Laufen statt Mannschaftstraining: Fußballteams sprinten auf getrennten Wegen

Jeder schwitzt für sich allein

Abschied auf unbestimmte Zeit: Patrick Meyer, Co-Trainer des VfL Wildeshausen, will nicht abschätzen, wie lange die Corona-bedingte Zwangspause dauert. Er vertraut seinen Fußballern, dass sie sich selbst fit halten.

Wildeshausen - Von Cord Krüger . Ottmar Jöckel wählte deutliche Worte. „Der VfL Wildeshausen sieht sich in der Pflicht, den kompletten Trainingsbetrieb in allen Altersklassen vorübergehend einzustellen“, teilte der Fußball-Abteilungsleiter des VfL sämtlichen Trainern seiner Sparte mit. Ausdrücklich wies er darauf hin, dass dies „keine ,Kann’-, sondern eine ,Muss’-Entscheidung“ sei. Zunächst bis 31. März sind sämtliche Plätze der Stadion-Anlage im Krandel gesperrt. Ein konsequenter und angesichts der allgegenwärtigen Gefahr durch das Coronavirus nachvollziehbarer Schritt. Zuvor hatte der Niedersächsche Fußballverband (NFV) bekanntlich sämtliche Spiele von der Oberliga bis zur 5. Kreisklasse, von den Oldies bis zu den Minis, bis einschließlich kommenden Sonntag abgesetzt.

Derlei drastische Maßnahmen verändern die seit Wochen vorherrschende Situation des des Wildeshauser Flaggschiffs allerdings nicht komplett – so kurios das zunächst klingt. Denn die Landesliga-Fußballer des VfL müssen seit mehr als zwei Monaten mit den witterungsbedingt meist gesperrten Plätzen leben: „Unsere nun schon neunwöchige Vorbereitung läuft jetzt also so weiter – mit dem Unterschied, dass wir uns als Mannschaft nicht mehr treffen“, erklärt Wildeshausens Co-Trainer Patrick Meyer. Nach der Generalabsage „hatten wir noch überlegt, ob wir den Jungs spezielle Pläne für Individualtraining mitgeben sollten – aber mal ehrlich: Wir haben vollstes Vertrauen in alle“, schildert Meyer: „Jeder hat Bock darauf, sich selbst so fit wie möglich zu halten, weil jeder Bock drauf hat, weiter in der Landesliga zu spielen.“

Wann dort und andernorts aber wieder der Ball rollt, vermag Meyer nicht abzuschätzen: „Ich denke aber mal, dass das selbst nach dem 31. März so schnell nichts wird.“

Bis dahin müssten seine Männer die Zeit irgendwie anderweitig überbrücken. „Wenn jemand sagt, dass er in den nächsten zwei Wochen gar nichts machen will, ist das auch in Ordnung“, verdeutlicht Meyer: „Denn zurzeit sehen wir, dass es Wichtigeres gibt als Fußball.“

Der überwiegende Teil im Kader dürfte allerdings nach wie vor an sich arbeiten, schätzt der Co-Trainer: „Laufen ist da sicherlich ein probates Mittel, um seinen Fitnessstand zu halten – das habe sogar ich am Sonntag gemacht.“ Zudem hätten die Fußballer während der langen Winterpause von Wildeshausens Team-Physiotherapeutin „viele Stabilisierungs- und andere Übungen gezeigt bekommen, die jeder selbst in der kleinsten Wohnung nachmachen kann – ohne Geräte und andere Hilfsmittel“. Alternativen wie Fitnessstudio oder Schwimmbad, ahnt auch er, würden über kurz oder lang schließen.

Beim Kreisliga-Zweiten Harpstedter TB setzt Trainer Jörg Peuker ebenfalls aufs individuelle Lauftraining, allerdings schickte er gestern Vormittag seinen Kickern präzise Hausaufgaben auf die Smartphones: „Das Coronavirus hat uns fest im Griff, aber wir sollten die Physis, die wir uns den bisherigen Einheiten erarbeitet haben, nicht aufs Spiel setzen“, appelliert der A-Lizenz-Inhaber. Konkret forderte er alle in seinem Kader zu drei Lauftrainings pro Woche mit jeweils sechs bis sieben Kilometern Länge auf, in deren Verlauf sie Sprints und Ausdauerabschnitte einbauen sollen. „Die Laufprotokolle sind mir zuzuschicken“, verdeutlicht der HTB-Coach mit Verweis auf die entsprechende App seines Trainingsprogramms.

Zunächst gilt dieser Plan für die laufende Woche. Für die nächste Zeit hofft er auf weitere Ideen durch Henrik Reineberg und Philipp George, seine zwei Fitness-Kaufleute im Team.

Wie der VfL Wildeshausen, dessen Vorsitzender Wolfgang Sasse Sportarten-übergreifend bis zum 19. April alle Spiele, Trainings, Sitzungen, Treffen sowie Aus- und Fortbildungen für abgesetzt erklärte, wandte sich auch der HTB-Vorstand an sämtliche Spartenleiter. Angesichts der gesperrten Hallen in der Samtgemeinde sowie des ebenfalls geschlossenen Harpstedter Schwimmbads seien sämtliche „Indoor“-Veranstaltungen ebenso abgesagt wie Training auf den Sportplätzen. Lauf- und Fitnesseinheiten auf den Nebenanlagen sind erlaubt, gemeinsames Duschen hingegen verboten. Die Anordnung gilt bis Ende der Osterferien, bei Zuwiderhandlungen behält sich der HTB das Einziehen des Kabinenschlüssels vor.

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