionsgeschehens längst noch nicht sicher, dass die Mannschaften tatsächlich im April auf die Plätze zurück dürfen. „Insofern wird der Verband im Rahmen einer ordentlichen Verbandsvorstandssitzung in der kommenden Woche zur weiteren Planungssicherheit für Vereine und Verband eine alternative und finale Entscheidung zum Umgang mit dem Spieljahr 2020/2021 treffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des NFV.

Neben dem Abbruch und der Annullierung der Saison wird der NFV-Vorstand am kommenden Mittwoch noch über zwei weitere Möglichkeiten beraten. Zum einen die Verlängerung der aktuellen Serie bis Sommer 2022, zum anderen den Saisonabbruch mit Wertung nach der bereits 2020 angewandten Quotientenregelung. Beide Optionen haben aber keine großen Erfolgsaussichten. „Bevorzugte Variante ist nach dem heutigen Austausch der Abbruch in Form der Annullierung – unter Berücksichtigung der Schnittstellenlösungen zwischen dem Niedersächsischen Fußballverband und den Spielklassen- und Pokalwettbewerben von übergeordneten Verbänden“, schreibt der NFV. Anders als in der Vorsaison hat der NFV durch den entsprechenden Beschluss beim außerordentlichen Verbandstag im vergangenen Juni diesmal auch rechtlich die Möglichkeit dazu. Meenken geht denn auch „zu 99 Prozent davon aus, dass es auf den Abbruch und die Annullierung hinausläuft“.

Fast schon erleichtert nahm Marcel Bragula die Nachrichten aus Barsinghausen auf. „Die Entscheidung war längst überfällig!“, findet der Trainer des VfL Wildeshausen. Das Problem sei „bis zu dem Zeitpunkt aufgeschoben worden, an dem man erkannt hat, dass es nicht mehr lösbar ist – da erkenne ich durchaus Parallelen zu anderen Gremien in diesem Land“. Im Gegensatz zum NFV hätten die Verbände in Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt längst Fakten geschaffen. „Wichtig ist, dass jetzt Klarheit herrscht. Trotzdem müssen wir zeitnah wieder auf den Platz. Da müssen wir eine Möglichkeit finden und nicht sagen, was nicht geht. Alles verbieten und gar nichts machen – das ist keine Alternative!“, betont Bragula.

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