Erfolgscoach Marcel Bragula über die Meistersaison des VfL Wildeshausen

„Mit kuscheln holst du keine Schale“

Enttäuschung? „Wenn du Meister wirst, hast du alles richtig gemacht“, sagt Wildeshausens Trainer Marcel Bragula (vorne). Foto: Marquart

Wildeshausen – Stolze elf Zähler betrug der Vorsprung des Fußball-Bezirksligisten VfL Wildeshausen in der Endabrechnung auf Vizemeister GVO Oldenburg. Nach einer großartigen Saison, die in der Landesliga-Rückkehr gipfelte, zieht VfL-Trainer Marcel Bragula (44) Bilanz. Der Erfolgscoach spricht über . . .

die Punktausbeute

71 Zähler sammelte der Meister. Zum Vergleich: Beim Titelgewinn 2015 waren es 78 Punkte, bei der Vizemeisterschaft im Vorjahr 61. „Am Ende des Tages spielt es keine Rolle, ob du mit 61, 71 oder 78 Punkten Meister wirst. In diesem Jahr war die Gesamtqualität der Liga höher als in der Saison, in der wir uns mit Atlas duelliert haben. Deshalb sind 71 Punkte überragend, wenn man sieht, dass GVO als Zweiter 60 Punkte hat“, sagt Bragula.

die Abwehrleistung

Mit 32 Gegentreffern in 30 Spielen kassierten die Krandel-Kicker zwar einen mehr als im Vorjahr, stellen aber dennoch mit großem Abstand zum SV Wilhelmshaven (43) die beste Abwehr der Liga. „Ich bin kein Freund von Eishockey-Ergebnissen. Mein Fokus liegt immer auf der Defensive. Defensivarbeit betrifft aber nicht nur die Viererkette und den Torwart, sondern die ganze Mannschaft. Wenn der Gegner den Ball hat, sind alle elf Abwehrspieler. Die über einen längeren Zeitraum einstudierten Abläufe setzt die Mannschaft sehr gut um. Nur zum Ende der Saison waren wir ein bisschen schlampig. Allerdings will ich die letzten zwei, drei Spiele nicht zu hoch hängen“, meint Bragula.

die Torproduktion

Die Wittekind-Crew erzielte 83 Treffer – elf weniger als im Vorjahr. Aber nur GVO Oldenburg (92) und der SV Tur Abdin Delmenhorst (88) waren torhungriger. Auffällig ist die Torverteilung: Für die VfL-Ausbeute sorgten 14 verschiedene Schützen. Als bester Wildeshauser taucht Maximilian Seidel mit 14 Buden erst auf Platz elf des Bezirksliga-Rankings auf. „Ich habe lieber die beste Defensive als die beste Offensive, gewinne lieber 2:0 als 4:2. Ein Punkt, mit dem ich nicht zu 100 Prozent zufrieden bin, ist, dass wir uns in manchen Partien zu wenig Chancen rausgespielt oder verwertet haben. In der Landesliga werden wir noch weniger Chancen bekommen. Aber das ist eine generelle Entwicklung im Fußball“, erklärt Bragula.

die Strafstoßschwäche

Gleich viermal patzte der VfL in der vergangenen Spielzeit vom Elfmeterpunkt. Die Fehlschüsse von Thorben Schütte (2), Robin Ramke und Maximilian Seidel kosteten unterm Strich vier Zähler. „Wir waren auffällig schwach vom Punkt. Dabei gibt es im Fußball keine einfachere Situation als den Ball aus elf Metern ohne Gegnerdruck ins Tor zu hämmern. Entweder waren das Konzentrationsmängel oder menschlich-sportliches Versagen. Wir müssen mit breiter Brust da hingehen und das Ding reinhauen“, fordert Bragula.

das Erfolgsrezept

Erfolg im Fußball basiert für Bragula auf vier Säulen: Technik, Taktik, Kondition und Psyche. „Technisch sind uns Mannschaften wie Abdin voraus. Taktisch waren wir sehr diszipliniert. Konditionell waren wir den meisten anderen Mannschaften voraus, weil wir dreimal wöchentlich trainieren. Aber einen ganz großen Teil macht die Psyche aus, wozu auch Dinge wie Teamgeist und Kameradschaft gehören – das ist in Wildeshausen ein echtes Faustpfand. Hier schnappen sich die Spieler nicht gleich nach dem Schlusspfiff die Tasche und hauen sofort ab. Dazu kommt noch die Mentalität: Jeder Gegner weiß, dass er noch lange nicht gewonnen hat, auch wenn er mit 2:0 im Krandel führt“, erläutert Bragula.

Überraschungen

Dass Robin Ramke, der vom Kreisligisten TSV Ganderkesee gekommen war, das Wildeshauser Spiel mit seinen technischen Fähigkeiten auf Anhieb bereichern würde, war so nicht zu erwarten. Außerdem macht der VfL-Coach „drei Kreuze“, dass sein Team das verletzungsbedingte Karriereende von Abwehrchef Lennart Flege so gut kompensiert hat: „So einen Mann wie Marius Krumland zu haben, hat uns gut getan – auf dem Platz, aber auch außerhalb. Er ist ein Riesengewinn für den VfL.“

Enttäuschungen

„Wenn du Meister wirst, hast du alles richtig gemacht. Dann brauchst du nicht über Enttäuschungen zu sprechen. In der Kabine muss es auch mal scheppern. Wenn du nur kuschelst und alles rosig ist, gewinnst du keine Schale“, betont Bragula.

die Fairnesswertung

In 30 Spielen kassierte der VfL Wildeshausen lediglich 38 Gelbe Karten (Quotient: 1,26) und rangiert auch hier vor GVO Oldenburg mit 42 Verwarnungen (1,4). „Dazu muss ich gar nichts mehr sagen, das spricht für sich selbst. Dass wir ohne Platzverweis geblieben sind, unterstreicht den Charakter der Mannschaft“, findet Bragula.

emotionale Momente

„Die Verabschiedung von Jannik Wallner hat mir sehr wehgetan. Er hat elf Jahre in der Mannschaft gespielt. Seine menschlichen Qualitäten haben uns enorm weitergeholfen. Und natürlich der Sieg in Obenstrohe! Da fährt ein Fanbus mit, und die halbe Tribüne ist rot-weiß. Wohlgemerkt: Wir reden hier über Bezirksliga-Fußball“, hebt Bragula hervor.

die Landesliga

Auch nach dem Abstieg im Jahr 2017 hat Wildeshausens Übungsleiter die sechsthöchste Spielklasse nie aus den Augen verloren. „Mein Netzwerk ist bestehen geblieben. Außerdem habe ich mir Spiele angeschaut, so dass ich die Landesliga weiter beurteilen kann. Von unseren Mitaufsteigern habe ich mir Videosequenzen organisiert. Das wird ein Sprung von anderthalb Ligen. Wir gehen die Sache mit Demut an, haben aber keine Angst. Dass sechs Mannschaften absteigen, ist schon ein Brett! Ich finde die Landesliga sogar interessanter als die Oberliga: Die Fahrten sind nicht so weit, und es kommen mehr Zuschauer. Es gibt viele Derbys im südoldenburger Raum – da dürften sich viele ältere Zuschauer an vergangene Zeiten erinnert fühlen“, blickt Bragula voraus.  mar

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