39 Referees warten auf ihren Einsatz

Neu-Schiedsrichter des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst wollen endlich loslegen

Schiedsrichter Theodor Potiyenko zeigt an, in welche Richtung das Spiel weiterläuft.
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Aushängeschild des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst: Der 29-jährige Huder Theodor Potiyenko pfeift Begegnungen in der Männer-Regionalliga und A-Junioren-Bundesliga.

Der Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst hat im Frühjahr 39 neue Referees ausgebildet. Seitdem warten die Unparteiischen darauf, dass sie zur Pfeife greifen können.

  • 39 Anwärter haben im Frühjahr die Schiedsrichterprüfung bestanden.
  • Coronabedingt warten die Referees auf ihren Einsatz.
  • Seit Februar hat es keinen Lehrabend mehr gegeben.

Landkreis – Nachwuchsgewinnung für die Schiedsrichterzunft ist kein einfaches Geschäft. Wer lässt sich schon gern von unzufriedenen Sportlern und Zuschauern anmeckern und beschimpfen, möglicherweise auch Schlimmeres? Und das alles für ein Paar Euro Fahrtgeld und Spesen? Es gibt verlockendere Angebote! Trotzdem war es Harald Theile und seinen Mitstreitern vom Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst zu Beginn dieses Jahres gelungen, 39 Anwärter auszubilden. Dann kam Corona – und verpasste der Motivation der Nachwuchsreferees einen gehörigen Dämpfer.

„Die Jungs sind vor dem ersten Lockdown gar nicht mehr ans Pfeifen gekommen – das war das Schlimmste, was passieren konnte“, findet Kreisschiedsrichterobmann Theile. „Erfahrungsgemäß sind die Frischlinge nach dem bestandenen Lehrgang heiß darauf, gleich loszulegen.“ Doch das war diesmal nicht möglich. Stattdessen wurde die Saison 2019/2020 abgebrochen, und der Spielbetrieb der neuen Serie Mitte Oktober eingestellt. „Damit hatte sich das Thema wieder erledigt“, seufzt Theile.

Acht Lehrabende pro Saison

Dem Schiedsrichterchef bleibt nichts anderes übrig, als auf einen baldigen Wiederbeginn im Frühjahr 2021 zu hoffen, um die Neulinge endlich zu integrieren. Sobald es die Pandemie zulasse, sollen sie ihre Kenntnisse auffrischen, „um sich wieder auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen“.

Corona war ebenfalls dafür verantwortlich, dass sich die Unparteiischen seit Februar nicht mehr zu ihren obligatorischen Lehrabenden treffen konnten. Normalerweise organisiert das Team um Lehrwart Felix Heuer pro Saison acht Veranstaltungen im Schützenhof Kirchhatten und im Vereinsheim des SV Tur Abdin Delmenhorst. „Aufgrund der Größe unseres Kreises und der mangelnden Mobilität insbesondere unserer jungen Schiedsrichter haben wir nach unserer Fusion im Jahr 2012 bewusst diese beiden Schulungsorte ausgewählt, wo jeweils das gleiche Lehrprogramm moderiert wird“, erklärt Theile.

„Die Nestwärme fehlt“

Die Doppelgleisigkeit habe zudem den Vorteil, dass sich die Schiedsrichter aussuchen können, welchen Termin sie wahrnehmen, um ihr Soll zu erfüllen. „Wir verlangen von jedem Schiedsrichter, der für seinen Verein zur Anrechnung kommen will, dass er pro Saison mindestens fünf Spiele pfeift und von den acht angebotenen Lehrabenden mindestens vier besucht“, erläutert Theile. Inzwischen hat es seit zehn Monaten kein Fortbildungsangebot gegeben. „Man verlernt nichts. Aber die Nestwärme fehlt“, bedauert Theile.

Der Großenkneter weiß von anderen Fußballkreisen, die auf Online-Lehrgänge setzen. Er selbst bevorzugt den persönlichen Kontakt, gerade wenn es um komplexe Themen wie Handspiel geht. „Da gibt es ja eine ganze Reihe von Abartigkeiten. Außerdem ist es gut, wenn man den jungen Leuten mal ins Auge gucken kann, wie sie in bestimmten Situationen reagieren“, betont Theile. Notgedrungen hatte er seinem pfeifenden Personal vor der laufenden Saison die aktuellen Regeländerungen auf dem elektronischen Weg zugesandt.

Zurzeit sind wir gut aufgestellt. Wir können alle Spiele bis zur D-Jugend-Kreisliga besetzen

Kreisschiedsrichterobmann Harald Theile

Obwohl momentan die Bindung unter den Referees fehle, befürchtet Theile keinen Schiedsrichterschwund. Aus Altersgründen, studien- oder berufsbedingt verabschiede sich immer mal wieder jemand – so wie jetzt die talentierten Leon Kiesler (VfL Wildeshausen) und Leon Weber (VfR Wardenburg). „Aber grundsätzlich läuft uns wegen Corona keiner weg“, ist der pensionierte Polizeibeamte überzeugt. Momentan können die Schiedsrichteransetzer Michael Koch (Herren, Frauen), Andre Bakenhus (Jugend) und Alrich Sprung (Alte Herren, Jugend) aus einem Pool von rund 230 aktiven Unparteiischen schöpfen. Manche könne das Trio wegen des „immer intensiveren Freizeitverhaltens“ jedoch nur zweimal im Monat einsetzen. „Zurzeit sind wir gut aufgestellt. Wir können alle Spiele bis zur D-Jugend-Kreisliga besetzen“, freut sich Theile.

Neuer Lehrgang ist jederzeit möglich

Damit das so bleibt, bietet der Fußballkreis in der Winterpause regelmäßig einen neuen Anwärterlehrgang an. Diesmal haben Theile und seine Kollegen aus bekanntem Grund darauf verzichtet. „Wir werden abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Wenn es die Situation erlaubt, können wir jederzeit einen Lehrgang aus dem Boden stampfen“, hofft Theile auf einen Rückgang der Infektionszahlen.

Seit Juni 2020 sind in Niedersachsen schon Kinder ab zwölf Jahren zur Schiedsrichterausbildung zugelassen (vorher 14 Jahre). Auch im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst waren sechs 13-Jährige angetreten. „Die standen aber alle kurz vor der Vollendung des 14. Lebensjahres“, berichtet Theile. Mit Lehrwart Felix Heuer sei er sich nach Erfahrungen in der Vergangenheit aber einig, „dass die Durchfallquote in diesem Alterssegment doch sehr hoch ist“ und oftmals „die kindliche Unreife“ überwiege.

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