TV Neerstedt gewinnt Abwehrschlacht gegen HSG Barnstorf/Diepholz mit 20:17

Eike Kolpack ist der Mann für die wichtigen Tore

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Zerreißprobe: Neerstedts Eike Kolpack (l.) im Duell mit seinem ehemaligen Mitspieler Bastian Carsten-Frerichs.

Neerstedt - Von Sven Marquart. Ausgelassen tanzten die Oberliga-Handballer des TV Neerstedt im Kreis herum. Ihr Trainer Jörg Rademacher saß derweil fix und fertig auf der Bank und musste das Erlebte erst einmal sacken lassen: In einer nervenaufreibenden Partie hatte seine Crew den Aufstiegsaspiranten HSG Barnstorf/Diepholz mit 20:17 (9:10) bezwungen.

„Ich bin sprachlos! Ich bin so stolz auf die Mannschaft, wie sie gefightet und die Sachen auf den Punkt gebracht hat. Ich habe nicht gedacht, dass wir schon soweit sind, einen der Großen der Liga zu schlagen“, sprudelte es aus Rademacher heraus, als er sich wieder einigermaßen berappelt hatte.

Nach dem „Graupenhandball“ beim 30:33 gegen die TSG Hatten-Sandkrug hatte Rademacher mit seinem Team in der folgenden Trainingswoche intensiv an einer 5:1-Abwehr gefeilt. „Sonst haben wir sehr offensiv gedeckt, aber mir war klar, dass wir umstellen müssen, weil Barnstorf individuell zu stark ist. Durch die Kompaktheit war es für die HSG schwer, Lücken zu finden“, erläuterte der 48-Jährige. Die bewegliche Formation mit Linksaußen Ole Goyert auf der Spitze machte den Gästen das Leben verdammt schwer.

Es entbrannte eine regelrechte Abwehrschlacht. Bereits nach zwei Minuten schüttelte HSG-Coach Dag Rieken erstmals leicht mit dem Kopf. Geschlagene 5:15 Minuten musste der ehemalige Neerstedter Übungsleiter an alter Wirkungsstätte warten, bis Kreisläufer Ulf Grädtke mit dem 1:1 der erste Treffer für den Tabellendritten gelang. „Unsere Angriffsleistung war überhaupt nichts, nicht zwingend genug, mit viel zu wenig Druck“, ärgerte sich Rieken.

Nach dem 6:6 durch HSG-Rechtsaußen Bastian Carsten-Frerichs, der in der vergangenen Saison noch das Neerstedter Trikot trug, setzten sich die Gäste durch Treffer von Tobias Meyer, Grädtke und Laurynas Palevicius auf 9:6 ab. Doch nach dem 8:10 durch Marcel Reuter dampfte Neerstedt den Rückstand trotz Unterzahl – Malte Kasper hatte sich eine Zeitstrafe eingehandelt – bis zur Pause auf einen Treffer ein. Zunächst parierte Christoph Kuper einen Siebenmeter von HSG-Linksaußen Finn Richter. Den folgenden Gegenstoß verwandelte Eike Kolpack, der bis dahin nur Fahrkarten geschossen hatte, mit der Schlusssirene zum 9:10. „Diese Phase kurz vor der Halbzeit mit dem verworfenen Siebenmeter und dem blöden Gegentor trotz der Überzahl darf nicht passieren“, schimpfte Rieken.

„Ich habe in der Halbzeit zu den Jungs gesagt, wenn wir bis zur 45. Minute dran bleiben, kriegen wir ’ne Chance – und genauso ist es gekommen. Barnstorf ist nervös geworden, weil wir immer eine Antwort hatten“, berichtete Rademacher aus der Kabine. Beim 11:11 durch Eike Kolpack war der Ausgleich geschafft (37.). Überhaupt entwickelte sich Neerstedts Halblinker, mit insgesamt sechs Treffern bester Werfer der Partie, nun zum Mann für die wichtigen Tore. Unter anderem sorgte er mit dem 18:16 (57.) und dem 19:17 (58.) für die Vorentscheidung. „Ihr könnt nach Hause fahr’n“, sangen die Neerstedter Fans unter den insgesamt 280 Zuschauern, nachdem Palevicius anschließend nur den Pfosten getroffen hate.

„Im Angriff waren wir in der ersten Halbzeit zu statisch und haben den Ball nicht lange genug laufen lassen. In der zweiten Halbzeit sind wir dann besser auf die Nahtstellen gegangen. Weil wir die Leute gebunden haben, hatte ich mehr Zeit beim Wurf“, erläuterte Kolpack.

55 Sekunden vor Schluss nahm Rieken Torhüter Donatas Biras herunter und brachte in Andrius Gervé den siebten Feldspieler. Doch weil Keeper Kuper gegen Palevicius die kurze Ecke zumachte und Kasper nach dem Abpraller gegen Carsten-Frerichs ein Stürmerfoul zog, war die Partie endgültig entschieden. Unmittelbar vor Spielende setzte Ole Goyert, der auch den ersten Treffer der Partie erzielt hatte, den 20:17-Schlusspunkt. „Neerstedt hat einfach mehr Siegeswillen gezeigt“, musste Rieken eingestehen.

TV Neerstedt: Kuper, Depenbrock (n.e.) - Goyert (3), Hüsener (n.e.), Reuter (2), Tytus (n.e.), Schulenberg (3), Kolpack (6), Kasper (1), Wolken (3/3), Busse (n.e.), Kunz (2).

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