Fußball-Zwangspause im ganzen Land verlängert sich / NFV streicht Tagungen und Kurse

Nachspielzeit bis Juni plötzlich neue Option

Prestigeduell vor leeren Rängen? Dieser Anschein eines „Geisterspiels“ trügt. Beim jüngsten Regionalliga-Spiel des VfB Oldenburg gegen den BSV Rehden Ende Februar hatte es wegen des Wetters nur wenige Fans ins Marschwegstadion gezogen. Das Landespokal-Halbfinale zwischen den Viertligisten (hier mit Oldenburgs Mirko Schuster gegen Quentin Fouley (v l.) vor Kai Bastian Evers und Addy-Waku Menga) am Ostermontag ist erst mal abgesagt. Foto: Krüger

Landkreis – Auf einmal ging es dann doch schneller als gedacht: Ursprünglich hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) die Uefa-Krisensitzung abwarten wollen, ehe er wegen des Coronavirus über eine Verlängerung der Zwangspause für die Fußballer in seinem Gebiet entscheidet. Doch nachdem die Landesregierung am Montagnachmittag weitere drastische Anordnungen bis hin zum Verbot öffentlicher Veranstaltungen getroffen hatte, zog zunächst der Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst Konsequenzen und strich alle Partien bis einschließlich 19. April (wir berichteten). Wenig später untersagte der Bremer Fußball-Verband alle Punkt-, Pokal- und Freundschaftsspiele sowie Turniere bis zum Dienstag nach Ostern. Abends folgte der Norddeutsche Verband mit der Absetzung aller Regionalligen im Senioren- und Juniorenbereich (also auch der Regionalliga Nord) bis 19. April. Dieses Datum wählte gestern Mittag ebenso der NFV in Barsinghausen: Somit ruht der Ball in ganz Niedersachsen bis eine Woche nach den Osterferien.

Nach dem entsprechenden Präsidiumsbeschluss erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath in einer vom Verband verbreiteten Mitteilung: „Die Verlängerung der Generalabsage ist die logische Konsequenz der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung in den letzten Tagen. Mit der Aussetzung des Spielbetriebs bis mindestens zum 19. April schaffen wir uns als Verband, aber auch den Vereinen Luft, um sich mit den möglichen Auswirkungen von Entscheidungen auseinanderzusetzen.“ Er nannte die aktuelle Situation eine „nie dagewesene Herausforderung, für die keine fertigen Pläne in der Schublade liegen“. Für den 10. April, also neun Tage vor Ablauf dieser Absage, kündigte Distelrath Informationen über den weiteren Fortgang an.

Alle Ansetzer – von Regionalliga-Spielleiter Jürgen Stebani bis zu den Staffelleitern der Kreisklassen – können nun ihre Terminplanungen hinsichtlich der jetzt schon beträchtlichen Zahl an Nachholbegegnungen in den Papierkorb werfen. Fast traditionell hatten die Osterfeiertage in den Vorjahren dazu gedient, viele im Winter witterungsbedingt ausgefallenen Duelle neu anzusetzen. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Verlängerung der Saison bis in den Juni – erst Recht, nachdem die Uefa gestern die Verschiebung der dann vorgesehenen EM auf 2021 beschlossen hatte. „Anders geht es auch nicht“, hatte Patrick Meyer als Co-Trainer des Landesligisten VfL Wildeshausen Bereits am Montag geurteilt: „Wir haben noch 16 ausstehende Spiele, die bis Ende Mai gar nicht unterzubringen wären.“

Sollte überhaupt noch einmal gekickt werden, deutet sich an, dass die Regionalliga-Saison, die ursprünglich am 17. Mai enden sollte, in die Verlängerung geht – laut Stebani mindestens bis Mitte Juni. „Wir hoffen, dass wir nach dem 19. April wieder spielen können“, nannte er die wichtigste Voraussetzung dafür.

Manche Viertligisten trifft dieser Schritt auch wirtschaftlich hart. Der VfB Oldenburg mit seinen durchschnittlich fast 1 400 Fans pro Heimspiel dürfte die fehlenden Ticket- und Catering-Einnahmen deutlicher zu spüren bekommen als etwa der SSV Jeddeloh mit dessen im Schnitt 500 Besuchern. In Oldenburg fällt zudem das Niedersachsenpokal-Halbfinale des VfB im Marschwegstadion gegen Liga-Konkurrent BSV Rehden am Ostermontag flach – Nachholtermin offen. Doch Distelrath unterstreicht, dass jetzt mehr auf dem Spiel stehe als nur Fußball: „Mit unserem Handeln wollen wir unser Möglichstes tun, um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken.“

Aus diesem Grund stehen auch im NFV-Hauptquartier in Barsinghausen nun erst mal alle Räder still – sämtliche Aus-, Fort- und Weiterbildungen, alle Talentförderprogramme und Tagungen sind für diesen Zeitraum ausgesetzt. Zudem ordnete Niedersachsens Präsidium an, dass sämtliche Sitzungen in den NFV-Kreisen und -Bezirken abzusagen seien. Das gelte auch für die Mitgliedsvereine, die weder tagen noch Training anbieten sollten.  ck

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

„Es gibt wichtigere Dinge als Fußball“

„Es gibt wichtigere Dinge als Fußball“

KSB-Chef Skatulla macht Sportvereinen Mut

KSB-Chef Skatulla macht Sportvereinen Mut

Kommentare