Für Junior beginnt eine besondere WM – der Wildeshauser stammt aus Brasilien

„Es dreht sich alles nur um Fußball“

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Wildeshauser Sand statt Copacabana-Strand – Der gebürtige Brasilianer Junior verfolgt die WM aus der Ferne, drückt aber die Daumen, damit es mit dem „Hexacampeao“ klappt.

Wildeshausen - Von Daniel Wiechert. Seit gestern Abend dreht sich der Erdball um den Fußball – auch für Marcos Francisco Cavalcante Monteiro Junior. Sehnsuchtsvoll verfolgt der Wildeshauser das Treiben im mehr als 8000 Kilometer entfernten Brasilien.

Für ihn ist das WM-Turnier etwas Besonderes, schließlich wurde er vor 19 Jahren in Garanhuns, etwa 200 Kilometer Luftlinie von Recife – ein WM-Spielort, der als besonders heiß und feucht gilt – geboren.

Seit Wochen – ach was, seit Monaten – Quatsch, seit Jahren heißt es in den Schlagzeilen: „Verzögerungen bei den WM-Stadien-Bauten.“ Die Kommentatoren packen dann schnell die Stereotypen-Keule aus, dass Unpünktlichkeit schließlich zur Lebensrealität in Brasilien gehöre.

Junior scheint dieses Vorurteil in Windeseile zerstreuen zu wollen – sechs Minuten vor dem eigentlichen Pressegespräch kommt er mit seinem Corsa vorgefahren. Seine haselnussbraunen Augen strahlen, der Händedruck ist fest – es entlädt sich die Kraft seines Oberkörpers, der in Form eines „Vs“ daherkommt –Ronaldo-like eben. Also der portugiesische, nicht der stets dicklich erscheinende brasilianische, der noch immer den WM-Tore-Rekord hält. „Ronaldo hat einfach alles“, sagt Junior über sein fußballerisches Vorbild, „seine Schnelligkeit, seine Schussstärke“ seien beeindruckend. Deshalb hegt der Wildeshauser auch Sympathien für Portugal, doch nur so lange sie nicht auf Brasilien beim Turnier treffen. Denn für den 19-Jährigen zählt nur der „Hexacampeao“ – der sechste WM-Titel Brasiliens.

Kein Wunder. Die ersten neun Jahre seines Lebens verbrachte der Jugendspieler des VfL Wildeshausen im Nordosten Brasiliens, bekam dort scheinbar mit der Muttermilch das Fußball-Gen verabreicht. „Ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern, in der ich kein Fußball gespielt habe“, berichtet Junior, „wir haben früher in Brasilien jeden Tag gespielt, auf der Straße – barfuß.“ Kicken auf unebenen, holprigen Wegen – für Junior ein Grund, warum die Brasilianer stets durch eine exquisite Technik auffallen. „Wenn der Ball immer verspringt, automatisieren sich viele technische Abläufe mit den Füßen“, erklärt er.

Diese Technik, aus der Kunststücke entstehen, ist elementar für den brasilianischen Fußball – es muss ein Spektakel sein. Carlos Dunga, Vorgänger des jetzigen Nationaltrainers Luiz Felipe Scolari, musste gehen, weil er der Selecao einen zu kraftmeiermäßigen Stil verpasst hatte. Fußball ist eben nicht bloß Sport und Körperertüchtigung, sondern eine Kunst am Zuckerhut, die oft als Ersatzreligion auserkoren wird, die angeblich den Lebensalltag von 200 Millionen Brasilianern bestimmt. Junior möchte das nicht bejahen oder verneinen. „Ich kann nur sagen, dass sich bei mir immer alles um Fußball dreht, ob ich in Deutschland, Brasilien oder woanders bin, spielt keine Rolle.“

„Proteste könnten einiges kaputt machen“

Der Gymnasiast hält sowieso nichts davon, dass Ballspiel gesellschaftlich zu überhöhen, er hofft einfach auf ein stimmungsvolles Turnier: „Die Brasilianer könnten die WM 2006 in Deutschland noch übertreffen“, meint Junior, schränkt aber ein: „Die vielen Proteste könnten auch einiges kaputt machen.“ Wenngleich er die Demonstranten versteht: „Es wurden massig Gelder für Stadien ausgebaut, aber die arme Bevölkerung hat rein gar nichts davon“, sagt Junior.

Der fließend Portugiesisch sprechende 19-Jährige kennt sich aus im einzigen südamerikanischen G20- Staat, zwar lebt Junior mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Stiefvater seit zehn Jahren in Deutschland, der Rest der Familie ist jedoch in Brasilien beheimatet. Fast jedes Jahr fliegt er für mehrere Wochen herüber, weiß daher auch um die Tücken des Klimas. „Dort Fußball zu spielen ist extrem, vor allem europäische Mannschaften könnten ihre Probleme bekommen.“ Wie es ist, bei mehr als 30 Grad zu kicken, musste Junior am Wochenende beim Gilde-Cup erleben: „Selbst da blieb schon einigen die Luft weg.“

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