Erste A-Nationalspielerin des TV Brettorf?

Ida Hollmann kämpft um ihre WM-Nominierung

Die Brettorfer Faustballerin Ida Hollmann gestikuliert mit dem linken Zeigefinger.
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Präsent auf dem Platz: Ida Hollmann möchte sich ihren WM-Traum erfüllen.

Der TV Brettorf hat bisher insgesamt 29 Faustball-Nationalspielerinnen und -spieler hervorgebracht. Ida Hollmann könnte die erste A-Nationalspielerin des Vereins werden. Die 20-jährige Abwehrspielerin steht im erweiterten Aufgebot für die Weltmeisterschaft im schweizerischen Jona.

  • Ida Hollmann vom TV Brettorf steht im erweiterten Aufgebot für die Faustball-Weltmeisterschaft im schweizerischen Jona.
  • Die Defensivspezialistin wäre die erste A-Nationalspielerin in der Vereinsgeschichte.
  • Lob von der Bundestrainerin.

Brettorf – Manfred Lux gilt in Fachkreisen als der Faustball-Chronist schlechthin. Seit mehr als 50 Jahren gibt der pensionierte Grundschulrektor nun schon das Ergebnismagazin „Faustball-Informationen“ heraus. Akribisch archiviert der 83 Jahre alte Lüneburger Tabellen, Ergebnisse, Spielerdaten und einiges mehr. Auch über die deutschen Auswahlmannschaften führt Lux Statistik.

Christian Kläner das Aushängeschild

Seinen Aufzeichnungen lässt sich entnehmen, dass der TV Brettorf inzwischen 29 Nationalspielerinnen und -spieler hervorgebracht hat – Hendrik Abel mitgerechnet, der bei der U 18-Europameisterschaft 2009 verletzungsbedingt jedoch ohne Einsatz blieb. TVB-Rekordmann ist Christian Kläner. Das sportliche Aushängeschild des Vereins trug insgesamt 94-mal das Trikot mit dem Bundesadler. Der Abwehrspieler war lange auch Kapitän der A-Nationalmannschaft, mit der er zweimal Weltmeister wurde und je einmal die Europameisterschaft und die World Games gewann. Zudem zeichnete ihn der damalige Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus.

Auch die Brettorfer Frauen trugen zu deutschen Titelgewinnen bei. So dürfen sich Karen Kläner und Rika Meiners beispielsweise U 18-Weltmeisterinnen nennen, Jule Weber U 18-Europameisterin. Laura Marofke holte 2010 mit den deutschen Frauen WM-Silber. Allerdings spielte die Angreiferin des Brettorfer Erstliga-Teams damals noch für den TV Jahn Schneverdingen. Deshalb ist bislang noch keine A-Nationalspielerin aus dem wohl faustballverrücktesten Dorf der Republik in die Statistik eingegangen.

Zweimal U18-Weltmeisterin, einmal U18-Europameisterin

Doch das könnte sich bald ändern. Denn Ida Hollmann ist heiße Anwärterin auf einen Platz im WM-Aufgebot von Bundestrainerin Silke Eber. „Das würde mir viel bedeuten“, sagt Ida Hollmann. Trotz ihrer erst 20 Jahre ist sie mit 18 Länderspielen, allesamt für die deutsche U 18, bereits jetzt Brettorfs Rekordinternationale – und mit zwei WM-Titeln und einmal EM-Gold in dieser Altersklasse die erfolgreichste noch dazu. Ida Hollmann fing 2008 beim TuS Ostrittrum mit dem Faustball an, 2012 wechselte sie innerhalb der Gemeinde Dötlingen zum TV Brettorf. Seit 2019 zählt die Ostrittrumerin zum erweiterten A-Kader. „Der Unterschied zur U 18 ist riesig! Das Niveau ist sehr viel höher. Da ist man als Neuling natürlich nervös. Aber ich bin super aufgenommen worden, und jetzt macht es megaviel Spaß“, erzählt Ida Hollmann.

