Nach dem Abbruch der Fußballsaison in Niedersachsen

Kreisvorsitzender Meenken sorgt sich um den Nachwuchs

Der Fußballkreisvorsitzende Erich Meenken hält eine Rede.
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Flexibel: Erich Meenken will nun erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Landkreis – Das war’s dann also wieder. Die Saison der Amateurfußballer in Niedersachsen ist vorzeitig beendet. Wie schon im Vorjahr hat die Coronapandemie den Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) zum Handeln gezwungen. Diesmal wird die Spielzeit annulliert, einfach gestrichen – ohne Auf- und Absteiger. „Wir wissen, dass mancher nicht glücklich damit ist oder sich ungerecht behandelt fühlt. Es ist uns sehr schwergefallen, aber es gab dazu keine realistische Alternative“, sagte NFV-Präsident Günter Distelrath in einer Videobotschaft und empfahl: „Der Abbruch sollte für uns alle der Auftakt sein, unsere Rückkehr auf den Rasen vorzubereiten.“ Erich Meenken, Vorsitzender des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst, erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung die Begleitumstände und beantwortet wichtige Fragen zum Saisonabbruch .

Wie einig war sich der NFV-Vorstand, die seit Anfang November unterbrochene Serie nun abzubrechen und zu annullieren?

„Sehr einig! Es gab ein deutliches Votum“, berichtet Meenken über die Sitzung mit dem Präsidium und den Vorsitzenden der 33 NFV-Kreise: „Mehr als 80 Prozent waren für die Annullierung.“

Warum wurden keine Alternativen mehr diskutiert?

Ein Abbruch mit Quotientenregelung (wie in der Vorsaison) wäre unsinnig gewesen, da in vielen Kreisen erst sehr wenige Spiele absolviert waren. „Es soll niedersachsenweit eine einheitliche Lösung geben und keinen Flickenteppich“, hatte Meenken bereits am vergangenen Sonntag in einer Online-Konferenz mit den Vereinen des Kreises gesagt. Zur Option „Einfrieren und später fortsetzen“ gab es keine Wortmeldungen. Für die Variante „Noch abwarten und die Saison erstmal verlängern“ hatten sich 14 Vereine aus dem NFV-Bezirk Braunschweig in einem offenen Brief ausgesprochen. „Aber der Präsident hat bei der Staatskanzlei in Hannover Informationen eingeholt, und alle Prognosen sind negativ“, sagt Meenken. Demnach wird Amateursport auch nach dem 18. April noch nicht oder höchstens eingeschränkt möglich sein.

Wie beurteilen die Vereine aus dem Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst die Entscheidung?

Bei der Online-Schalte am vergangenen Sonntag hatten sich die Vereinsvertreter mit überwältigender Mehrheit für den Abbruch und die Annullierung ausgesprochen. „Auch im Nachgang hat mich keiner angerufen und sich beschwert – ich bin also mit einem klaren Votum in die Vorstandssitzung gegangen“, sagt Meenken.

Andere Bundesländer wie Hamburg und Schleswig-Holstein haben schon früher einen Schlussstrich gezogen. Gab es Kritik aus dem Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst, dass Niedersachsen zu spät dran ist?

„Mir gegenüber nicht, aber in der Presse habe ich hier und da kritische Stimmen vernommen. Die waren aber deutlich zurückhaltender als im letzten Jahr“, sagt Meenken.

Welche Folgen hat der zweite Saisonabbruch in Folge für den Amateurfußball?

„Für den Sport ist es immer schlecht, wenn der Wettbewerb so lange Zeit ausgesetzt ist und es keine Wertung gibt – gerade das macht ja den Reiz aus. Trotzdem baue ich auf die Ergebnisse der DFB-Umfrage, dass die große Masse der Fußballerinnen und Fußballer dabei bleibt und ähnlich viele Mannschaften wie vor der Pandemie wieder am Spielbetrieb teilnehmen“, erklärt Meenken. Der 61-jährige Delmenhorster sorgt sich allerdings um den Nachwuchs: „Da, wo es geht, muss das Training bei den Kindern und Jugendlichen weitergehen. Das ist ganz wichtig. Es wäre fatal, wenn gerade die Kleinsten in Scharen abwandern würden.“

Wann geht es weiter?

Planmäßig würde die neue Saison am 1. Juli beginnen. Während der Vereinskonferenz hatte der Kreisspielausschussvorsitzende Thomas Luthardt einen groben Fahrplan vorgestellt. Danach wäre die erste Kreispokalrunde für den 28. Juli vorgesehen, Punktspielstart wäre am Wochenende 31. Juli/1. August – wenn es die Pandemie zulässt und die Mannschaften vorher eine vier- bis sechswöchige Vorbereitung absolvieren können. „Aber wir sind da flexibel“, betont Meenken.

Wieder normale Ligengröße oder nicht? Wie sehen die Planungen für die nächste Saison aus?

Die Kreisliga dürfte geteilt bleiben, und auch die Kreisklassen könnten gesplittet werden. „Aber das steht noch nicht fest. Wir warten bis Ende Mai ab, wie sich die Infektionszahlen und die Gesamtsituation entwickeln. Wenn es uns geboten erscheint, werden wir sicherlich auch die Kreisklassen teilen“, sagt Meenken.

Was passiert mit den Pokalwettbewerben?

Sie sind von der Saison-Annullierung ausdrücklich nicht betroffen und könnten fortgeführt werden – sofern es die Infektionslage zulässt. „Aber wenn keine sportliche Entscheidung möglich ist, ist es aus meiner Sicht besser abzubrechen – den Sieger per Los zu bestimmen, ist nicht fair“, findet Meenken.

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