Inzwischen hat die Lehramtsstudentin (Englisch/Sport) mehrere Lehrgänge mit dem Nationalteam absolviert, zuletzt im Oktober in Calw. „2020 war ein schwieriges Jahr, weil wir wegen Corona nur wenige Maßnahmen durchführen konnten. Trotzdem hat Ida immer überzeugt, wenn wir sie gesehen haben. Sie hat 2020 einen richtigen Schub nach vorn gemacht“, lobt Bundestrainerin Eber. Sie habe „Ida schon im Jugendbereich für ihre Präsenz auf dem Platz bewundert“. Zudem besitze die Defensivspezialistin Führungsqualitäten, eine ausgereifte Technik und sei eine absolute Teamplayerin. Lediglich in Sachen Antizipation und Stellungsspiel sieht die Bundestrainerin Verbesserungsbedarf. „Ansonsten ist Ida schon eine sehr komplette Abwehrspielerin.“

Vier von sechs Abwehrspielerinnen dürfen zur WM

Nach fünf Trainingseinheiten bei widrigen äußeren Bedingungen in Calw reduzierten Silke Eber und ihre Kolleginnen Eva Krämer und Miriam Schuldt den vorläufigen Kader um zwei auf nun 14 Spielerinnen. Ida Hollmann ist immer noch dabei und mit ihr fünf weitere Abwehrspielerinnen – vier von ihnen dürfen mit zur Weltmeisterschaft im schweizerischen Jona (13. bis 17. Juli). Deutschland ist Titelverteidiger.

„Entscheidend wird sein, wer es in der derzeitigen Situation schafft, beim nächsten Lehrgang im April in optimaler Verfassung zu sein – das wird die größte Herausforderung“, sagt Silke Eber. Denn wegen der Pandemie ist die Hallensaison bekanntlich komplett abgesagt worden. Ida Hollmann hält sich an ihrem Studienort Heidelberg momentan mit laufen und Stabilitätsübungen fit. Ihre WM-Chancen bezeichnet die Bundestrainerin als gut, gibt aber auch zu bedenken, dass „wir gerade im Defensivbereich ein sehr offenes Rennen haben“. Dabei sieht Ida Hollmann das Trio Annika Bösch, Theresa Schröder (beide TV Jahn Schneverdingen) und Michaela Grzywatz (Ahlhorner SV) im Vorteil: „Es würde mich wundern, wenn sie nicht dabei wären.“ Luca von Loh und Laura Kauk (beide TV Jahn Schneverdingen) sind demnach ihre Hauptkonkurrentinnen. „Ich denke, dass es sich zwischen uns Jungen entscheiden wird“, vermutet die Ostrittrumerin.

Brettorferin punktet mit sozialer Kompetenz

Möglicherweise geben ja die „Soft Skills“, die weichen Faktoren, wie soziale Kompetenz den Ausschlag für die WM-Nominierung. Auch damit punktet Ida Hollmann bei der Bundestrainerin. „Ida ist ein unwahrscheinlich positiver und liebenswerter Charakter. Sie tut jeder Mannschaft gut. Mit ihr würde ich jederzeit etwas trinken gehen“, sagt Silke Eber.

„Es wäre ein Traum bei der Frauen-WM auflaufen zu dürfen“, betont Ida Hollmann. Die Entscheidung, ob sie dabei ist und zur ersten A-Nationalspielerin des TV Brettorf wird, fällt vom 3. bis zum 6. Juni beim Nominierungslehrgang in Ditzingen.

Brettorfer im Nationaltrikot

Name Anzahl Länderspiele

Christian Kläner (U 18:11/U 21: 8/A: 75) 94

Lutz Meyer (U 21: 4/A: 29) 33

Tim Lemke (U 18: 17/U 21: 7/A: 1) 25

Tobias Kläner (U 18: 7/U 21: 11/A: 3) 21

Hauke Spille (U 18: 14/U 23: 3) 17

Lars Behm (U 18: 10/U 23: 4) 14

Jens Kolb (A: 13) 13

Hauke Rykena (U 18: 7/U 21: 6) 13

Jens von Seggern (U 18: 12) 12

Marcel Osterloh (U 18: 10) 10

Malte Hollmann (U 21: 9) 9

Jörg Behm (U 21: 8) 8

Tom Hartung (U 18: 8) 8

Dominik von Seggern (U 18: 7) 7

Vincent Neu (U 18: 5) 5

Bernd Ellinghusen (U 18: 4) 4

Holger Siebler (U 18: 4) 4

Aaron Sommer (U 18: 4) 4

Christian Wirth (U 18: 4) 4

Sven Freese (U 18: 2) 2

Dennis Hirsch (U 18: 2) 2

Quelle: Statistik Manfred Lux (Stand: 19. August 2019)

Brettorferinnen im Nationaltrikot

Name Anzahl Länderspiele

Ida Hollmann (U 18: 18) 18

Karen Kläner (U 18: 12) 12

Sonja Meyer (U 18: 8) 8

Jule Weber (U 18: 5) 5

Hannah Aschenbeck (U 18: 3) 3

Rika Meiners (U 18: 2) 2

Christin Hirsch (U 18: 1) 1

Quelle: Statistik Manfred Lux (Stand: 5. Oktober 2019)

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